Ernährungssoziologe Prof. Stefan Wahlen

Feiert das Butterbrot sein Comeback - oder war es nie weg?

Das Butterbrot scheint sein großes Comeback zu feiern und wir haben mit dem Ernährungssoziologen Prof. Stefan Wahlen von der Uni Gießen über den wissenschaftlichen Aspekt gesprochen.

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Stand

Studie: Butterbrot feiert Comeback

In der Mittagspause Essen gehen, das wird nicht nur immer teurer, sondern ist scheinbar auch immer weniger beliebt. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine repräsentative YouGov-Umfrage. Danach bevorzugen inzwischen 30 Prozent der Erwachsenen die selbst geschmierte Butter-Stulle für die Mittagspause. Wir haben mit dem Ernährungssoziologen Prof. Stefan Wahlen von der Uni Gießen über den wissenschaftlichen Aspekt des Comebacks gesprochen.

SWR1: Das Butterbrot und sein Comeback. Welche Erklärung haben Sie vielleicht außerhalb des Geldes?

Prof. Stefan Wahlen: Die Frage, die ich mir direkt stelle, ist: War das Butterbrot überhaupt weg gewesen?

Wir sehen, das historisch gesehen, der Brotverzehr abgenommen hat. In den 1950er Jahren haben wir noch durchschnittlich 90 Kilogramm Brot pro Kopf und pro Jahr verzehrt. Mittlerweile sind wir bei 60 Kilogramm pro Kopf, also hat es da einen Rückgang gegeben. Das lässt sich feststellen. Aber das Butterbrot war eigentlich nie weg gewesen!

Hype in den sozialen Netzwerken

SWR1: Woran kann das liegen? Vielleicht auch daran, dass der heutige Belag besser ist als früher. Also nicht mehr so "fiese" Schmierwurst oder seltsam riechender Käsebelag?

Wahlen: Ich denke, diese Beläge gibt es immer noch - die fiesen Käse oder Wurstbeläge, die man selbst nicht gerne isst. Aber sie hatten ja gesagt, dass das Brot auch bei jüngeren Zielgruppen wieder mehr Anklang findet.

Ich denke, eine Erklärung hierfür ist, dass die jungen Menschen sehr stark in den sozialen Medien aktiv sind. Das kann man bei vielen Ernährungstrends beobachten, wenn gewisse Produkte gehypt werden, dass ein vermehrtes Interesse vorhanden ist und wieder vermehrt darauf zurückgegriffen wird.

Comeback des Butterbrotes | Junge Menschen experimentieren gerne

SWR1: Was wird über die sozialen Medien kommuniziert, außer dass das Brot klasse ist?

Wahlen: Es wird vor allen Dingen immer ein Idealbild dargestellt. Von Menschen, die ihre Lebensmittel und ihre Speisen im Restaurant oder Zuhause fotografieren. Das ist eine Darstellung, bei der man hofft, dass man dadurch einfach mehr Klicks bekommt.

Ob das im Alltagsleben auch wirklich das Gleiche ist, was man isst, wage ich zu bezweifeln. Aber es geht da um die Darstellung. Und das regt auch an, um sich […] zu überlegen: vielleicht will ich mir auch so ein tolles Brot schmieren.

Ein Beispiel ist das Avocado-Brot, das oft in den Medien kursiert. Wenn man junge Menschen fragt, dann essen die meist auch Avocado-Brot. Das ist zeitgemäß, das ist halt eben nicht […] die Wurst oder der Käse. Sondern da kann man durchaus auch ein bisschen experimentieren.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Hanns Lohmann
SWR1 RP Moderator Hanns Lohmann
Interview mit
Prof. Stefan Wahlen, Ernährungssoziloge
Onlinefassung
SWR1