Rund 26 Millionen Menschen in Deutschland haben oft Rückenschmerzen, für viele gehören sie leider zum Alltag. Dabei können sie durch Faktoren wie Stress und Trauer verstärkt werden, sagt Dr. Bernd Wiedenhöfer. Er ist Wirbelsäulenspezialist und Chirurg an der Atos Klinik in Heidelberg. Seit Jahrzehnten behandelt und operiert er Rückenleiden.
- Wann Bewegung bei Rückenschmerzen sinnvoll ist
- Bewegung hilft auch der Psyche
- Wie gut hilft Physiotherapie bei Rückenschmerzen?
- Wie Stress und Trauer Schmerzen beeinflussen können
- Bei diesen Rückenschmerzen sollte man zum Arzt gehen
Wann Bewegung bei Rückenschmerzen sinnvoll ist
SWR1: Ist es sinnvoll, Ruhe zu halten, wenn man Rückenschmerzen hat?
Dr. Bernd Wiedenhöfer: Man sollte jetzt nicht, weil man Rückenschmerzen hat, sich ins Bett legen und abwarten. Das macht keinen Sinn, sondern wechselnde Positionen und dabei einen gewissen Grad an Aktivierung.
Es gibt natürlich sogenannte "rote Fahnen", wie zum Beispiel ausfallende Schmerzen, Gefühlsstörungen, Lähmungen und so weiter. Das sind dann aber auch keine Sachen, die man mit sich ausmachen sollte, sondern da braucht man entsprechende ärztliche Hilfe.
Bewegung hilft auch der Psyche
SWR1: Wer aber viel sitzt oder sich zu wenig bewegt und daher Verspannungen hat, für den oder für die ist Bewegung auf jeden Fall gut?
Wiedenhöfer: Bewegung ist per se gut, auch das ist mittlerweile wissenschaftlich sehr gut belegt. Man spricht eigentlich sogar ab so 20 Minuten pro Tag [davon], dass man da einen guten Trainingseffekt hat. Und das wirkt auch bei dem Großteil der Rückenschmerzen.
Nebenher hat es auch eine psychosomatisch-positive Komponente, weil man zum einen einen gewissen "Break" am Tag hat. Man ist an der Luft, man kommt auf andere Gedanken, man kann ein bisschen Vertrauen in den eigenen Körper generieren, dass man auch merkt, ich kann das doch, wovor ich vielleicht auch Angst hatte, mich zu bewegen. Das sind alles positive Effekte. [...]
Wie gut hilft Physiotherapie bei Rückenschmerzen?
SWR1: Die Physiotherapiepraxen boomen, oft bekommt man gar nicht so einfach einen Termin. Ist das die beste Hilfe?
Wiedenhöfer: Die Physiotherapie ist grundsätzlich gut bei muskulären Problemen im Bereich der Wirbelsäule. Bei Nervenproblemen, die bedingt zum Beispiel durch einen Bandscheibenvorfall verursacht werden, kann es helfen, muss aber nicht helfen. Aber grundsätzlich ist es für muskuläre Probleme ein sehr guter Ansatz.
Wie Stress und Trauer Schmerzen beeinflussen können
SWR1: Die Seele, die Psyche und Rückenschmerzen, gibt es da einen Zusammenhang? Zeigt sich Stress oder Trauer auch im Rücken?
Wiedenhöfer: Ja, definitiv. Da gibt es ganz klare wissenschaftliche Daten. Wir sehen gerade im Rahmen von Trauerbewältigung durchaus solche Phasen. Wir sehen es aber auch bei Patienten, die einem signifikanten Stress ausgesetzt sind – sei es im Beruf, sei es durch familiäre Probleme. Wir sprechen dann von einer psychosomatischen Komponente des Schmerzes.
Wir haben das durchaus im Sprachgebrauch, "Dafür habe ich gebuckelt", "Das geht mir auf den Rücken", und so weiter. Wo wir dann immer solche funktionellen Schmerzen sehen, dass Muskeln zumachen, dass Gelenkprobleme auftreten, weil einfach zu viel Druck aufgrund dieses vermehrten Muskeltonus entstehen. Das sind die Ursachen.
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Bei diesen Rückenschmerzen sollte man zum Arzt gehen
SWR1: Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wiedenhöfer: Die meisten Beschwerden sind durchaus gutartig, das heißt, die meisten Rückenschmerzen lösen sich auch innerhalb von wenigen Tagen. Da braucht man natürlich nicht zum Arzt gehen. Aber spätestens dann, wenn es mehrere Tage überschreitet, ohne dass eine positive Verbesserung da ist, sollte man einen Arzt aufsuchen.
Spätestens dann, wenn es mehrere Tage überschreitet, ohne dass eine positive Verbesserung da ist, sollte man einen Arzt aufsuchen.
Das andere ist, wenn man den Eindruck hat, dass auch ausstrahlende Schmerzen in Arm oder Bein da sind, die gegebenenfalls auch sogar mit Gefühlsstörungen oder mit Schwächen verbunden sind, dann muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.