Förster und Waldbesitzer versuchen, den Wald klimatoleranter zu machen: Sie pflanzen Bäume, denen Hitze und Trockenheit weniger ausmachen. Die Douglasie ist so ein Baum. Das Nadelgehölz kommt eigentlich aus Nordamerika, wächst aber auch bei uns. Unter anderem im Wald bei Remchingen (Enzkreis).
Douglasien in Remchingen: Zapfen-Ernte in 30 Metern Höhe
Die Douglasie braucht weniger Wasser als andere Nadelbäume. Sie wird - Stand jetzt - kaum von Schädlingen wie dem Borkenkäfer befallen. Und sie gilt als vergleichsweise sturmfest. Das macht sie für Waldbesitzer attraktiv.
Im Wald bei Remchingen wachsen Douglasien, die für die Zapfen-Ernte geeignet sind. Das bedeutet, die Bestände sind zertifiziert, erfüllen bestimmte Kriterien, zum Beispiel bezüglich Gesundheit und Wuchs.
Geerntet wird im Juli und August. Um an die Samen der Douglasie zu kommen, braucht man ihre Zapfen. Wenn die sich erstmal öffnen, sind die Samen weg. Darum müssen die Zapfen vorher gepflückt werden. Was nicht ganz einfach ist, weil sie in den Baumkronen in 30, 40 Metern Höhe wachsen. Die Ernte übernehmen professionelle Baumkletterer.
Drei Tonnen Douglasien-Zapfen holen die Kletterer aus dem Wald
Rund drei Tonnen Douglasien-Zapfen wollen die sechs Kletterer bis Ende der Saison im Wald bei Remchingen ernten. Preis pro Kilo: 1,50 Euro. Eine Baumschule beauftragt die Kletterer und kauft der Gemeinde Remchingen die Zapfen ab. Sie werden getrocknet und in einer Trommel geschleudert, um an die Samen zu kommen.
Ein Zapfen enthält im Schnitt zwischen fünf und 15 Samen. Die Baumschule pflanzt die Samen und verkauft die Setzlinge nach zwei bis drei Jahren. Zu einem Preis von 3,50 Euro je Setzling.
Die Douglasie: ökologische und wirtschaftliche Interessen
Die Setzlinge gingen hauptsächlich in baden-württembergische Wälder und in angrenzende Bundesländer, erzählt Försterin Sarah Zwerenz, die für den Wald der Gemeinde Remchingen zuständig ist. Käufer seien die Länder und Kommunen, aber auch Privatleute, die Wald besitzen.
Begehrt ist die Douglasie nicht nur, weil sie besser mit Trockenheit umgehen kann, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen. Sie wächst vergleichsweise schnell. Nach 80 bis 100 Jahren kann ihr Stamm einen Durchmesser bis zu einem Meter haben, sagt Zwerenz. Laubbäume wie die Eiche würden das nicht in 300 Jahren schaffen. Das macht die Douglasie für die Holzwirtschaft interessant.
Kritik: Douglasie verdrängt heimische Arten
Von der Douglasie pflanze man normalerweise mindestens 50 bis 100 Stück in einer Gruppe, so Zwerenz. Deutlich mehr könne es werden, wenn größere Flächen frei würden, zum Beispiel aufgrund von Waldbrand oder Schädlingsbefall. Aber man wolle keinesfalls Monokulturen schaffen und Wälder ausschließlich mit Douglasien bepflanzen.
Es gibt durchaus Kritiker der Douglasie, die befürchten, sie könnte heimische Arten verdrängen. Diese Sorge teilt Försterin Sarah Zwerenz nicht. Die Douglasie verjünge sich nur schlecht, pflanze sich also nicht besonders gut fort. Darum sei das Anpflanzen ja so wichtig. Auch einen zu hohen Wasserverbrauch sieht sie nicht. Nadelbäume bräuchten grundsätzlich deutlich weniger Wasser als Laubbäume.
Natürlich wisse man nicht abschließend, wie das Ökosystem des Waldes auf die Douglasie reagiere. Allerdings gebe es die Douglasie schon seit über 100 Jahren bei uns, und bisher sei alles gutgegangen.
Klimatolerante Wälder - die Mischung der Bäume macht's
Im Grunde komme es auf die Mischung an. Das mache den Wald widerstandsfähiger. Werde eine Baumart zum Beispiel von einem Schädling befallen, sei nicht gleich der ganze Wald bedroht.
Heimische Laubbäume, die im Wald bisher keine große Rolle spielten, seien im Kommen, erklärt Försterin Zwerenz. Dazu gehörten verschiedene Ahorn-Arten, aber auch der Speierling oder die Elsbeere. Sie würden aufgrund des Klimawandels immer wichtiger.
Die Frage ist immer: Wie schnell ändert sich das Klima und kann sich der Baum so schnell anpassen. Das ist ein Wettrennen.
Außerdem bestünde die Möglichkeit, dass unsere Bäume sich anpassen. Trockenschäden gebe es vor allem an den Altbäumen, die unter anderen klimatischen Bedingungen aufgewachsen seien und sich jetzt nicht mehr anpassen könnten. Das gelte aber nicht für deren Nachfahren, die Jungbäume. Die könnten sich grundsätzlich an die neuen Bedingungen gewöhnen.
Laubbäume sind wichtig im Kampf gegen Waldbrände
Laubbäume sind außerdem entscheidend, um Waldbrände vorzubeugen. Misch- oder Laubwälder seien grundsätzlich nicht so waldbrandgefährdet wie reine Nadelwälder. Gründe seien die Laubmasse und das feuchtere Waldklima.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Douglasien hilfreich sein können, um den Anteil an Nadelbäumne im Michwald zu erhalten. Sie sind laut Zwerenz zum Beispiel im Schwarzwald eine gute Alternative für Tannen und Fichten. Aber sie sind kein Ersatz für Laubbäume oder den Mischwald.
Die Mischung ist am Ende das, was einen Wald mehr oder weniger widerstandsfähig macht. Gegen Schädlinge, gegen Hitze und Trockenheit und gegen Waldbrände.