- Was ist AD(H)S?
- Welche Rolle spielt Dopamin bei AD(H)S?
- Was hilft bei AD(H)S?
- Diese Strategien helfen bei AD(H)S
- AD(H)S senkt die Lebenserwartung
Was ist AD(H)S?
Die Abkürzung AD(H)S steht für Aufmerksamkeitsdefizits(hyperaktivitäts-)störung. Es handelt sich um eine neurologische Störung (Neurodivergenz), die angeboren und erblich ist. Schätzungen zufolge sind 5 Prozent aller Kinder und 3,5 Prozent aller Erwachsenen betroffen.
Ich finds immer ganz wichtig, dass wir sehen: Es ist gut, dass wir nicht alle gleich sind. AD(H)S-Betroffene haben Besonderheiten: Sie können z.B. sehr originell, sehr kreativ sein. Sie können anders denken [...] und kommen auf Lösungen, die sonst keiner hat. Sie können sehr sensibel sein.
Welche Rolle spielt Dopamin bei AD(H)S?
In den Gehirnen der Betroffenen ist die Konzentration des Botenstoffs Dopamin zu niedrig. Dopamin verschaltet im Gehirn Netzwerke für die Konzentration, Motivation und Stimmungsstabilität. Ist zu wenig Dopamin da, sind diese Netzwerke schlechter verschaltet.
Hier setzen die gängigen AD(H)S-Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat oder Dexamphetamine an: Sie erhöhen den Dopaminspiegel im Gehirn und sorgen dafür, dass sich Betroffene besser motivieren und konzentrieren können.
Diagnose AD(H)S: Was hilft Betroffenen?
Psychiaterin Astrid Neuy-Lobkowicz ist Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapie und Mitglied im Vorstand des Vereins ADHS Deutschland e.V. Aus ihrer Sicht sollte AD(H)S immer mit Medikamenten behandelt werden, weil diese sehr wirksam seien und für viele Betroffene sofort einen merklichen Unterschied machen. Zudem seien sie bereits gut und lang erforscht und hätten vergleichsweise wenige Nebenwirkungen.
AD(H)S ist das dankbarste Krankheitsbild in der Psychiatrie. Und grade dieses dankbarste Krankheitsbild, bei dem man am schnellsten Patienten helfen kann, wird am wenigsten diagnostiziert und behandelt.
Expertin Swantje Matthies | 15.12.2025 ADHS: Symptome, Diagnostik und Therapie für Erwachsene
Unruhe, Konzentrationsprobleme und Impulsivität: ADHS betrifft auch Erwachsene. Ohne eine Behandlung und Therapie können eine Depression oder Sucht drohen.
Diese Strategien helfen bei AD(H)S
AD(H)S-Betroffene sollten zunächst begreifen, dass sie anders sind und sich klarmachen, was ihnen schwer fällt. Vielen Patient:innen hilft es, Strategien zu erlernen, um sich besser zu organisieren, ihre Gefühle besser zu steuern und sich zu motivieren.
Hilfsmittel, um sich besser zu strukturieren
- Sich alles lesbar und wiederfindbar aufschreiben
- Alle Gedanken und Ideen, die über den Tag verteilt kommen, in eine Smartwatch oder das Handy diktieren und abends abarbeiten
- To-Do- und Check-Listen nutzen
- Eisenhower-Tabelle nutzen, um Aufgaben zu priorisieren (wichtig & dringend – dringend – wichtig – weder wichtig noch dringend)
- magnetisches Whiteboard für Stunden-/Wochenplan nutzen
- Familienrat halten und gemeinsam durchsprechen, was für wen ansteht
- Protokoll schreiben, damit es eine schriftliche Erinnerung gibt
Diese Tipps und Tricks helfen bei AD(H)S
Wie Gefühle besser steuern?
Bei überschießenden Emotionen und vermeintlichen Kränkungen kann es laut Psychiaterin Astrid Neuy-Lobkowicz sinnvoll sein, sich klarzumachen: Meine innere Alarmanlage wird schneller aktiviert, als es nötig ist. Hier kann es helfen, die eigenen Impulse und Gefühle zu hinterfragen: War ein Satz wirklich so gemeint, wie ich ihn verstanden habe? War ich überhaupt gemeint?
- Sich Lücke zwischen dem Gesagten und der eigenen Reaktion erlauben, um durchzuatmen oder bis zehn zu zählen.
- Toleranz lernen, um besser miteinander auszukommen. Aufeinander eingehen und zulassen, dass Konsens durch offene Gespräche geschaffen wird.
- Raum für eigene Punkte einfordern, aber auch Aussagen des Gegenübers akzeptieren.
- Signale/Codewörter miteinander trainieren.
- Miteinander klar kommunizieren.
Diversity-Tag Neurodiversität – Warum anders ticken normal ist
Autismus, ADHS oder Tourette: Manche Menschen denken, fühlen, handeln anders als die Mehrheit. Neurodiversität ist Teil menschlicher Vielfalt, aber Betroffene stoßen auf Barrieren.
Wie kann ich mich motivieren?
- To-Do-App mit Erinnerung nutzen
- 3 Dinge vornehmen, die man am Tag erledigen will als Ritual
- feste Uhrzeiten für Erledigungen einplanen
- Wecker stellen (auch für Pausen)
- externe Motivation aufbauen (z.B. sich von anderen Menschen kontrollieren lassen)
AD(H)S senkt die Lebenserwartung
Auch bei Erwachsenen, die bisher vermeintlich ohne Probleme ihren Alltag organisieren konnten, kann AD(H)S zur Stolperfalle werden: Wenn in Lebensumbrüchen äußere Strukturen wie die Arbeit wegfallen, beispielsweise durch Arbeitslosigkeit, Elternschaft oder den Eintritt in die Rente. Dann verschlimmere sich der Leidensdruck durch das unbehandelte AD(H)S, so Neuy-Lobkowicz.
Den Betroffenen fällt es schwer, sich selbst zu organisieren und den Tag zu strukturieren. Vor allem bei betroffenen Frauen könne es in der zweiten Lebenshälfte zu einer Krise kommen, weil sie die mit ihrer AD(H)S einhergehenden Symptomatik stets kompensiert haben und dadurch unter Erschöpfung leiden – oder krank werden.
Schwierigkeiten werden nicht besser, sondern das kumuliert. Was wir oft sehen mit ADS: Übergewicht. Denn oft wird Essen eingesetzt zur Gefühlsregulation. Wir sehen eine höhere Rate von Suchterkrankungen, vor allem auch Rauchen. Rauchen funktioniert gut bei ADS, es ist nur wahnsinnig schädlich. Wir sehen eine höhere Rate von Bluthochdruck, Typ 2 Diabetes. Ganz viele Erkrankungen sind häufiger. Autoimmunerkrankungen, Migräne, Epilepsie, chronisches Schmerzsyndrom im Alter.
Eine große Studie aus England zeigt: Die Lebenserwartung von Frauen mit AD(H)S ist neun Jahre niedriger als die neurotypischer Menschen. Bei Männern sind es sieben Jahre. Vor allem in der zweiten Lebenshälfte würde AD(H)S kaum diagnostiziert, kritisiert Neuy-Lobkowicz.