Hitze als unterschätzte Gefahr: Wir sollten uns schützen!

Der Sommer bringt immer häufiger intensive Hitzewellen mit sich, die für viele Menschen zu einer spürbaren Belastung werden. Prof. Dr. Clemens Becker kennt die Gefahren.

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Warnung vor Hitze: Wer ist besonders gefährdet?

Raumtemperaturen von mehr als 30 Grad können besonders für ältere Menschen, chronisch Kranke sowie Babys und Kleinkinder zu einer tödlichen Gefahr werden. Laut Prof. Dr. Clemens Becker vom Universitätsklinikum Heidelberg liegt das daran, dass bei solchen Temperaturen die Haut um bis zu 30 Prozent stärker durchblutet wird.

Die inneren Organe werden dagegen schlechter durchblutet – was für Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen und anderen Vorerkrankungen, für Schwangere oder kleine Kinder gefährlich werden kann. Sie sind besonders vulnerabel.

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Wie gefährlich Hitze für uns werden kann, wer besonders gefährdet ist, wie wir vorbeugen und was wir bei der Einnahme von Medikamenten beachten sollten

Doc Fischer SWR

Medikamente bei Hitze: sie können zur Gefahr werden

Eine bisher wenig bekannte Gefahr während einer Hitzewelle laut Becker, sind Medikamente: Sie sind lediglich bis zu einer Raumtemperatur von 25 Grad Celsius zugelassen und sollten daher im Kühlschrank gelagert werden.

Jeder, der ein oder mehrere Medikamente chronisch einnimmt, sollte wissen, ob diese Medikamente bei Hitze angepasst werden müssen.

Hitze verändert bei einigen Medikamenten die Wirkung: So gibt es zum Beispiel Opiat-Pflaster, die bei hohen Temperaturen die 4- oder gar 8-fache Dosis abgeben, andere Medikamente verlieren ihre Wirkung oder wirken schwächer.

Wieder andere haben Nebenwirkungen, die bei großer Hitze gefährlich werden können: Beispielsweise, weil sie dafür sorgen, dass Betroffene nicht mehr schwitzen können und dadurch überhitzen.

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Arbeitsschutz: Siesta und Kühlung

Vor allem Menschen, die im Freien schwere körperliche Arbeit verrichten oder dicke Arbeitskleidung tragen, sieht Altersmediziner Prof. Dr. Clemens Becker gefährdet. So herrschten unter einem Feuerwehranzug 60 Grad Celsius.

Für manche Berufsgruppen findet er deshalb eine Verschiebung der Arbeitszeit in die frühen Morgenstunden sinnvoll: Die Müllabfuhr könnte zum Beispiel zwei Stunden früher anfangen, ein Dachdecker nach 11 Uhr nicht mehr arbeiten.

Beschäftigte in der Pflege oder in ungekühlten Werkstätten müssten mit Kühlwesten und entsprechenden Pausen zum Herunterkühlen geschützt werden. Sonst bestehe die Gefahr, an einem Hitzschlag zu sterben.

Krisenstab: Gesellschaft vor Hitzewellen schützen

Professor Dr. Clemens Becker kritisiert, dass das Land Baden-Württemberg in Sachen Hitzeschutz hinterherhinkt: Es fehlten Krisenstäbe und Pläne für den Katastrophenschutz.

Für mich als Mediziner ist jeder Mensch, der an Hitze stirbt, einer zu viel. Wir müssen an das Thema ran, sonst werden die Rettungsdienste überfordert, die Notaufnahmen schaffen das nicht mehr.

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Becker findet, Pflegeheime, Schulen, Kitas und andere Einrichtungen müssten besser geschützt werden. Die Politik sollte bei Hitzewellen auch über Evakuierungen nachdenken, beispielsweise in klimatisierte Hotelzimmer. Auch Museen oder Kirchen sollten aus seiner Sicht besser für den Schutz vulnerabler Gruppen genutzt werden.