Auf den ersten Blick sieht sie aus wie eine ganz normale Brille oder Sonnenbrille. Tatsächlich aber kann sie filmen, fotografieren und Ton aufzeichnen. Smart Glasses nennt man diese Brillen. Und sie werden immer beliebter. Wir wollten wissen, wie leicht lassen sich Menschen damit unbemerkt aufnehmen?
Test: Heimlich mit Smart Glasses gefilmt
Unterwegs in Mainz: Auf dem Johannisfest testen wir so eine Brille. Die Kamera ist darin versteckt und die Brille per App mit dem Smartphone verbunden. Die Menschen, die angesprochen werden, ahnen davon erst einmal nichts.
Patrick zum Beispiel erfährt erst nach dem Gespräch, dass er aufgenommen wurde. "Schon mal gehört, ja, aber aufgefallen wär's mir tatsächlich nicht", sagt er, "außer jetzt, wo es bei dir leuchtet."
Auch Jan und seine Begleiter bemerken die Aufnahme zunächst nicht. Als sie erfahren, dass in der Brille eine Kamera steckt, reagieren sie nachdenklich.
"Wenn man überall damit rumlaufen kann und überall alles mitschneiden kann, ist das natürlich schon teilweise bisschen fraglich. (…) Wenn jetzt jeder Privatmann überall alles mitschneidet und man kriegt das gar nicht mit…", sagt Jan.
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Smart Glasses im Trend: Meta verkauft sieben Millionen in einem Jahr
Smart Glasses sind längst kein Nischenprodukt mehr. Meta hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben sieben Millionen der Kamera-Brillen verkauft. Beworben werden sie als Alltagshelfer - zum Telefonieren, Musik hören oder Filmen. Manche nutzen sie für Sport-Aufnahmen. Manche für mehr oder weniger lustige Internet-Videos.
Doch technisch möglich bedeutet nicht automatisch erlaubt. Heimliche Bild- und Tonaufnahmen sind rechtlich problematisch und häufig sogar strafbar.
Datenschützer warnt vor heimlichen Aufnahmen mit Smart Glasses
Der rheinland-pfälzischen Landesdatenschutzbeauftragte Dieter Kugelmann sieht vor allem ein Problem: Smart Glasses seien kaum von normalen Sonnenbrillen zu unterscheiden. Anders als bei einem Smartphone sei für Außenstehende oft nicht erkennbar, ob gerade gefilmt werde.
Die Grenze sei dort erreicht, wo Menschen ohne ihre Einwilligung gefilmt oder aufgenommen würden, erklärt Kugelmann. Rechtlich gelten für Smart Glasses zwar dieselben Regeln wie für andere Kameras - ihre Unauffälligkeit mache sie aber besonders sensibel.
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Schwimmbäder und Umkleiden: Besonders sensible Orte für heimliche Aufnahmen
Besonders heikel wird das dort, wo Menschen wenig Kleidung tragen oder Kinder unterwegs sind - etwa im Schwimmbad. Im Naturschwimmbad in Bingerbrück sind Foto- und Videoaufnahmen deshalb zum Beispiel grundsätzlich verboten.
Bademeister Dominik Tomaszewski erklärt, das Verbot solle alle Badegäste schützen. Viele Menschen seien leicht bekleidet und wollten nicht ungefragt aufgenommen werden.
Besucherinnen fühlen sich mit Risiko durch Smart Glasses unwohl
Eine Besucherin äußert ihre Bedenken: "Wenn jetzt jemand an mir vorbeiläuft, kann ich es natürlich nicht sehen", sagt sie.
Wenn man dann Aufnahmen von mir machen würde, fände ich nicht so cool.
Eine andere Schwimmbad-Besucherin berichtet, gerade Frauen seien häufig mit unerlaubten Fotos oder Videos konfrontiert. Smart Glasses könnten so etwas noch erleichtern.
App soll helfen, Smart Glasses aufzuspüren
Was helfen könnte, ist eine App: Sie scannt die Umgebung und schlägt Alarm, wenn eine Kamera-Brille per Bluetooth erkannt wird. Für den Alltag im Schwimmbad hält Bademeister Tomaszewski das allerdings nur bedingt praktikabel. Da er jederzeit ins Wasser springen können muss, hat er in der Regel kein Smartphone bei sich.
Ministerium sieht keinen Handlungsbedarf wegen Smart Glasses
Das Innenministerium Rheinland-Pfalz sieht keinen Bedarf nachzusteuern. Es teilt mit: "Nach derzeitigem Stand bieten die bestehenden rechtlichen Regelungen im Strafrecht, Datenschutzrecht sowie im Rahmen des Hausrechts, grundsätzlich geeignete Möglichkeiten, gegen missbräuchliche Aufnahmen vorzugehen." Die Verantwortung liege vor allem bei Kommunen und Betreibern.