"Wenn man einen Patienten ins Krankenhaus gebracht hat, dann geht's schon zum nächsten", beschreibt Notfallsanitäter Dirk Wittich seinen derzeitigen Arbeitsalltag an der Hauptfeuerwache in Trier. Es ist erst neun Uhr morgens und schon jetzt knallt die Hitze auf die Pflastersteine vor der Wache. Gerade kommt ein Rettungswagen vom Einsatz und will parken. Doch die beiden Notfallsanitäter steigen schon gar nicht mehr aus. Der Alarm geht direkt wieder los.
Notfallsanitäter machen Überstunden
Normalerweise gibt es an der Trierer Hauptfeuerwache vier Rettungswagen. Zwei von ihnen stehen 24 Stunden bereit, um Einsätze zu fahren. Die beiden anderen sind 14 und acht Stunden besetzt.
Das hat nicht mehr gereicht. Wegen der Hitze wurde umgestellt. Insgesamt fünf Rettungswagen sind dann 24 Stunden einsatzbereit. Teilweise musste nach Angaben des Notfallsanitäters Personal aus der Freizeit rekrutiert werden, um den Bedarf zu decken. Teilweise sei kaum Zeit zum Durchschnaufen: "Das kann man sich komplett anstrengend vorstellen. Man hat schon viele Patienten. Auch das Mittagessen kann dann manchmal erst am Nachmittag sein", berichtet Wittich.
Ähnlich angespannt ist die Lage beim Kreisverband Trier-Saarburg des Deutschen Roten Kreuzes. Der Vorsitzende sagt dem SWR, dass nicht nur ältere Menschen betroffen sind.
Immer öfter müsse der Rettungswagen auch wegen Jüngerer ausrücken.
Und zur Wahrheit gehört auch: Manche Patienten überleben nicht.
Notfallsanitäter klären auf
Notfallsanitäter Dirk Wittich von der Berufsfeuerwehr Trier sieht bei vielen Einsätzen das gleiche Bild: Menschen, die viel zu wenig trinken, lange Kleidung tragen und stundenlang in der Sonne waren. Und am Ende den Notruf wählen.
Früher hatten die Omis die Hausmittelchen. Heute geben wir die Tipps.
Bei solchen Einsätzen geht es meist um zwei Dinge: Menschen runterkühlen und ihnen eine Infusion geben, wenn sie zu wenig getrunken haben.
Viele wissen schlicht nicht, wie sie sich vor Hitzeerschöpfung schützen können. Da braucht es viel Aufklärung. "Früher hatten die Omis ihre Hausmittelchen", sagt Wittich. "Heute geben wir den Menschen die Tipps mit."
Notaufnahmen ächtzen unter Hitze-Periode
Trotzdem kämen die meisten Menschen zur weiteren Abklärung ins Krankenhaus, sagt Wittich. Und das spüren die Notaufnahmen - auch die im Brüderkrankenhaus Trier.
So heftig habe ich das noch nicht erlebt.
Ute Schmitt ist leitende Pflegerin in der Notaufnahme des Brüderkrankenhauses. Sie arbeitet dort an vorderster Front - viele Patienten landen direkt bei ihr, sobald sie im Krankenhaus ankommen.
Hitze-Sommer 2026 Schon etwa 1.600 Hitzetote in Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz gibt es deutlich mehr Hitzetote als in den Vorjahren: In diesem Jahr sind laut RKI bereits etwa 1.600 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben.
Die seit Wochen anhaltende Hitzeperiode bringt die erfahrene Pflegerin an ihre Grenzen. "Ich arbeite hier seit 24 Jahren. So heftig habe ich das noch nicht erlebt."
Viele ältere Menschen in der Notaufnahme
Rund zwei Drittel der Menschen, die bei Ute Schmitt und ihren Kolleginnen und Kollegen ankommen, sind Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen. Oft haben diese zu wenig getrunken, erklärt der Leiter der Notaufnahme Guido Michels. Denn ältere Menschen würden ein deutlich geringeres Durstgefühl verspüren. Die Folge: Flüssigkeitsmangel. Einen kleineren Teil machen die Patienten aus, die keine Vorerkrankungen haben und beispielsweise zu lange in der Sonne waren.
Patienten, die völlig überhitzt ins Krankenhaus kommen – mit Körpertemperaturen jenseits der 40 Grad – werden zuerst heruntergekühlt, erklärt Michels. Die Körpertemperatur muss innerhalb von 30 Minuten mit gekühlten Infusionen, Kühlpacks und Ventilatoren auf unter 39 Grad gebracht werden. Sonst wird es lebensbedrohlich.
Hitze im Krankenhaus Heißer Sommer bringt Ärzte in der Region Trier an ihre Grenzen
Teils über 40 Grad in Krankenhäusern: Ärzte müssen trotz Hitze hochkonzentriert arbeiten, das bringt viele ans Limit. Aber: Für den nötigen Hitzeschutz fehlt Kliniken das Geld.
Gewalt in der Notaufnahme steigt
Neben der Arbeitsbelastung und den zusätzlichen Patienten durch die Hitze kommt die Gewalt in der Notaufnahme hinzu, erzählt Pflegerin Ute Schmitt. "Wir haben ein riesiges Thema mit Gewalt gegen Pfleger und Ärzte." Das passiere fast täglich. Besonders jetzt in diesen heißen Tagen. "Die Menschen haben keine Hemmschwelle mehr", erzählt die Pflegerin. Den Patienten sei es zu warm und es gehe ihnen alles nicht schnell genug.
Im Team durch die Hitze in der Notaufnahme
Trotz der vielen Herausforderungen in dieser Hitzeperiode liebt Schmitt ihren Beruf. Für sie spielt das Team eine entscheidende Rolle, weil die Situation alle an die Belastungsgrenze bringt.
Die Kolleginnen und Kollegen achten aufeinander: Sie sorgen dafür, dass alle regelmäßig Pausen machen und genug trinken.
So hält das Team die Hitzetage in der Notaufnahme gemeinsam durch.