Zur prekären Lage des deutschen Amateursports haben sich am Montagabend in Schriesheim (Rhein-Neckar-Kreis) fünf prominente Top-Sportlerinnen und Sportler aus der Rhein-Neckar-Region ausgetauscht, die auch teilweise noch aktiv sind. Teil der Runde auf dem Podium war auch Waldhof-Trainerlegende Klaus Schlappner (86). Zur Premiere des sogenannten "Sportlertalks" hatte die Bürgerstiftung Schriesheim im Zehntkeller neben Schlappner auch SV-Waldhof-Stürmer Terrence Boyd, die ehemalige Top-Schwimmerin Petra Dallmann, die mehrfache Welt- und Europameisterin im Para-Dressurreiten Hanne Brenner, Ex-Handball-Nationalspieler Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar-Löwen sowie Ex-NBA-Basketballprofi Paul Zipser aus Heidelberg eingeladen.
Klaus Schlappner, dem 1983 mit dem SV Waldhof der Aufstieg in die Fußball-Bundesliga gelang, hatte das Thema angestoßen: "Der Amateursport ist das Fundament. Die kleinen Vereine werden oft zur Seite geschoben, Gemeinden fehlt es an Geld fürs Flutlicht – da fehlen mir die Worte." Waldhof-Stürmer Boyd machte mit Blick auf alle Podiums-Teilnehmer klar: "Ohne Ehrenamt würde jetzt keiner von uns hier sitzen."
Dallmann: Ehrenamt und geöffnete Schwimmbäder wichtig
Ex-Profi-Schwimmerin Petra Dallmann sagte dem SWR, der Amateurbereich sei "genau wie jeder andere Sport einfach viel von Menschen abhängig, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren und ist leider auch abhängig von Schwimmbädern, die gerade deutschlandweit überall geschlossen werden". Dallmann, die in ihrer aktiven Zeit für den SV Nikar Heidelberg an den Start ging, nannte als Beispiel das Bad, in dem sie einst selbst das Schwimmen lernte: "Das wurde nach Corona nicht wieder aufgemacht. Nicht jedes Kind kann sich allein in den Bus setzen und 30 Minuten zum nächsten Schwimmbad fahren."
Groetzki: "Schwierig, Hallenzeiten zu bekommen"
Ex-Handballer Patrick Groetzki, der 19 Jahre lang für die Rhein-Neckar-Löwen gespielt hat, beobachtet, dass es Vereinen mitunter schwer fällt, verlässliche Trainingsbedingungen zu schaffen. "Es ist natürlich nicht einfach für die Vereine, Hallenzeiten zu bekommen, dass man sich die Halle auch nicht mit drei anderen Mannschaften aus dem Verein teilen muss." Viele Vereine würden sich mittlerweile professioneller aufstellen, "auch kleinere Vereine, die hauptamtliche Leute reinholen, um dann auf eine gute Art und Weise was zu entwickeln."
Geldnot im Amateursport - was kann die Lösung sein?
Was kann dem Amateursport langfristig helfen? Für Groetzki steht eine verlässliche Grundausstattung an erster Stelle. "Es wichtig, den Vereinen die Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten, Infrastrukturen zur Verfügung zu stellen und in Schuss zu halten." Aber: Es sei "sicher immer wieder ein Abwägen - gerade in finanzieller Hinsicht in den Gemeinden und Städten. Das macht die Sache nicht immer ganz so einfach".
In der Politik "wird zu viel gespart"
Groetzki sieht die Politik in der Verantwortung: "Das Wichtigste ist, dass man Kindern und Jugendlichen was bieten kann. Und ich glaube, da wird im Allgemeinen in der Politik viel zu viel gespart." Das gelte nicht nur im Sport, "sondern für alle möglichen Angebote, die es für Kinder gibt. Das ist die Zukunft und da muss man auf jeden Fall deutlich mehr investieren, als wir es im Moment tun."
Boyd betont Mehrwert des Vereinssports für die Gemeinschaft
Den Amateursport aufwerten - natürlich auch eine Geldfrage, sagt auch Waldhof-Spieler Terrence Boyd. Sein Vorschlag: Jugendtrainer könnten zum Beispiel für ihre ehrenamtliche Arbeit extra belohnt werden. Im Vereinssport sieht Boyd vor allem einen "krassen Mehrwert für die Gemeinschaft, für die Stadt, für die Region, für das Miteinander, Untereinander." Angesprochen auf die Rolle von Ehrenamtlichen ergänzt er: "Jeder Superstar, der aus Deutschland kommt, hat höchstwahrscheinlich einen Trainer, der es ehrenamtlich gemacht hat, der arbeiten war und sich abends noch hingestellt hat."