Küssen ist gesund

Wie Küssen Glücks- und Kuschelhormone aktiviert

Ein Kuss ist mehr als Romantik und Frühlingsgefühle. Der Kreislauf kommt in Schwung. Das Immunsystem profitiert. Kalorien werden verbraucht. Küssen ist gesund und macht glücklich.

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Stand

Was bei einem Kuss mit uns und unserem Körper passiert, erklärt Stefan Troendle aus der SWR1 Wissenschaftsredaktion.

SWR1: Warum macht uns Küssen so glücklich?

Stefan Troendle: Wir reden hier nicht von einem Bussi auf die Wange, sondern von richtig auf den Mund küssen. Auch gerne länger. Das macht man sowieso mit dem oder mit derjenigen, die man mag oder begehrt. Und dann entsteht ein Glücksgefühl, unter anderem durch die Intimität und die Zärtlichkeit.

Unser Körper schüttet Glückshormone aus, zum Beispiel Dopamin und das Kuschelhormon Oxytocin. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, der Körper gerät in positiven Stress.

Küssen ist gesund – Der Körper schüttet Glückshormone aus

Es gibt noch zwei schöne Studienergebnisse. Die Aussagekraft ist allerdings ein bisschen unklar. Denn es ist nicht so richtig klar, wie die Forscher das herausgefunden haben wollen. Menschen, die sich morgens mit einem Kuss von ihrem Partner zur Arbeit verabschieden, bauen nach einer Studie aus den 80er Jahren weniger Unfälle. Und sie sind angeblich auch beruflich erfolgreicher.

SWR1: Küssen soll auch bei Allergien helfen. Ist da was dran?

Troendle: Dazu gibt es eine Studie aus Japan. Allerdings gab es nur 30 Probanden. Ich glaube, da kann man die generelle Aussagekraft infrage stellen. Küssen kann aber genau das Gegenteil auslösen, nämlich allergische Reaktionen. Beispiel Erdnussallergiker.

Wenn Küssen nicht gesund ist

Der Präsident des Allergikerverbandes in den USA hat mal gesagt, dass schon minimale Dosen für einen allergischen Schock ausreichen. Das ist einem Mann passiert, dessen Freundin zwei Stunden vorher Erdnüsse gegessen hatte – trotz gründlichen Zähneputzens, trotz Kaugummis.

Der Kuss wäre wohl beinahe sein letzter gewesen. Die Spuren im Speichel haben ausgereicht, um einen allergischen Schock, einen anaphylaktischen Schock, bei ihm auszulösen. Nach dem Kuss kam erst mal der Rettungswagen.

Glück, Bindung, Entspannung – positive Seiten des Küssens

Das dient in der Regel der sozialen Bindung, der Pflege von Freundschaften oder der Beschwichtigung innerhalb von Gruppen.

SWR1: Küssen nur Menschen?

Troendle: Auch Tiere küssen, aber hier vor allem Primaten. Das hat damit zu tun, dass sie die entsprechende Lippenform haben. Bonobos, also Zwergschimpansen, nutzen Küsse oft, um sich zu beruhigen.

Sie küssen auch zum Abbau von Stress und nicht nur zur Paarung. Bonobos küssen sogar mit Zunge. Aber das dient in der Regel der sozialen Bindung, der Pflege von Freundschaften oder eben auch der Beschwichtigung innerhalb von Gruppen.

Kulturgeschichte Der Kuss – Warum es ihn gibt

Geküsst wird seit rund 5.000 Jahren, unter Paaren, Politikern und selbst in der Kirche. In rund der Hälfte der Kulturen ist Küssen allerdings verpönt. Ist der Kuss vielleicht ein Auslaufmodell?

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