Wenn die Pfälzer Weinwirtschaft im Herbst auf den aktuellen Weinjahrgang blickt, dann will sie positive Botschaften verbreiten. Und die erste ist natürlich, dass es trotz der Hitzerekorde und einer so noch nie dagewesenen Trockenheit gelungen ist, eine vielversprechende Weinernte einzufahren.
Super gesunde Trauben, mit denen die Winzer alles im Keller anstellen können, was ihnen so vorschwebt. Boris Kranz, Vorsitzender von Pfalzwein e.V., ist spürbar begeistert und erleichtert zugleich.
Die Weinberge haben diese Trockenheit erstaunlich gut überstanden.
Die beschriebene hohe Qualität des Jahrgangs 2026 hilft an der ein oder anderen Stelle den Winzerinnen und Winzern sicher, löst aber die strukturellen Probleme nicht: Denn es wird weniger Wein getrunken und die Kosten für die Weingüter steigen. Deshalb werden wir Verbraucher für diesen Jahrgang auch etwas tiefer in die Tasche greifen müssen - drei, vier Prozent könnten es schon werden.
Traubenernte an der Mosel Wein und Wetterextreme: Wie junge Winzer eine alte Tradition bewahren wollen
40 Grad, kaum Regen und trotzdem könnte es ein Spitzenjahrgang an der Mosel werden. Der Klimawandel macht Ernten unberechenbar. Wie zwei junge Winzer damit umgehen.
Die steigenden Kosten für Energie und Löhne müssten die Winzerbetriebe an die Kundschaft zumindest teilweise weitergeben, so Boris Kranz, um ihre Existenz zu sichern. Und Jürgen Oberhofer vom DLR in Neustadt hält die Belastung für die Kundschaft für verschmerzbar, der Druck auf die Winzerbetriebe sei deutlich höher.
Die Winzer können bei weitem nicht alle Kostensteigerungen so weitergeben, weil auch die Verbraucher unter Druck stehen.
Und dann ist da noch der extreme Sommer, der dem Weinjahrgang zunächst mal nicht geschadet hat - in den meisten Fällen zumindest - aber doch eine klare Botschaft für die Weinwirtschaft bereit hält: Das Wasser wird für die Zukunft des Weines entscheidend sein.
Weinlese in Deutschland Winzer rechnen mit kleinster Ernte seit 2010
Rund 20 Prozent weniger als im Durchschnitt: Nach dem Ende der Weinlese rechnen die deutschen Winzer mit weniger Wein für dieses Jahr. "Spitze" sei hingegen die diesjährige Qualit…
Etwas mehr Regen sorgt für höhere Erträge
Jürgen Oberhofer hat Zahlen mitgebracht: In Bad Dürkheim fielen in diesem Jahr bisher 250 Millimeter Regen, im Raum Landau/Bad Bergzabern waren es 350 Millimeter. Diese 40 Prozent mehr hätten im Süden für deutlich höheren Ertrag gesorgt.
Vor allem sandige Böden werden in Zukunft zum Problem, meint auch Boris Kranz. Und letztlich gehen beide davon aus, dass die Anbaufläche in der Pfalz in den nächsten Jahren ohnehin schrumpfen wird. Jürgen Oberhofer sagt: "Wir werden Rebfläche verlieren", weil das Klima sich ändert und auch die Nachfrage kleiner wird.
Höhepunkt des Weinlesefests Zehntausende Besucher bei Winzerfestumzug in Neustadt
In Neustadt an der Weinstraße zogen am Sonntag wieder knapp 100 Wagen und Fußgruppen beim Winzerfestumzug durch die Stadt. Der Festzug gilt als Höhepunkt des Deutschen Weinlesefests.
Der Klimawandel ist da
Historisch waren 2026 nicht nur Hitze und Trockenheit, in der Folge wurde in der Pfalz auch so früh mit der Lese begonnen wie noch nie. Jürgen Oberhofer kramt dazu in seiner Erinnerung: Im Jahr 1984 wurde am 17. Oktober mit der Lese begonnen, dieses Jahr lag der Start zwei Monate davor, am 17. August. Für Oberhofer "der reine Wahnsinn".
Und Thomas Weihl vom Weinbauamt in Neustadt berichtet, dass jetzt im Oktober bereits die ersten Weine zur amtlichen Kontrolle vorgestellt wurden, zu einer Zeit, da wurde vor 30, 40 Jahren gerade mal mit der Lese begonnen.