Der Kuss gehört vielleicht zu den ältesten Formen körperlicher Nähe. Forschende aus Oxford haben 2025 mit einem statistischen Modell gezeigt: Wahrscheinlich haben sich schon die gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Menschaffen vor 20 Millionen Jahren geküsst.
Am 06. Juli 2026 wird der Internationaler Tag des Kusses gefeiert, an dem der Kuss als Ausdruck von Liebe, Zuneigung und Verbundenheit gewürdigt werden soll. Der Kuss ist aber nicht nur kulturell tief verwurzelt, sondern auch wissenschaftlich interessant.
Welche Auswirkungen hat Küssen auf Immunsystem und Körper?
Ein romantischer Kuss verbindet uns nicht nur emotional, sondern wir tauschen dabei auch massenhaft Bakterien aus. Ein Kuss, der zehn Sekunden dauert, überträgt beispielsweise etwa 80 Millionen Bakterien. Eine aktuelle Studie hat außerdem gezeigt, dass Paare, die zusammenleben, nicht nur besonders viele Mikroorganismen teilen, sondern durch das Küssen auch fast die Hälfte ihrer Mundflora. In der Studie hatten 44 Prozent der Paare gemeinsame Mundbakterien.
Der Austausch von Mikroben beim Küssen kann demnach auch unser Immunsystem beeinflussen. Dieses muss beim Küssen auf fremde Bakterien, Viren und Krankheitserreger reagieren und wird so immer wieder neu trainiert.
Auch das Herz-Kreislauf-System reagiert auf Küsse. Zunächst steigt der Blutdruck, die Blutgefäße weiten sich und lassen den Blutdruck dann wieder sinken. So kann Küssen auch Stress senken.
Warum ausgerechnet der Mund?
Der Mund ist eine besonders empfindliche Zone: "Der Mundbereich ist möglicherweise deshalb die ideale Kuss-Zone, weil wir dort sehr viele hochsensitive Nerven haben", erklärt die Psychologin Beate Ditzen von der Universität Heidelberg.
Lippen, Zunge und Mund sind dicht mit Tastrezeptoren besetzt, die auch minimale Reize sofort registrieren. Diese Signale werden über mehrere Nerven direkt an das Gehirn geleitet. Dort wird dann ein ganzer Cocktail aus Wohlfühl- und Bindungshormonen wie Dopamin, Oxytocin und Serotonin ausgeschüttet.
"Wenn ich küsse, dann werden unmittelbar im Gehirn Neurotransmitter ausgeschüttet, die mich das Küssen als beglückend und belohnend erleben lassen" erklärt die Psychologin. Deshalb kann ein Kuss sich so intensiv anfühlen.
Gibt es auch psychische Auswirkungen des Küssens?
Küssen hat auch positive psychische Effekte: Zum Beispiel das Empfinden von großer Nähe und Verbindung. Psychologin Beate Ditzen erklärt, dass das auch daran liegt, dass Küssen weit über den üblichen Hautkontakt hinausgeht. Man kommt schließlich mit Flüssigkeiten des Gegenübers in Kontakt: "Und über diese Flüssigkeiten werden dann auch Botenstoffe, aber eben auch potenziell Erreger übertragen. Das heißt, diese Grenze zwischen uns, zwischen Individuen, die wird beim Küssen maximal aufgelöst." Das sei, so die Psychologin, eine sehr intensive Art der zwischenmenschlichen Verbindung.
Ob die Bakterien unsere Gefühle vielleicht sogar ein Stück weit mit steuern ist noch offen. Die Hypothese, dass die beim Küssen ausgetauschten Mikroben auch beeinflussen, wie sehr wir unseren Partner oder unsere Partnerin mögen scheint jedenfalls spannend. Ob und das tatsächlich der Fall ist, wird daher zurzeit international erforscht.