Medizinerin Prof. Marion Kiechle

Wechseljahre verstehen: Was Frauen ab 40 wissen sollten

Hitzewallungen, schlaflose Nächte, Gewichtszunahme: Die Wechseljahre stellen vieles auf den Kopf im Körper einer Frau. Prof. Dr. Marion Kiechle verrät, was wirklich hilft.

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Wechseljahre: Was passiert im Körper?

Die Wechseljahre treffen jede Frau – nur nicht alle merken es gleich stark. Im Schnitt treten sie mit 50 Jahren ein, allerdings mit einer breiten Spanne zwischen etwa 45 und 55 Jahren, sagt Professorin Marion Kiechle. Sie ist Direktorin der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar in München und die erste Frau Deutschlands, die auf einen Lehrstuhl für Frauenheilkunde berufen wurde.

In den Wechseljahren stellt sich der Körper hormonell um, mit Folgen für fast jedes Organ. Biologisch passiert dabei:

  • Die Eierstöcke stellen nach und nach ihre Arbeit ein.
  • Die Produktion der Geschlechtshormone sinkt – vor allem Östrogen und Progesteron.
  • Zunächst verschwindet das Hormon Gestagen, dadurch kommt es oft zu Blutungsstörungen.

Beschwerden in den Wechseljahren: Hitzewallungen, Schlafprobleme, Gehirnnebel

Nicht alle Frauen leiden stark. Etwa ein Drittel merke so gut wie gar nichts, meint Marion Kiechle. Ein anderes Drittel habe leichte bis mittlere Beschwerden und ein weiteres Drittel starke Probleme.

Typische Symptome in den Wechseljahren sind:

  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Konzentrationsstörungen und "Gehirnnebel"
  • trockene Schleimhäute, etwa in der Scheide
  • Gelenkschmerzen

Vor allem der "Gehirnnebel" (engl. Brain Fog) verunsichere viele, wenn einem zum Beispiel Wörter nicht mehr einfallen oder man Dinge vergisst. Marion Kiechle beruhigt: es gibt keine dauerhafte Veränderung der Gehirnleistung.

Das ist nur vorübergehend. Man kann ja die kognitive Leistung in Tests messen – da passiert eigentlich gar nichts oder so gut wie nichts. Das Gehirn gewöhnt sich dann auch wieder dran. Dann funktioniert es wie eine Eins.

Hormontherapie in den Wechseljahren

Die sogenannte Perimenopause beginnt im Schnitt etwa vier Jahre vor der letzten Regelblutung. 80 Prozent der Frauen haben in dieser Zeit Zyklusschwankungen mit stärkeren oder häufigeren Blutungen.

Dies lasse sich regulieren, indem in der zweiten Zyklushälfte Progesteron, das Gelbkörperhormon, eingenommen wird, so Marion Kiechle. Dadurch normalisiere sich der Zyklus in der Regel wieder. Das Brustkrebsrisiko erhöhe sich dabei nicht.

Bei einer Hormontherapie in den Wechseljahren sei ein gering erhöhtes Brustkrebsrisiko zu erwarten.

Man geht davon aus, dass eine von 1.000 Frauen, die Hormone nehmen, pro Jahr einen Brustkrebsfall mehr hat. Es ist relativ gering und entspricht dem Risiko z.B. bei Übergewicht, mangelnder Bewegung oder zu viel Alkohol.

Eine Hormonersatztherapie sei der beste Weg, um Wechseljahrs-Beschwerden loszuwerden, meint Kiechle. Dadurch werde auch das Risiko für Osteoporose, Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes reduziert.

Wie lange Frauen Hormone nehmen, sei nicht begrenzt und bis ins hohe Alter möglich, sagt Marion Kiechle. Entscheidend sei der Zeitpunkt, wann damit begonnen wird.

Es ist wichtig, wenn Hormone in den Wechseljahren genommen werden, dass man sie möglichst zeitnah zum Einsetzen der Wechseljahre gibt. Frauen ab 60 Jahre oder etwa zehn Jahre nach Beginn der Menopause sollten nicht mehr starten, weil man dann mehr Schaden als Nutzen hat.

Gesundheit Hormontherapien – Besser als ihr Ruf

Ein Drittel der Frauen in den Wechseljahren leidet unter belastenden Nebenwirkungen. Eine Hormontherapie könnte Linderung bringen – aber viele Frauen lehnen sie ab. Dabei sind die Vorbehalte weitgehend unbegründet, die Vorteile überwiegen die Nachteile bei weitem. Das belegen wissenschaftliche Studien.

Das Wissen SWR Kultur

Hormonfreie Medikamente gegen Hitzewallungen

Neben klassischen Hormonen gibt es inzwischen auch neue nicht-hormonelle Medikamente, die im Temperaturzentrum des Gehirns ansetzen. Präparate mit den Wirkstoffen Elinzanetant oder Fezolinetant können Hitzewallungen reduzieren und den Schlaf verbessern, ohne Östrogen zu enthalten.

Im Schnitt halten die Hitzewallungen sieben Jahre an. Aber es ist der Durchschnitt. Es kann sein, dass Frauen 2, 3 Jahre, aber auch 14, 15, 20 Jahre darunter leiden.

Frauen und Gesundheit: Positive Seiten der Wechseljahre

So belastend die Umstellung des Körpers in den Wechseljahren sein kann – Marion Kiechle sieht auch die Vorteile:

  • Verhütung wird überflüssig.
  • Starke und unberechenbare Blutungen hören auf.
  • Temperaturempfinden normalisiert sich. Wer früher ständig fror, erlebt die eigene Wohlfühltemperatur in den Wechseljahren oft anders.
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Gewichtzunahme in den Wechseljahren

Viele Patientinnen würden sich beklagen, dass sie zunehmen, obwohl sie nicht mehr oder weniger essen als früher, berichtet Kiechle. Der entscheidende Punkt sei allerdings gerade, wenn das Essverhalten unverändert beibehalten wird.

Liebe Damen, das ist einfach so. Wir brauchen weniger Kalorien mit zunehmendem Alter. Die Organe brauchen weniger Energie als früher. Und wenn man wirklich weiter isst wie früher, nimmt man zu.

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