Wenn es plötzlich im Ohr fiept oder rauscht, ist das ein ernst zu nehmendes Warnsignal. Wenn das Geräusch immer häufiger kommt oder sogar bleibt, könnte es ein Tinnitus sein. Walter Willems ist davon betroffen und hat vor fünf Jahren eine Selbsthilfegruppe in Daun in der Eifel gegründet. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.
Tinnitus: Wenn alles andere nicht mehr hilft – Einstellung ändern
SWR1: Wie klingt der Tinnitus bei Ihnen, können Sie das mal beschreiben?
Walter Willems: Das ist sehr unterschiedlich. Bei mir persönlich klingt es wie das Geräusch beim Testbild, das man früher im Fernsehen gesehen hat. Aber das kann bei anderen auch ein Pfeifen, ein Rauschen, ein Klopfen oder Summen sein. Es ist sehr unterschiedlich.
SWR1: Was war bei Ihnen der Auslöser für den Tinnitus?
Willems: Bei mir war der Auslöser Stress im beruflichen und privaten Bereich. Aber das kann bei anderen wieder anders sein.
SWR1: Was haben Sie anfangs gedacht, als der Tinnitus losging?
Willems: Anfangs hab ich gedacht, was ist denn jetzt los? Ich hatte so ein bisschen das Gefühl, als hätte ich Watte in den Ohren. Und das ist in der Regel dann ein Hörsturz, das wusste ich da aber noch nicht.
Nach drei oder vier Wochen bin ich mal zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt gegangen. Und der hat mir gesagt, dass es ein Tinnitus ist und man leider nichts dagegen tun kann. Dann wird man natürlich aktiv, das ist klar.
Tinnitus – das kann helfen
SWR1: Was hilft Ihnen persönlich?
Willems: Wichtigster Punkt für mich war es, meine Grundhaltung ein bisschen zu verändern. Man muss eine Akzeptanz dafür bekommen. Am Anfang war das sehr schwierig, aber im Laufe der Jahre ist es besser geworden.
Viele Außengeräusche zulassen. Dann kommt man von dem Tinnitus weg.
SWR1: Akzeptanz heißt, man muss mit diesem Geräusch dann eben leben und schauen, wie man damit umgeht?
Willems: Ja. Entspannungsübungen sind sehr wichtig. Wenn man gestresst ist oder ein bisschen aufgeregt, dass man lernt, da wieder runterzufahren.
Für mich ist es noch Sport, der mir sehr guttut. Auch in der Natur zu wandern, also viele Außengeräusche zuzulassen. Dann kommt man von dem Tinnitus weg. Das ist meine Konsequenz daraus.
Selbsthilfegruppe für Betroffene mit Tinnitus
SWR1: Sie sind Mitglied der Deutschen Tinnitus Liga, die auch mit ihrer Selbsthilfegruppe Daun zusammenarbeitet. Wie groß ist bei Ihnen der Zulauf?
Willems: Da kommen ganz viele Leute von der Mosel, von Trier, Prüm, Bitburg, also alles in einem gewissen Umfeld. Selbst einige aus Frankfurt haben mich schon angerufen und haben mich gefragt, ob ich denen einen Tipp geben kann – was ich natürlich gerne mache.