Feuchte Handtücher im Nacken, verschwitzte Schutzkleidung und trotzdem volle Konzentration: Für Professor Dr. Tim Piepho gehören solche Situationen inzwischen zum Alltag. Der ärztliche Direktor des Brüderkrankenhauses Trier erlebt die Hitze im Krankenhaus als Kraftakt, für sich selbst und sein Team. "Man kann gar nicht so schnell trinken, wie man auf der anderen Seite schwitzt", sagt Piepho.
Denn Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte trifft die Hitze gleich doppelt: Sie leiden selbst unter den hohen Temperaturen, gleichzeitig steigt die Zahl der Patientinnen und Patienten, die wegen der Hitze medizinische Hilfe brauchen.
Man ist schneller an einer psychischen Überlastung, als man das sonst ist
Hitze sei eine große Herausforderung für den gesamten Körper, erklärt der ärztliche Direktor. Das merke man nicht nur körperlich. Auch die Psyche werde belastet: "Man ist schneller an einer psychischen Überlastung, als man das sonst ist."
Konzentriert arbeiten bei über 40 Grad?
Besonders problematisch sei das dort, wo medizinische Entscheidungen höchste Konzentration erfordern. In manchen Ambulanzräumen des Brüderkrankenhauses Trier seien nachmittags aktuell Temperaturen von mehr als 40 Grad möglich. "Da fällt es einem einfach schwer, sich zu konzentrieren und die bestmöglichen Entscheidungen für den Patienten zu treffen", bedauert Piepho.
Hitze belastet auch andere Kliniken
Die Situation in Trier ist kein Einzelfall. Auch im St. Josef-Krankenhaus Prüm kämpfen Mitarbeitende mit der Hitze. Der OP sei natürlich gekühlt, viele andere Bereiche des Hauses aber nicht, erklärt Chefarzt Dr. Thomas Bayer und sagt: "Grundsätzlich schwitzen alle viel mehr."
Mit einem Hitzeplan versucht das Krankenhaus gegenzusteuern: Räume sollen frühzeitig abgedunkelt, richtig gelüftet und Mitarbeitende ausreichend mit Flüssigkeit versorgt werden. Doch das sei langfristig keine Lösung.
Ich muss nicht mehr leiden als die Patienten
Der OP ist für Bayer an heißen Tagen deshalb fast ein Rückzugsort. "Ich bin froh, hin und wieder im OP operieren zu dürfen und da dann auch mal eine längere kühle Phase zu haben." Auch seine Kleidung passt der Chefarzt pragmatisch an, wo es die Hygiene erlaubt. "Ich muss nicht mehr leiden als die Patienten", sagt Bayer. In der Ambulanz trage er bei Hitze deshalb auch mal ein dünneres Hemd oder eine kurze Hose.
Klimatisierte Krankenhäuser sind teuer
Dass Hitze für Krankenhäuser immer mehr zum Thema wird, liegt nicht nur an den Temperaturen selbst. Viele Klinikgebäude wurden gebaut, als heiße Sommer wie heute die absolute Ausnahme waren.
Michael Wilke, Geschäftsführer des St. Josef-Krankenhauses Prüm, sagt: "Ein Krankenhaus wie Prüm ist baulich auf Hitzeschutz überhaupt nicht ausgelegt, weil das zu der Zeit, als es konzipiert wurde, eigentlich kein Thema war." Das knapp 50 Jahre alte Gebäude müsste aus seiner Sicht komplett umgerüstet werden. Doch das Geld dazu fehle.
Eine umfassende Modernisierung wäre sinnvoll, ist aber teuer
Auch im Brüderkrankenhaus Trier ist der Unterschied zwischen neuen und alten Gebäuden deutlich zu spüren. Das neue Bettenhaus St. Martinus beispielsweise sei komplett mit moderner Klimatechnik ausgestattet. Während ältere Bereiche nur sehr schwierig nachzurüsten seien. "Eine umfassende Modernisierung wäre sinnvoll, ist aber teuer. Das können wir als Krankenhaus so nicht stemmen", beklagt Markus Leineweber, Direktor Unternehmenskultur am Brüderkrankenhaus.
Forderung nach mehr Hitzeschutz in Kliniken
Für die Zukunft wünschen sich die Klinikverantwortlichen deshalb mehr Unterstützung von Politik und Kostenträgern. Es gehe nicht nur um einzelne Klimaanlagen, sagt Wilke. Notwendig seien langfristige Konzepte. Also bessere Dämmung, moderne Gebäudetechnik und ein umfassender Blick auf den Hitzeschutz.
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Auch Leineweber sieht dringenden Handlungsbedarf. Vor allem die Klimatisierung müsse ganzheitlich und für alle Gebäude gedacht werden. Denn heiße Sommer würden nach Einschätzung vieler Experten häufiger werden.
Hitze macht Ärzten Sorge
Der Blick auf die kommenden Jahre beunruhigt Professor Dr. Tim Piepho. "Diese Hitzeperioden, die wir erlebt haben oder momentan erleben, machen mir als Arzt große Sorgen und wir sind völlig unzureichend darauf vorbereitet", sagt er.
Dabei gehe es nicht nur darum, die Arbeitsbedingungen für das Personal angenehmer zu machen. Als Arzt habe er auch eine Fürsorgepflicht für seine Patientinnen und Patienten. Deshalb ist für Piepho klar: Krankenhäuser müssen sich auf eine neue Realität einstellen: "Wir müssen lernen, uns anzupassen."