ADHS-Expertin Dr. Swantje Matthies

Innere Unruhe und unkonzentriert: ADHS-Symptome, Diagnostik und Therapie für Erwachsene

Unruhe, Konzentrationsprobleme und Impulsivität: ADHS betrifft auch Erwachsene. Ohne eine Behandlung und Therapie drohen Depression oder Sucht.

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Stand
  1. Was ist ADHS / ADS?
  2. Was sind Symptome? Wie läuft die Diagnostik ab?
  3. Welche Hilfe gibt es bei ADHS?
  4. Wieso steigt die Zahl der Diagnosen?

Dr. Swantje Matthies behandelt erwachsene ADHS-Betroffene. Die Psychiaterin und Verhaltenstherapeutin ist Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg. Dort hat sie eine Spezialsprechstunde, u.a. für ADHS.

Sie will psychotherapeutische Ansätze zur Behandlung der ADHS im Erwachsenenalter weiterentwickeln und aufklären, damit die Gesellschaft ihre Vorurteile und Betroffene ihre Angst vor der Krankheit verlieren und sich Hilfe suchen.

Was ist ADHS / ADS?

Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizits- / Hyperaktivitätsstörung und ist eine angeborene Entwicklungsstörung. Sie ist hochvererbbar (ähnlich der Körpergröße), die genetischen Faktoren spielen eine vorrangige Rolle bei der Entstehung von ADHS. Daneben zählen laut Matthies eine zu frühe Geburt, Rauchen in der Schwangerschaft und gewisse andere Schadstoffe wie Blei für das ungeborene Kind zu den Risikofaktoren.

ADHS beginnt nicht mit 25, sondern ADHS hat man schon immer und es kann natürlich sein, dass ADHS zu einem bestimmten Zeitpunkt dann ins Gewicht fällt. Es kann auch sein, dass das fluktuiert, dass also zu bestimmten Zeitpunkten es mehr ins Gewicht fällt als zu anderen Zeitpunkten.

70 bis 80 Prozent der von ADHS-Betroffenen entwickeln während ihres Lebens andere Folgeerkrankungen (z.B. eine Depressionen oder Sucht). Eine intensive Mediennutzung kann zwar zu ADHS-ähnlichen Symptomen führen, aber nicht zur Entstehung einer ADHS.

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ADHS: Symptome, Diagnostik und Hilfe

Swantje Matthies arbeitet gern mit Menschen, die ADHS haben. 

Weil das sehr lebendig, sehr energievoll, sehr begeisternd, sehr kreativ ist. [...] Das ist ja die andere Seite von ADHS, da ist unendlich viel Potenzial, unendlich viel Ressource, unendlich viel Energie.

Was tun bei ADHS?

ADHS wird mit Medikamenten behandelt: Das bekannteste ist "Ritalin". Es enthält den Wirkstoff Methylphenidat: Dieser wirkt im Gehirn auf das Dopamin-System, so dass zwischen den Nervenzellen mehr Dopamin vorhanden ist. Das führt dazu, dass Unruhe und Konzentrationsproblemen weniger werden. Methylphenidat gilt als gut verträglich und auch in der Langzeitgabe als unbedenklich. Trotzdem sind Nebenwirkungen möglich, wie Appetitlosigkeit, Bluthochdruck oder Kopfschmerzen.

Neben Methylphenidat ist es laut Matthies auch möglich, ADHS mit Antidepressiva zu behandeln, wenn zusätzlich eine Depression vorliegt. Denn es gibt Antidepressiva, die auch auf die ADHS-Symptomatik wirksam sind.

Neben einer Medikation kann eine Therapie oder ein Coaching Betroffenen dabei helfen, ihr Leben zu strukturieren, ihre Impulse zu kontrollieren oder zuhören zu lernen. Manchen Betroffenen helfen Sport, Musik oder Zeichnen als Stimulation, um sich besser zu konzentrieren oder eine Pause von der inneren Unruhe zu finden.

ADHS: Zahl der Diagnosen steigt

Laut einer aktuellen Analyse ist in den letzten 10 Jahren die Zahl der AD(H)S-Diagnosen um fast 200 Prozent gestiegen, vor allem bei Frauen. Dabei handelt es sich in großen Teilen nicht um Neuerkrankungen, sondern um verspätete Diagnosen für Erwachsene, bei denen das ADHS in der Kindheit nicht erkannt wurde.

Typische Fälle sind zum Beispiel auch Eltern, die dann kommen, wenn sie merken, dass die Kinder betroffen sind und dass sie doch genauso gewesen sind, als sie so klein gewesen sind.

Dass ADHS in den Medien und auf Social Media eine immer größere Rolle spielt, findet Matthies auf der einen Seite gut, weil das für Aufklärung und Sichtbarkeit sorgt. Auf der anderen Seite kritisiert sie, dass immer wieder normales Verhalten pathologisiert und ADHS damit in ihren Augen "verwässert" wird.

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