Professor Dr. Martin Loessner von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich kennt sich aus mit Mikrobiologie und Keimen. Er weiß, was sich in unseren Trinkflaschen verbirgt, wie es um die Hygiene der Flaschen steht und wie wir sie am besten reinigen.
Zwei Dinge verunreinigen das Wasser in unseren Trinkflaschen
SWR1: Unser Leitungswasser ist das bestkontrollierte. Es müsste eigentlich alles okay sein, oder?
Dr. Martin Loessner: Ja, im Grunde schon. Wenn man Leitungswasser in eine saubere Flasche einfüllt und da nichts anderes hinzukommt, dann bleibt das sicher für eine ganze Weile keimfrei.
Das Problem sind zwei Dinge. Einmal, dass viele Leute das Leitungswasser dann mischen, zum Beispiel mit Fruchtsäften oder Tabletten, mit bestimmten Zusätzen, die isotonisch sein sollen, den Sport unterstützen etc.. Die fördern dann natürlich auch das Wachstum entsprechender Mikroorganismen.
Was genau das für Mikroorganismen sind, kann man nicht sagen, da sowohl mit dem Wasser, als auch mit diesen Zusätzen, als auch durch Gebrauch der Flasche, jeweils Einträge erfolgen. Und dann kann sich das in der Flasche wie wild vermehren, denn die Bedingungen sind optimal. Wenn man das nachher zu sich nimmt, dann können möglicherweise dort auch unerwünschte Mikroorganismen dabei sein.
Das [...] Problem ist schlicht, dass diese Flaschen zum Teil entweder gar nicht gereinigt werden [...], oder sehr schlecht zu reinigen sind.
Hygiene der Trinkflaschen leidet durch Keime und schlechtes Reinigen
SWR1: Jetzt haben Sie gesagt, es gibt zwei Probleme. Einmal diese Zusätze – und was ist das andere?
Loessner: Das andere Problem ist schlicht, dass diese Flaschen zum Teil entweder gar nicht gereinigt werden, weil man annimmt, dass das sauber ist, weil ja nur Wasser etc. drin war, oder dass die Flaschen sehr schlecht zu reinigen sind.
Vor allem viele der neueren Modelle haben komplizierte Verschlusskonstruktionen. Da können die Mikroorganismen Filme bilden, Biofilme. In diesen Biofilmen lebt es sich ganz hervorragend, und die sind extrem schwierig wieder zu entfernen.
"Die Keime haben ein schönes Leben im Wasser unserer Trinkflaschen"
SWR1: Das ist ja schön für die Keime, dass die da so ein schönes Leben haben. Ist das denn gefährlich oder nur eklig?
Loessner: Ich würde sagen, zunächst einmal unhygienisch. Und bei jedem Trinkvorgang gibt es einen gewissen Reflux, das heißt, es geht auch ein bisschen von dem, was man im Mund hat, wieder zurück in diese Trinkvorrichtung, in den Halm oder auch in die Flasche zurück. Dort hat man dann einen schönen Zoo von Mikroorganismen. Und wenn es schiefläuft, dann sind das die falschen.
Tipps zum Reinigen der Trinkflasche
SWR1: Jetzt sind wir schon bei einem ganzen Zoo. Was empfehlen Sie?
Loessner: Reinigung ist das A und O. Das kann man mit heißem Wasser und Spülmittel selber erledigen. Dann kommen natürlich diese schon erwähnten komplizierten Deckelkonstruktionen dazu. Die sind sehr schwierig zu reinigen.
Dort würde ich empfehlen, in Maschinenspülmittel, das man in ein wenig warmem Wasser auflöst, diese Teile einzulegen und mindestens zehn bis fünfzehn Minuten einwirken zu lassen. Das inaktiviert auch die hartnäckigen Mikroorganismen.