Die Fettleber ist inzwischen eine Volkskrankheit: Laut Prof. Julia Seiderer-Nack ist in den Industrienationen etwa jeder dritte bis vierte Erwachsene über 40 betroffen. Besonders alarmierend: Auch übergewichtige Jugendliche zeigen immer häufiger eine Fettleber.
Die gute Nachricht: Die Leber ist ein regenerationsfähiges Organ. Mit der richtigen Ernährung und Lebensweise kann sich eine Fettleber häufig wieder zurückbilden.
- Was ist eine Fettleber?
- Was sind die Ursachen für eine Fettleber?
- Wer ist besonders gefährdet?
- Durch welche Symptome zeigt sich eine Fettleber?
- Wie wird eine Fettleber diagnostiziert?
- 5 Tipps gegen eine Fettleber: Ernährung, Gewicht, Fasten, Darmgesundheit und Kontrolle
Was ist eine Fettleber?
- Fettleber bedeutet: Im normalen Lebergewebe werden übermäßig viele Fettzellen eingelagert.
- Wird ein kritischer Schwellenwert überschritten, spricht man von einer Fettleber.
Die Leber ist unser wichtigstes Stoffwechselorgan. Sie verarbeitet Kohlenhydrate, Eiweiß, Fette und Vitamine. Gleichzeitig ist sie unser wichtigstes Entgtiftungsorgan und kümmert sich beispielsweise um Medikamente und Alkohol im Körper.
Ursachen: Warum entsteht heute so häufig eine Fettleber?
Laut Julia Seiderer-Nack sind die Hauptursachen:
- Bewegungsmangel
- dauerhafte Überernährung mit sehr kalorienreicher Kost, Fast Food, stark verarbeiteten Fertigprodukten, zuckerhaltigen Nahrungsmitteln und Süßgetränken
- Stoffwechselerkrankungen (Übergewicht, Diabetes)
Früher dachte man bei Lebererkrankungen vor allem an Alkohol. Heute ist klar: Die Hauptursache für eine Fettleber liegt in diesen Stoffwechselerkrankungen.
Wer ist besonders gefährdet?
Menschen mit Übergewicht, insbesondere mit viel viszeralem Fett, und Menschen mit Diabetes Typ 2 sind besonders gefährdet. Zunächst sind Männer eher die Risikogruppe, aber ab der Menopause ändert sich das. Frauen haben dann ein 35 % höheres Risiko, eine Fettleber zu entwickeln.
Wichtig ist aber auch: Schlankheit schützt vor Fettleber nicht. Etwa 10–20 % der Fettleberpatient:innen sind schlank, haben aber dennoch eine Fettleber.
Risiko Bauchfett: Taillenumfang
Die Ärztin Julia Seiderer-Nack nennt Richtwerte für ein erhöhtes Risiko durch viszerales Fett (Fett, das sich um die Organe legt):
- Männer: Taillenumfang > 94 cm
- Frauen: Taillenumfang > 80 cm
Ab diesen Werten gehört man in Kombination mit weiteren Faktoren zur Risikogruppe für eine Fettleber.
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Symptome: Warum viele die Fettleber nicht bemerken
Die Leber "leidet leise". Es gibt nur wenige, unspezifische Beschwerden, beispielsweise Müdigkeit oder eine geringere Leistungsfähigkeit. Dadurch ist die Fettleber häufig ein Zufallsbefund bei Ultraschalluntersuchungen oder bei der Kontrolle der Leberwerte.
Diagnose: Wie wird eine Fettleber festgestellt?
Eine Fettleber kann durch einen Ultraschall der Leber festgestellt werden. Auch die Blutwerte sind wichtig, die Patient:innen untersuchen lassen können. Besonders wichtig sind hier die sog. "Transaminasen" mit den Abkürzungen "GOT" und "GPT".
Laut Julia Seiderer-Nack kann sich die Fettleber bei etwa 10–20 % der Betroffenen zu einer Fettleberentzündung entwickeln. Im schlimmsten Fall ist die Leber mit der Zeit so vernarbt und verhärtet, dass eine Leberzirrhose entsteht und sich die Leber nicht mehr regenerieren kann. Dann bleibt nur noch die Lebertransplantation als mögliche Therapie. Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig gegenzusteuern.
5 Tipps gegen die Fettleber
Tipp 1: Ernährung umstellen – weniger Zucker, mehr "mediterran"
Die Ernährungsmedizin spielt eine zentrale Rolle, weil es keine Wunderpille gegen eine Fettleber gibt. Ärztin Julia Seiderer-Nack empfiehlt eine mediterrane Ernährung:
- hoher Anteil an Vollkornprodukten
- viel Gemüse
- Omega‑3‑Fettsäuren
Verzichtet werden sollte dafür möglichst auf Fertigprodukte, Fast Food, Süßgetränke und stark zuckerhaltige Nahrungsmittel. Julia Seiderer-Nack macht auch deutlich, wie wichtig es ist, bereits Kinder und Jugendliche möglichst früh über gesunde Ernährung aufzuklären.
Tipp 2: Gewicht reduzieren – 5 % machen einen Unterschied
Wenn wir es zum Beispiel schaffen, 5 % unseres Körpergewichts zu verlieren, […] dann kann so eine Fettleber sich auch wieder komplett regenerieren.
Die Leber kann sich regenerieren, die Fetteinlagerungen in der Leber können verschwinden. Dafür müssen Patient:innen allerdings etwas tun. Der Lebensstil muss angepasst werden – beispielsweise sollte die Ernährung weniger Kalorien beinhalten.
Die Abnehmspritze, die für Diabetes-Patient:innen entwickelt wurde, zeigt laut Julia Seiderer-Nack in Studien auch Erfolge hinsichtlich der Fettleber. Sie rechnet damit, dass die Abnehmspritze in Zukunft öfter auch bei einer Fettleber eingesetzt wird. Allerdings ist es damit alleine nicht getan: Der Lebensstil muss trotzdem umgestellt werden.
Tipp 3: Fasten-Strategien nutzen (Intervallfasten, Hafertage, Fastentage)
Mehrere Ansätze wirken laut Julia Seiderer-Nack positiv auf den Blutzucker- und Insulinstoffwechsel und damit auf die Leber:
- Intervallfasten
- Fastentage
- kalorienreduzierte Ernährung
- Hafertage
Hoher Blutzucker und Insulinresistenz sind wichtige Treiber der Fettleber – alles, was dies verbessert, hilft der Leber.
Tipp 4: Mikrobiom stärken – Darmgesundheit ist Lebergesundheit
Julia Seiderer-Nack betont: Das Darmmikrobiom besteht aus Billionen Bakterien, Hefen, Viren und Pilzen. Und etwa 70 % unseres Immunsystems sitzen im Darm. Fettleberpatient:innen und Menschen mit Übergewicht oder Diabetes haben oft eine veränderte Zusammensetzung des Mikrobioms und eine durchlässigere Darmbarriere.
Für ein gesundes Mikrobiom empfiehlt sie:
- ca. 30 g Ballaststoffe pro Tag aus Gemüse, Vollkornprodukten und fruktosearmem Obst
- Präbiotische Ernährung (Ballaststoffe als "Futter" für Bakterien)
- Probiotische Lebensmittel wie Kimchi, Sauerkraut, Kefir und Dickmilch
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Tipp 5: Frühzeitig und regelmäßig kontrollieren
Da keine eindeutigen Symptome auftreten und Patient:innen mit Fettleber selbst gegensteuern müssen, ist es wichtig, die Leber frühzeitig und regelmäßig zu kontrollieren. Die Leberwerte (GOT, GPT) lassen sich bei den Hausärzt:innen bestimmen. Auch beim Check-up ab 35 sollten Patient:innen bei einem Verdacht ihre Sorgen ansprechen. Sind die Leberwerte erhöht, aber keine Fettleber vorhanden, sollten auch andere Ursachen wie Schilddrüsenerkrankungen oder Stoffwechselstörungen abgeklärt werden.