Dr. Julia Fischer, auch bekannt als Doc Fischer aus der gleichnamigen Sendung im SWR, erklärt, wie der Hormonhaushalt funktioniert und inwieweit wir ihn mit Ernährung beeinflussen können.
Hormon Balancing – Ein Trend in den sozialen Medien
Die Idee hinter dem Trend Hormon Balancing ist, dass man über Ernährung oder pflanzliche Mittel Hormone wie Östrogen, Testosteron oder Cortisol ins Gleichgewicht bringen kann. Dazu gibt es auf TikTok oder Instagram auch schon unzählige Tipps in Kombination mit Zyklus-Tees, Superfoods oder Nahrungsergänzungsmitteln (Supplements).
In der Realität ist das leider nicht so leicht. Hormone sind hochkomplexe Botenstoffe, die im Körper fein reguliert werden und unglaublich viele Aufgaben haben. Ob man sie wirklich gezielt mit bestimmten Lebensmitteln balancieren kann, ist bisher nicht wissenschaftlich belegt.
Unsichtbare Krankheiten Nebennieren: Gefahr durch zu viel oder zu wenig Hormone
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Kann man den Cortisolspiegel durch Ernährung beeinflussen?
Cortisol wird in stressigen Situationen verstärkt produziert und deshalb häufig als "Stresshormon" bezeichnet. Es gibt aber keine Lebensmittel, die den Cortisolspiegel wirklich senken. Online wird zwar oft Ashwagandha (Schlafbeere) empfohlen, dazu gibt es aber keine eindeutige Datenlage. Außerdem kann Ashwagandha in höheren Dosen die Leber stark schädigen, weshalb das Bundesinstitut für Risikobewertung klar davon abrät.
Was gegen einen zu hohen Cortisolspiegel wirklich hilft, ist ausreichend Schlaf, Bewegung und Stressreduktion. Teure Supplements oder bestimmte Lebensmittel haben nicht annähernd den gleichen Effekt.
Kann Ernährung den Testosteronspiegel beeinflussen?
Ernährung kann Testosteron mit beeinflussen, allerdings eher in Bezug auf das Gewicht. Studien zeigen, dass Übergewicht, vor allem Bauchfett, den Testosteronspiegel senkt, da Fettgewebe das Hormon teilweise in das weibliche Geschlechtshormon Östrogen umwandelt.
Umgekehrt kann sich eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß, gesunden Fetten und Mikronährstoffen wie Zink, Vitamin D oder Magnesium positiv auswirken. Besonders, wenn die Ernährung Teil eines gesunden Lebensstils ist. Kurz gesagt: Am wirkungsvollsten ist, das Normalgewicht zu halten und ausreichend Bewegung.
Doc Fischers Fazit zum Hormon Balancing
In den sozialen Medien wird viel mehr versprochen, als die Datenlage oder klinische Erfahrungen hergeben. Was unseren Hormonhaushalt wirklich nachhaltig durcheinander bringen kann, sind Über- oder Untergewicht, Crash-Diäten oder Erkrankungen.
Für Gesunde gilt deshalb: Ernährt euch abwechslungsreich und ausgewogen und achtet auf ein gesundes Gewicht. Die mediterrane Diät ist diesbezüglich super. Außerdem helfen ausreichend Bewegung, Schlaf und möglichst wenig negativer Stress.