In den ersten neun Monaten 2026 sind laut Dieter Kugelmann knapp 1.800 Beschwerden eingegangen. Das sind jetzt schon mehr als im ganzen vergangenen Jahr - da waren es 1.717 Fälle, die auf seinem Tisch landeten.
Kurioser Datenschutzfall an Grundschule im Westerwald
Bei einem der kuriosesten Datenschutzfälle ging es um das Projekt einer Grundschule im Westerwaldkreis. Unter dem Titel "Frühstücksfreunde" sollten Kinder den Inhalt ihrer Brotdose fotografieren. Eine Mutter beschwerte sich, weil bei den Fotoaufnahmen die Brotdose zu sehen sein könnte und diese unter Umständen Rückschlüsse auf einzelne Kinder zulasse. Weil aber nicht die Brotdosen, sondern nur die Inhalte fotografiert, keine Kinder abgebildet und keine weiteren personenbezogenen Daten gespeichert oder verarbeitet wurden, lag nach Angaben von Kugelmann kein Datenschutzverstoß vor.
Mehr Datenschutzbeschwerden mit KI erstellt
Die Entwicklung zeige, dass in der Bevölkerung das Bewusstsein für Datenschutz steige, sagte Kugelmann. Zudem würden mittlerweile viele Beschwerden mit Künstlicher Intelligenz verfasst. Für die Mitarbeitenden der Datenschutzbehörde bedeute das zusätzlichen Aufwand. "Teilweise werden dann zehn bis 20 Seiten geschickt, teilweise existieren aufgeführte Vorschriften nicht."
Mehr Hacker- und Phishingattacken
Laut Kugelmann werden auch viele ernstzunehmende Vorfälle und Datenpannen gemeldet. "Die Zahl der Hacker- und Phishingattacken steigt", sagte Kugelmann. In diesem Jahr seien beispielsweise die Hochschule in Kaiserslautern, der Rhein-Pfalz-Kreis, eine medizinische Plattform für Honorarabrechnungen und ein Buchungsportal für Hotels angegriffen worden.
Datenschutzermittlungen bei Behörden in Rheinland-Pfalz
Auch bei Behörden müssen die Datenschützerinnen und Datenschützer ermitteln. In einem Fall aus Kaiserslautern suchte der Mitarbeiter einer Sozialbehörde die Handynummer einer minderjährigen Kundin heraus, die er betreut hatte. Über einen Messengerdienst versuchte er, Freundschaft mit ihr zu schließen.
Verfahren gegen Polizeibeamte wegen privater Nutzung dienstlicher Daten
Aktuell bearbeitet das Landesamt für den Datenschutz laut Kugelmann mehrere Verfahren gegen rheinland-pfälzische Polizeibeamte. "Sie haben dienstliche Informationssysteme privat genutzt, um beispielsweise den aktuellen Beziehungsstatus der Ex-Partnerin ausfindig zu machen oder zu familiären Vorfällen im privaten Umfeld zu recherchieren", sagte Kugelmann.
Dienstliche Konsequenzen und Bußgelder möglich
Der Landesdatenschutzbeauftragte sprach von Einzelfällen. Diese würden allerdings streng geahndet. Den betroffenen Mitarbeitern drohen dienstliche Konsequenzen, zudem müssen sie mit rechtlicher Verfolgung und einem Bußgeld rechnen.