Wie soll man jemanden im fließenden Verkehr beim Tippen auf dem Handy erwischen und das dann auch noch nachweisen? Die Antwort gab Rheinland-Pfalz vor einigen Jahren mit sogenannten Monocams, die deutschlandweit erstmals zum Einsatz kamen.
Matthias Emmerich, der Leiter der Polizeiinspektion in Trier, hat uns erklärt, ob die Handy-Blitzer zu einem Lerneffekt bei Autofahrern geführt haben.
So erkennt die Monocam das Handy am Steuer
SWR1: Herr Emmerich, wie funktionieren Monocams genau? Erkennt die Kamera das Smartphone in der Hand ganz automatisch?
Matthias Emmerich: Letztendlich gleicht die Kamera respektive die Software, die dahintersteht, das Bild, das sie im Verkehrsfluss sieht, mit ca. 20.000 Bildern, mit denen sie irgendwann zuvor gefüttert wurde, ab.
Wenn die Monocam ein entsprechendes Muster, nämlich ein Handy am Ohr oder in der Hand in der Sprechfunktion erkennt, gleicht sie das miteinander ab und schlägt uns, also der Polizei, das als möglichen Trefferfall vor.
SWR1: Das heißt, die KI schlägt vor und dann kommt auch noch der Mensch ins Spiel.
Emmerich: Wir reden hier nicht von KI, weil diese Monocam, diese Software nicht selbständig dazulernt. Sie wurde einmal von uns als Polizei angelernt und sie tut eigentlich nur das, was wir ihr sagen. Sie lernt aber da nicht dazu.
Bilanz des Einsatzes von Monocams in RLP
SWR1: Wie fällt ihre Bilanz aus? Hat die Monocam Ihre Erwartung bestätigt oder waren Sie vielleicht sogar überrascht, wie viele Menschen das Smartphone am Steuer in der Hand haben?
Emmerich: Ja, wir sind tatsächlich überrascht dahingehend, dass das System so gut funktioniert. Trotz der hohen Zahl sind wir eigentlich nicht überrascht. Denn jeder, der mit wachen Augen durch die Innenstädte fährt oder auf der Landstraße unterwegs ist, macht sich sein eigenes Bild und sieht eine Vielzahl von Menschen, die das Mobiltelefon im Fahrzeugverkehr nutzen.
Aktuell nur hier im Polizeipräsidium Trier haben wir im ersten Halbjahr 2026 knapp 700 Verstöße festgestellt. Trotz Hinweisschildern, trotz medialer Begleitung. Und daran sehen wir, dass es trotzdem immer noch ein Thema ist, das den Straßenverkehr beeinträchtigt.
SWR1: Und dann kriegen die Leute gleich einen Brief mit dem Bußgeldbescheid.
Emmerich: So sieht es aus.
SWR1: Wie viel kostet das, Handy am Ohr?
Emmerich: Aktuell 100 Euro und ein Punkt.
Monocams sind rechtlich "sauber"
SWR1: Stichwort Rechtssicherheit: Sind denn die Bußgelder auf Basis der Kameraaufnahmen juristisch auch wasserdicht?
Emmerich: Ja, absolut. Wir haben ja vor vier Jahren eine Pilotierung durchgeführt. Auf dieser Basis hat das Amtsgericht Trier uns ins Aufgabenheft geschrieben, wie eine solche Rechtsgrundlage aussehen muss.
Diese haben wir seit April 2025 im rheinland-pfälzischen Polizei- und Ordnungsbehördengesetz verankert. Ergo sind die polizeilichen Maßnahmen, die wir mit der Monocam, dem landläufigen Handyblitzer, treffen, auch aktuell rechtlich "sauber".
Die Nutzung der Mobiltelefone beim Autofahren ist um circa 70 Prozent zurückgegangen.
SWR1: Merken Sie irgendeinen Lerneffekt? Das Ganze ist ja schon länger im Gespräch, wird auch schon länger praktiziert. Gibt es weniger Handys in der Hand am Steuer?
Emmerich: Das müssen wir jetzt aktuell noch mal auswerten. Da kann ich jetzt nur auf unsere Testphase zurückblicken. Da haben wir das wissenschaftlich begleitet und erhoben und ganz klar erkannt, dass das Aufstellen der Monocam und die Ankündigung der Handyblitzer dazu führen, dass die Nutzung der Mobiltelefone um ca. 70 Prozent zurückgegangen ist.
Allerdings sehen wir an der Zahl, die ich eben genannt habe - knapp 700 im ersten Halbjahr, dass die Zahl der Nutzungen weiterhin hoch ist und damit auch die Gefahren, die für den Straßenverkehr damit einhergehen.
Handy beim Autofahren - Wann Monocams bundesweit zum Einsatz kommen
SWR1: Hat Rheinland-Pfalz dann am Ende den Weg geebnet und die Monocams kommen bundesweit irgendwann zum Einsatz?
Emmerich: Ja, das hoffe ich sehr. Ich habe das Projekt die letzten fünf Jahre federführend begleitet. Wir haben viele Erfahrungen gesammelt, auch im Austausch mit ausländischen Polizeien.
Es gibt eine Vielzahl an Bundesländern, die an unserem Modell interessiert sind. Und es gibt auch Bundesländer, die gerade die ersten Schritte gehen. Das kann man natürlich nicht von heute auf morgen umsetzen. Da geht es um Regierungskoalitionen, da muss man Rechtssicherheit schaffen. Aber es gibt eine Vielzahl von Polizeien, die hier Interesse zeigen und gerade den ähnlichen Weg gehen.