Gemüse, Öle und Nüsse

Ernährungs-Doc Riedl: Diese Ernährung unterstützt die Krebstherapie

Wie ernährt man sich während einer Krebstherapie richtig? Und was wirkt präventiv? Ernährungs-Doc Matthias Riedl weiß, worauf es dabei ankommt.

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Die richtige Ernährung spielt bei der Unterstützung einer Krebstherapie eine wichtige Rolle. Oft wird Patienten geraten, möglichst wenig Zucker und viel Gemüse zu essen. Damit ist es aber noch lange nicht getan, erklärt Ernährungs-Doc Dr. Matthias Riedl. Er ist Diabetologe, Ernährungsmediziner, Internist, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Medicum in Hamburg.

Ernährungs-Doc Riedl: Warum eine Ernährungstherapie so wichtig ist

SWR1: Wenig Zucker, viel Gemüse – dagegen ist nichts einzuwenden, oder?

Dr. Matthias Riedl: Das ist grundsätzlich richtig, aber so funktioniert eine Ernährungstherapie nicht. Jeder Mensch mit Krebs sollte eine richtige Ernährungstherapie bekommen. Das bekommt man in der ernährungsmedizinischen Schwerpunktpraxis oder in einer Ernährungsberatung von niedergelassenen Ökotrophologen oder Diätassistenten.

Da setzt man sich dann erst mal hin und guckt, wie sich dieser Mensch ernährt und versucht dann Stück für Stück zu verbessern. Mit solchen pauschalen Informationen "iss weniger Zucker, iss mehr Gemüse", kann kein Mensch am Ende in seinem täglichen Leben etwas anfangen. Grundsätzlich ist das richtig, es zeigt aber auch die typische Hilflosigkeit im Umgang mit Krebspatienten.

Jeder Krebspatient sollte eine Ernährungstherapie bekommen.

Jeder Krebspatient sollte eine Ernährungstherapie bekommen – sie ihm vorzuenthalten ist ein Kunstfehler, weil nämlich im Laufe der Krebstherapie es zu Übelkeit, zu Depressionen, zu sonstigen Beschwerden kommen kann, die dann dazu führen, dass dieser Mensch unterernährt wird. Das ist natürlich genau das, was wir bei einer Krebstherapie nicht wollen. Denn nicht nur der Krebsarzt bekämpft den Krebs mit der Chemotherapie, auch das körpereigene Immunsystem muss helfen, die Krebszellen zu eliminieren. Und das schafft man nur mit der richtigen Ernährung.

Matthias Riedl - Die Ernährungs-Docs | Ernährungs-Doc Riedl: Diese Ernährung unterstützt die Krebstherapie
Dr. Matthias Riedl gehört zu den Ernährungs-Docs. Im SWR1 Interview erklärt er, worauf es bei der Ernährung während einer Krebstherapie ankommt. ard-foto s2-intern/extern Bild: NDR/Claudia Timmann, ZS Verlag

Gemüse zur Bekämpfung und Vorbeugung von Krebszellen

SWR1: Gibt es Nahrungsmittel, die Krebszellen nicht mögen und die man häufig essen sollte?

Riedl: Da haben wir tatsächlich eine ganze Menge aus dem Gemüsereich. Bestes Beispiel ist zum Beispiel der Brokkoli mit seinen Senfölen. Die sind, das ist bewiesen, wirksam in der Bekämpfung und Vorbeugung von Krebszellen. Aber das haben wir auch noch in vielen anderen Lebensmitteln, Meerrettich oder auch zum Beispiel in anderen Gemüsearten.

Gemüse – und das ist natürlich dann auch die richtige Empfehlung – enthält viele sekundäre Pflanzenstoffe, die uns den Krebs helfen vom Leib zu halten und ihn zu bekämpfen. Wir sehen, dass Gemüseesser weniger Krebs bekommen.

Bei einer Krebsdiagnose geht es darum, jetzt aktiv den Krebs zu bekämpfen. Und wenn der bekämpft ist, ein Rezidiv zu verhindern. Dafür ist eine gemüsereiche Ernährung tatsächlich sehr, sehr, sehr wichtig. Auch Ballaststoffe sind wichtig, gesunde Öle. Damit kann man helfen, den Körper und sein Immunsystem zu unterstützen.

Krebstherapie durch Ernährung unterstützen

SWR1: Kann man auch eine Krebstherapie, die ja sehr belastend ist für den Körper, mit der richtigen Ernährung unterstützen?

Riedl: Unbedingt, das ist ganz, ganz wichtig. Im Laufe der Krebstherapie sehen wir in der Statistik, dass 30 Prozent der Krebspatienten regelrecht verhungern, weil ihnen eine Ernährungstherapie vorenthalten wurde. Man sagt, wenn man Krebs hat, dann hat man eben keinen Appetit, dann isst man eben nicht.

Bloß: Im Rahmen einer normalen Erkrankung hat man vielleicht mal keinen Appetit und dann isst man wieder. Bei Krebs kann das sein, dass man durch die Chemotherapie Übelkeit hat, dass man traurig ist, dass man Schluckstörungen hat oder dass man andere Nebenwirkungen hat, die das Essen schwieriger machen und Inappetenz insgesamt.

[Wir] sehen, dass 30 Prozent der Krebspatienten regelrecht verhungern, weil ihnen eine Ernährungstherapie vorenthalten wurde.

Das kann man im chronischen Zustand nicht so lassen. Da muss man schauen, wie kann ich besonders nährreiche Lebensmittel an den Menschen heranbringen mit einer Krebserkrankung? Und wie kann ich bei verminderter Appetitsituation doch ihn noch richtig ernähren, damit wir die Lebensqualität und das Gewicht und die Mobilität und das Überleben verbessern?

Das ist in Studien wirklich bewiesen: Die richtige Ernährungstherapie verlängert die Überlebenszeit und kann auch ein späteres Rezidiv helfen zu verhindern.

Fasten eher nach der Krebstherapie

SWR1: Was ist mit Fasten, also Saftfasten, basisches Fasten, ist dann eher nicht zu empfehlen bei Krebs, oder?

Riedl: Ganz genau. Da ist die Studienlage leider sehr einheitlich schlecht. Es gibt Überlegungen, dass man im Rahmen der Chemotherapie eventuell fastet, weil nämlich das die körpereigenen Krebszellen schützt. Die Krebszelle ist aber beim Fasten nicht ausreichend geschützt, sodass die Krebstherapie die Chemotherapie zerwirken kann. Das sind Vorstellungen, die wir aber in Studien noch nicht richtig gut belegt haben.

Solange das so ist, muss man ganz klar sagen: kein Fasten und schon gar nicht, ohne den behandelnden Arzt gefragt zu haben, während der Krebstherapie. Eins kann man allerdings sagen: Nach der Krebsdiagnose scheint es günstig zu sein, ab und zu zu fasten oder auch Intervallfasten zu machen. Das kann die Rezidivwahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung verhindern.

Kein Alkohol ist das beste für den Körper

SWR1: Stichwort Alkohol und Krebs. Sollte man ganz verzichten oder macht da die Dosis das Gift?

Riedl: Da macht die Dosis ganz klar das Gift und das geringste Risiko hat man tatsächlich, wenn man auf Alkohol verzichtet. Der Alkohol wirkt auf zweierlei Dinge. Einmal fördert er die Mutation von Zellen. Das heißt, er wirkt bei der Krebsentstehung aktiv mit, durch die Stoffwechselprodukte, die im Alkoholabbau entstehen.

Das geringste Risiko hat man tatsächlich, wenn man auf Alkohol verzichtet.

Zum anderen lähmt der Alkohol selber unsere Krebszellerkennung im Immunsystem. Das heißt, er fördert den Krebs und wir erkennen ihn dann zu spät, sodass Krebszellen eine bessere Chance haben. Wir gehen davon aus, dass ein Drittel der Krebsfälle in Deutschland durch Alkohol zumindest mitgefördert ist.

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Deshalb meine Empfehlung: Wer gerade Krebs hat, der sollte auf Alkohol möglichst verzichten und wenn, es bei zwei Gläsern pro Woche belassen, dann ist das Risiko moderat. Aber mein Tipp wäre wirklich, es einfach im Rahmen einer solchen Erkrankung sein zu lassen.

Nahrungsergänzungsmittel nur in Ausnahmefällen nehmen

SWR1: Viele Menschen schwören auch auf Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine und Co. Ist das zu empfehlen?

Riedl: Nein, auf keinen Fall. Das sollte man nicht machen. Man sollte es auch nicht vor dem behandelnden Onkologen verschweigen, weil es kann die Wirksamkeit der Krebstherapie behindern oder vielleicht sogar Nebenwirkungen steigern. Man sollte tatsächlich etwaigen Mangel durch die abwechslungsreiche Ernährung im Rahmen einer ernährungsbegleitenden Ernährungstherapie so weit decken.

Sollte dabei ein einzelner Mangel festgestellt werden, der so mit der Ernährung nicht zu verhindern ist, dann kann man mal Vitamine nehmen. Aber die müssen immer auch mit dem behandelnden Onkologen abgesprochen sein.

Das perfekte gesunde Frühstück für den Körper

SWR1: Haben Sie einen Tipp für ein gesundes Frühstück, das präventiv vor Krebs hilft und das Immunsystem insgesamt stärkt?

Riedl: Bei einem solchen Superfrühstück empfehle ich als Bestandteile Joghurt, der wirkt stärkend auf unser Immunsystem durch die Förderung der Darmflora. Dann Nüsse, klein gehackt, mit dabei. Wir wissen, dass Nussesser ein geringeres Krebsrisiko haben als Nicht-Nussesser.

Haferflocken, dazu Antioxidantien aus zum Beispiel zuckerarmen Beeren sind auch super. Sie haben eine krebshemmende Wirkung. Das ist die Kraft der Natur, mit der man Krebs versucht zu verhindern oder im Bann zu behalten.

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