Bruno Fischer vom Naturschutzbund (NABU) Ortsverein Kirchberg/Jagst (Kreis Schwäbisch Hall) spricht von einer "Katastrophe". An manchen Stellen führt die Jagst dort weniger als 15 Zentimeter Wasser - das ist gerade so knöcheltief. Lebensraum für Fische geht verloren, das Ökosystem könnte sich auf lange Sicht verändern.
Ich lebe seit 40 Jahren an der Jagst. […] So schlimm war es noch nie.
Manche Zuläufe zur Jagst seien inzwischen komplett ausgetrocknet, ergänzt Fischer im SWR-Interview. Das verschärfe die Situation weiter. Ein See in der Nähe, der sonst drei bis vier Meter tief sei, habe aktuell einen Wasserstand von 80 Zentimetern.
Zu wenig, zu heiß, zu sauerstoffarm - Fische leiden im warmen Wasser
Dazu kommt: Je weniger Wasser im Fluss oder See, desto schneller erhitzt es sich. Im See hat das eine starke Ausbreitung von Blaualgen begünstigt. Generell bedeutet es: Je wärmer das Wasser wird, desto weniger Sauerstoff kann es binden. Die Fische drohen teilweise zu ersticken.
Bei Salmoniden, also beispielsweise Forellen, wirkt sich die Wassertemperatur auch auf die Nahrungsaufnahme aus. Ab 20 Grad Wassertemperatur würden die langsam aufhören zu fressen, erklärt Bruno Fischer. Er habe zuletzt zwischen 26 und 27 Grad gemessen.
Nur ein Drittel der üblichen Wassermenge im Main Wenig Wasser in Neckar und Main: Mit diesen Einschränkungen fahren Schiffe trotzdem
Die Lage sei nicht so schlimm wie auf dem Rhein, doch auch auf Neckar und Main gibt es Einschränkungen. Schiffe kommen durch das wenige Wasser nur noch langsam voran.
Andere Fische in der Jagst? Ökosystem könnte sich ändern
Es müsste deutlich mehr regnen, so Fischer weiter. Das Ökosystem könnte sich auf lange Sicht auch verändern. Denn beispielsweise Welse mögen das warme, schlammige Wasser. Bisher heimische Fischarten könnten aber aus der Jagst verschwinden - eben zum Beispiel die Forelle.
Bereits vor elf Jahren kam es zu einer Katastrophe
Es ist nicht das erste Mal, dass Fische in der Jagst bedroht sind. Bereits vor elf Jahren kam es zur Katastrophe - die allerdings nicht mit der Hitze zu tun hatte. In der Nacht zum 23. August 2015 waren Feuerwehrleute ausgerückt, um einen Brand in der Lobenhäuser Mühle bei Kirchberg an der Jagst einzudämmen. Dabei floss Löschwasser in die Jagst, angereichert mit giftigem Ammoniak aus Düngemittel, das auf dem Mühlengelände gelagert war. Rund 20 Tonnen toter Fische wurde in der Folge aus dem Wasser geholt.