Die anhaltende Trockenheit führt bei mehreren Wasserkraftwerken des Energieversorgers EnBW zu deutlich geringerer Stromproduktion. Nach Angaben des Unternehmens wirken sich die niedrigen Wasserstände in den Flüssen bereits spürbar auf die Erzeugung der Laufwasserkraftwerke aus.
Zu niedrige Wasserpegel: Kleinere Anlagen außer Betrieb
Die Laufwasserkraftwerke seien davon abhängig, wie viel Wasser ein Fluss führe, teilte die EnBW mit. "An den Kraftwerksstandorten liegen die Wasserstände und Wasserabgaben aktuell außerhalb des Normbereichs." Sinkende Pegelstände führten dazu, dass weniger Strom produziert werde.
An kleineren Zuflüssen seien einige Anlagen bereits außer Betrieb oder nur noch eingeschränkt am Netz. Besonders betroffen seien kleinere Anlagen an Flüssen wie Kocher, Enz, Jagst, Nagold oder Untere Argen.
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Stromerzeugung unter Referenzwert
Die Stromproduktion der Laufwasserkraftwerke ohne Pumpspeicherkraftwerke erreichte laut EnBW in diesem Jahr bislang nur 80 Prozent des Referenzwerts. Im Juni allein seien es lediglich 63 Prozent gewesen. Beim Rheinkraftwerk Iffezheim (Kreis Rastatt) lag die Stromerzeugung bis Ende Juni bei rund 83 Prozent des Referenzwerts. Im Juni allein wurden dort 70 Prozent erreicht.
Die Wasserkraftwerke am Neckar produzierten in den ersten sechs Monaten des Jahres nach Unternehmensangaben nur 83 Prozent der sonst möglichen Strommenge. Im Juni seien es sogar lediglich 61 Prozent des möglichen Erzeugungsniveaus gewesen.
EnBW und ihre Tochterunternehmen erzeugen insgesamt an 130 Standorten Strom aus Wasserkraft durch Laufwasser- und Pumpspeicherkraftwerke. Auch andere Unternehmen betreiben Wasserkraftwerke in Baden-Württemberg.
Auch in Tübingen, Horb und Nagold ist die Stromproduktion betroffen
In den Tübinger Wasserkraftwerken am Neckar, aber auch in Nagold und zum Teil in Horb stehen die Turbinen ebenfalls still, denn auch dort führt der Neckar zu wenig Wasser, um damit Strom zu produzieren. Bei den aktuellen Pegelständen könnten die beiden Wasserkraftwerke in der Tübinger Innenstadt und Richtung Hirschau ihre Turbinen nicht mehr betreiben. Das teilen die Stadtwerke Tübingen auf SWR-Anfrage mit.
Zusammen produzieren die Anlagen laut den Stadtwerken Tübingen 8 bis 9 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Damit könne man rund 2.000 Familien mit Ökostrom versorgen. Die Wasserkraft mache aber nur einen kleinen Teil der Stromproduktion in Tübingen aus und könne kompensiert werden, so die Stadtwerke.
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Wenig Niederschlag, hohe Verdunstung, trockener Winter
Wieso die Flüsse momentan so wenig Wasser haben, erklärt Ökologe Markus Weitere vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ): "Es ist eine Gemengelage, die da zusammenkommt. Es ist sehr warm und wir haben relativ wenig Niederschlag." Das heißt: Es komme auf der einen Seite wenig Wasser rein und es verdunste auf der anderen Seite viel durch die hohen Temperaturen.
Hinzu komme das außergewöhnlich trockene Frühjahr und der sonnige Winter, so Weitere. Dies habe dazu geführt, dass wenig Wasser in den Grundwasserspeichern sei. Durch den wenigen Schnee im Winter habe es auch eine geringere Schneeschmelze gegeben.