Tiere und Pflanzen unter Druck

Der Badische Dschungel trocknet aus: "Es werden Arten auf der Strecke bleiben"

Seit Wochen Temperaturen über 30 Grad, keine Niederschläge - die Altrheinarme rund um Rastatt sind bis auf Rinnsale ausgetrocknet. Dem sensiblen Ökosystem Rheinauen droht das Aus.

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Stand

Sie gelten als der "Badische Dschungel" - die Rheinauen bei Rastatt. Doch in diesem Sommer ist vom Dschungel-Feeling im Auenwald nur noch wenig übrig. Dort, wo normalerweise die Nebenarme des Rheins plätschern, sind nur noch Kiesbänke und Pfützen übrig. Ökologen warnen vor langfristigen Folgen für das sensible Ökosystem.

Ausgetrocknete Rheinauen Rastatt
In diesem Auensee sollte im August normalerweise alles mit Wasser bedeckt sein - stattdessen durch die Hitze aufgebrochener Boden.

Rheinauen so trocken wie Mitte Oktober

Unter den Füßen raschelt es, wie bei einem Spaziergang durch Herbstlaub. Denn bereits jetzt - Mitte August - haben sich die Blätter der Pappeln und Silberweiden entlang der Althreinarme gelb und braun gefärbt und liegen teilweise auf dem Boden.

Es gibt eine Tendenz zur kollektiven Verdrängung und wir schauen darüber hinweg, wie dramatisch es eigentlich ist.

Die aktuelle Entwicklung dürfte niemanden überraschen, so Damm. Politiker und die Gesellschaft müssten sich viel intensiver und zügiger mit Maßnahmen auseinandersetzen, die den Klimawandel zumindest verlangsamen. Der aktuelle Zustand der Rheinauen bei Rastatt und anderswo macht selbst manchen Experten sprachlos.

Ausgetrocknete Rheinauen bei Rastatt
Der Auenökologe Christian Damm rechnet mit großen Veränderungen in den Rheinauen aufgrund der klimatischen Veränderungen.

"Ich bin erschüttert. Ich bin Biologe und wir sehen seit Jahrzehnten sowas auf uns zukommen. Und ich finde es sehr frustrierend, dass wir nicht in der Lage sind die Probleme wirklich zu sehen und ins Handeln zu kommen.

Einzelne Arten in der Pflanzen- und Tierwelt werden diesen "Klimaschock" nicht überleben, so Damm. Andere Arten werden diese Lücken versuchen zu füllen, aber das Gesamtgefüge werde zunächst gewaltig ins Wanken geraten. Wohin das Ganze führen werde, vermag niemand zu sagen.

NABU Rastatt: "Der Bogen könnte überspannt sein!"

Seit Mitte der 1980er Jahre sind die Rastatter Rheinauen ein Naturschutzgebiet. Sie bieten vielen Arten einen Zufluchtsort, die woanders keine Chance mehr hätten zu überleben, darunter zahlreiche Amphibien und Wasservögel. Zuletzt galten die Auwälder als einigermaßen klimastabil, da sie nah am Wasser liegen. Doch die lange Dürre setzt auch diese Orte zunehmend unter Druck.

Ausgetrocknete Rheinauen Rastatt
Die Uferfläche dieses Altrheinarms hat sich in den vergangenen Wochen drastisch verbreitert.

Eigentlich seien die Rheinauen widerstandsfähig, so Martin Klatt vom NABU Rastatt. Umweltschützer haben allerdings nun die Sorge, dass der Bogen überspannt sein könnte.

Auch Hermann Geyer vom Verein für Vogel- und Naturschutz Dettenheim (Kreis Karlsruhe) betont, wie sehr in der Aue wohnenden Tiere, Pflanzen und Insekten unter der langen Dürre und Hitze leiden.

"Es werden Arten auf der Strecke bleiben!"

Die Bestände des Blaukehlchens beispielsweise nähmen rapide ab. Wenn die Biotoplandschaften austrocknen, suchen diese Arten neue Rückzugsorte. Gleiches gilt auch für Amphibien oder Insektenarten wie Libellen.

Ausgetrocknete Rheinauen bei Rastatt
Vogelexperte Hermann Geyer sieht bereits jetzt einen Artenrückgang in den Auenwäldern.

Wegfallende Gletscher bedrohen Auenwälder zusätzlich

Ein weiteres Problem hat die Lage der Rheinauen in den vergangenen Jahren verschärft. Die Gletscher in den Alpen sind drastisch zurückgegangen, genauso wie der Schneefall in den Wintermonaten. Dadurch gibt es auch weniger Hochwasser-Wellen am Rhein, die Feuchtgebiete entlang des Rheins versorgen. Wenn diese Wellen auf Dauer ausbleiben, fehlt auch langfristig in den Auen das Wasser. Die Durststrecken werden länger und die Überschwemmungsgebiete, die außerdem als großer CO2-Speicher dienen, trocknen aus.

Auenökologe: Chance für die Umwelt liegt im Wassermanagement

Eigentlich hätten die Menschen am Oberrhein nicht zu wenig Wasser, so der Auenökologe Christian Damm. Es fehle nur am richtigen Wassermanagement. Es müsste wieder mehr Wasser vom Rhein in die Altrheinarme gelenkt werden. Das würde langfristig nicht nur dem Ökosystem entlang des Flusses, sondern auch den Pegel für die Schifffahrt stabilisieren.

Man wird nicht alles wieder zurückdrehen können, aber das ursprüngliche Gewässer wird wieder mehr zum Gewässer werden.

Einzelne Projekte entlang des Rheins verfolgen bereits diesen Weg. Dadurch könnten Teile der Verschlammung wieder rückgängig gemacht werden.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Rebekka Plies
SWR-Reporterin Rebekka Plies
Heiner Kunold
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