Schmerzen kennen die meisten Menschen. Besonders Kopf- und Rückenschmerzen sind ein Volksleiden. Schmerzmediziner Prof. Dr. Sven Gottschling von der Uniklinik des Saarlandes empfiehlt, nicht jedes Mal, wenn's zwickt, zwackt, sticht oder drückt zu einem frei verkäuflichen Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol zu greifen und zeigt Alternativen.
Schmerzmittel nicht häufiger als an fünf Tagen im Monat
Es ist zwar keine Überraschung, aber viele unterschätzen das. Schmerzmittel, auch die frei verkäuflichen, haben Nebenwirkungen. Eine davon: Schmerzmittel können bei zu häufiger Anwendung Schmerzen auslösen, auch wenn das paradox klingt. Der Schmerzmediziner empfiehlt, an nicht mehr als fünf Tagen im Monat zu freiverkäuflichen Schmerzmitteln zu greifen. Wer häufiger unter Schmerzen leide, solle zu einem spezialisierten Arzt gehen und sich beraten lassen.
Wechselwirkungen nicht zu unterschätzen
Außerdem haben Schmerzmittel Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten – beispielsweise reduziert Ibuprofen die blutverdünnende Wirkung von ASS, die bei Menschen mit hohem Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Risiko erwünscht ist. Hier ist es wichtig mit dem behandelnden Arzt zu besprechen, ob es ausreicht, Abstand zwischen der Einnahme von ASS und Ibuprofen zu lassen oder ob es besser ist, auf Ibuprofen ganz zu verzichten.
Alternative Methoden: Akupressur und Akupunktur
Prof. Gottschling empfiehlt besonders Menschen mit regelmäßigen Kopfschmerzen, die keine ernste Ursache haben, die Methode der Akupressur auszuprobieren. Hierbei stimulieren Betroffene selbst bestimmte Körperpunkte, um den Schmerz zu lindern. Bei Kopfschmerzen wird oft empfohlen, die Punkte am Ende der Augenbrauen mehrere Minuten zu drücken. Auch an der Hand, zwischen Daumen und Zeigefinger, befindet sich laut Gottschling ein solcher Punkt.
Ein Verfahren, das wie die Akupressur auf der Annahme beruht, dass die Stimulation bestimmter Punkte im Körper Auswirkungen auf andere Körperregionen hat, ist die Akupunktur. Da hier Nadeln oder ein Lasergerät zum Einsatz kommen, kann sie ausschließlich von erfahrenen Behandlern durchgeführt werden. Auch ihr bescheinigt der Schmerzmediziner der Uniklinik hohe Wirkeffektivität.
Bei welchen Schmerzen ist der Griff zur Tablette ratsam?
Bei einer Kopfschmerzart rät Prof. Gottschling tatsächlich dazu, ein Schmerzmittel einzunehmen: Migräne. Wichtig sei es, frühzeitig in einer Migräneattacke und mit der individuell richtigen Dosierung einzugreifen. Auch Nervenschmerzen seien behandlungsbedürftig, allerdings nach Aussage des Schmerzmediziners nicht mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln; vielmehr sei es in diesem Fall wichtig, einen Arzt zu konsultieren und die richtige Medikation zu besprechen. Auch bei Gelenkschmerzen, die auf Verschleiß zurückzuführen sind, könne die Gabe von Medikamenten Bestandteil einer konservativen Behandlung sein. Hier sei es ebenfalls wichtig, die richtigen Schmerzmittel für den Einsatzzweck zu nehmen – und zwar in Rücksprache mit einem erfahrenen Arzt.
Im Studio: Prof. Dr. Sven Gottschling, Schmerzmediziner
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