Christian Meinecke ist stellvertretender Vorsitzender im Bundesverband Deutscher Schwimmmeister e. V. und selbst Betriebsleiter des Thermalfreibads in Boppard.
Schwimmmeister sind keine Babysitter – Eltern sind in der Verantwortung
SWR1: Wie groß ist das Problem in Rheinland-Pfalz, dass Eltern tatsächlich mehr auf ihr Smartphone achten als auf ihr Kind?
Christian Meinecke: Sehr groß, muss man tatsächlich sagen. Es ist noch nicht mal so, dass sie auf das Smartphone achten. Es ist generell so, dass sie gar nicht auf ihre Kinder achten. Man denkt immer: "Wenn ich in ein Schwimmbad komme, ist da ein Rettungsschwimmer. Der passt auf mein Kind auf."
Das ist nicht richtig. Wir sind keine Babysitter. Unsere Aufgabe ist es, die Schwimmer zu betreuen, damit nichts passiert. Wenn einer nicht schwimmen kann, signalisiert man das durch Schwimmflügel, Schwimmreifen, Schwimmweste oder Sonstigen. Dafür sind die Eltern zuständig.
Ein kurzes Nickerchen kann weitreichende Folgen haben
SWR1: Was sind die Folgen davon?
Meinecke: Die Folgen sind groß. Wenn ich z.B. ausbilde, sage ich: Wenn der Staatsanwalt kommt und etwas passiert ist, ist nicht die erste Frage, wo war der Schwimmmeister, sondern wo waren die Eltern. Die Eltern haben die Aufsichtspflicht für ihre Kinder.
Die Folge ist nicht nur, dass das Kind gestorben ist, was schon schlimm ist. Es wird auch noch eine Anzeige und eine Strafanzeige wegen wegen Fürsorgepflichtverletzung geben.
Die Folge ist nicht nur, dass das Kind gestorben ist, was schon schlimm ist. Es wird auch noch eine Anzeige und eine Strafanzeige wegen unterlassener oder wegen Fürsorgepflichtverletzung geben.
SWR1: Wie oft kommt es vor, dass selbst Kleinkinder ohne unmittelbare Aufsicht ihrer Eltern im Freibad unterwegs sind?
Meinecke: Sehr oft. Eine Familie legt sich zum Beispiel auf die Wiese, sonnt sich. Es kann immer passieren, dass ein Elternteil einschläft, weil es entspannt ist. Der Kleine nimmt dann auf einmal die Füße in die Hand und erkundet die Gegend.
Meinecke appelliert an die Aufsichtspflicht der Eltern
SWR1: Was machen Sie in solchen Fällen?
Meinecke: Schnell reagieren. Wir versuchen immer schnellstmöglich so etwas zu sehen. Auch wenn Kinder alleine mit Schwimmflügeln unterwegs sind, holen wir die aus dem Wasser. Wir bringen sie dann zu ihren Eltern zurück.
SWR1: Wie machen Sie die Eltern darauf aufmerksam, dass so eine Aufsichtspflicht wichtig und sinnvoll ist?
Meinecke: Das geht um das Leben jedes Kindes. Das sagen wir denen knallhart auf den Kopf zu. Wir reden hier von Leben. Die Schwimmflügel sind ratzfatz runter. Auf den Schwimmflügeln steht sogar drauf "Schützt nicht vor dem Ertrinken". Das Kind springt zum Beispiel rein, die Schwimmflügel gehen runter und es ertrinkt.
Das erklären wir den Eltern. Es kann schon beim Rutschen passieren. Das kann beim normalen Spielen passieren. Darauf machen wir die Eltern aufmerksam. Sie müssen nicht mit ins Wasser, das verlangt keiner von uns, aber zumindest am Beckenrand sitzen und ihr Kind im Auge behalten.
Die Reaktionen auf die Kritik fallen sehr unterschiedlich aus
SWR1: Wie reagieren die Eltern auf Kritik von Ihnen?
Meinecke: Unterschiedlich. Wir haben Eltern, die das natürlich einsehen und sagen, dass wir vollkommen recht haben. Es tut ihnen auch leid. Wir haben aber auch viele Eltern, die wirklich aggressiv darauf reagieren. Beleidigend sogar darauf reagieren, sodass wir die Eltern mit den Kindern des Bades verweisen müssen.
Das tut uns natürlich auch ein bisschen weh. Wir beschuldigen damit auch die Kinder, die absolut gar nichts dafür können. Wenn ihre Eltern einfach nicht einsichtig sind und es auch nicht verstehen möchten, können wir die ehrlich gesagt bei uns in den Bädern nicht gebrauchen.
SWR1: Was meinen Sie, woher dieses uneinsichtige Verhalten kommt?
Meinecke: Sie denken, der Schwimmmeister passt auf und ist für meine Kinder da. Das ist nicht der Fall.