Milliarden von Euro werden jedes Jahr für Beautyprodukte in den Drogeriemärkten ausgegeben. Für Produkte mit Hyaluron, Aktivkohle und Co. Was diese Produkte bringen oder ob wir unsere Haut vielleicht ganz anders pflegen sollten, weiß Dermatologin und Bestseller-Autorin Yael Adler aus Berlin.
SWR1: Wir wollen alle alt werden, aber nicht so aussehen. Und dann ist da auf einmal die Falte, die am Tag vorher vielleicht noch nicht da war ...
Yael Adler: Zum einen gehören die natürlich zum Leben dazu. Und ich finde auch nicht, dass Falten irgendwie hässlich sind. Aber viele Leute leiden darunter. Man kann natürlich ein bisschen präventiv arbeiten, um einfach Körper- und Hautgesundheit herzustellen oder ein bisschen länger zu erhalten. Das hilft eben auch, der einen oder anderen Falte vorzubeugen.
SWR1: Aber so eine Falte kommt nicht wirklich über Nacht, oder?
Adler: Es ist schon manchmal so, dass man einen Feuchtigkeitsmangel im Körper hat, dass man zum Beispiel ausgetrocknet ist, weil man zu wenig oder Alkohol getrunken hat. Das lässt einen auch trockener werden. Dann kann es schon sein, dass man am nächsten Morgen eine Falte mehr sieht. Die kann sich aber auch wieder "wegplustern".
Tipps der Dermatologin: Das hilft der Hautpflege wirklich!
SWR1: Anti-Aging-Produkte sind ein Riesenmarkt. Hyaluron, Vitamin C, Retinol – was bringt denn wirklich etwas?
Adler: Am meisten bringen Sonnenschutz und Sport, guter Schlaf, gute menschliche Beziehungen und gesunde Ernährung etwas. Man muss sich die Lebensmittel nicht auf die Haut cremen. Diese ganzen Vitamine können vielleicht ganz oberflächlich minimale Effekte erzielen. Aber eigentlich muss man sie essen, damit sie von innen in die Haut gelangen – über die Blutgefäße, denn die Haut wird von innen aufgebaut.
Am meisten bringen Sonnenschutz und Sport, guter Schlaf, gute menschliche Beziehungen und gesunde Ernährung.
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Ist Altern ein unausweichliches Schicksal? Heute weiß man: Nur 20 bis 30 Prozent unserer Lebenserwartung hängen von den Genen ab. Den Rest haben wir selbst in der Hand.
Dermatologin Yael Adler zur Hautpflege: "Die Haut wird von innen aufgebaut!"
Adler: Die ganzen Kosmetikprodukte versprechen zwar, dass Falten weggehen. Aber das gelingt nicht, weil die Wirkstoffe gar nicht in die Hautschicht vordringen können und dürfen, wo wir sie bräuchten – nämlich in die Lederhaut. Da, wo Kollagen, elastische Fasern und auch Hyaluronsäure verloren gehen. Deswegen wird die Hyaluronsäure übrigens auch so gerne gespritzt, weil man damit die Hautbarriere mit der Nadel überwindet [...].
SWR1: Würden Sie es denn empfehlen, Hyaluron zu spritzen?
Adler: Empfehlen würde ich das nicht grundsätzlich. Aber wenn Leute sagen, die Haut ist von innen so knittrig und saftlos, und sie haben Fältchen und wünschen sich das, dann ist das zumindest eine Methode, die relativ nebenwirkungsarm ist. Sie hat nicht nur einen "Aufsaftungs-" oder Auffüllungseffekt, sondern zum Teil auch einen regenerativen Effekt.
Also kann man das schon machen. Aber man muss zu einem erfahrenen Arzt gehen, ein gutes Produkt benutzen und braucht eine Aufklärung. Das ist nicht einfach nur Beauty-Wellness, das kann auch Nebenwirkungen haben. Aber in der Regel wird das sehr gut vertragen. Es gibt diese Möglichkeit, und wenn man sich das wünscht, kann man das machen – mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen.
SWR1: Von faltenlosen Promis hört man immer so etwas wie: "Ich mache eigentlich gar nichts Besonderes. Ich ernähre mich ausgewogen und trinke viel Wasser". Ist da etwas dran?
Adler: Wasser ist ein durchlaufender Posten. Das heißt, wenn wir genug Wasser haben, dann sind die Zellen schön "aufgeplustert". Wenn man dann sehr lange nichts getrunken hat oder Durchfall hatte, ist man ausgetrocknet. Aber dass es ein nachhaltiger Anti-Aging-Effekt wäre, wie ein Lifting, das ist natürlich nicht der Fall.
Trotzdem müssen wir genug Flüssigkeit haben, auch damit wir uns entgiften. Das Blut, die Nieren, die Leber und andere Systeme müssen gut durchgespült werden, damit nichts hängen bleibt. Auch das kann sonst den Körper belasten, was sich dann immer wieder an der Haut spiegelt.
Wichtig ist, dass man im Körper ein gut funktionierendes Organsystem und keine Entzündungen hat. Dass man gut ausgestattet ist mit Mikronährstoffen – also Vitaminen, Spurenelementen, Mineralien, Omega-Fettsäuren. Man braucht möglichst alle Aminosäuren, damit alle Proteine aufgebaut werden können. Und wir brauchen eine schlagkräftige, artenreiche Darmflora.
All das wirkt sich sehr positiv auf die Haut aus, aber nichts schafft ein Lifting – das schafft nur der Chirurg.
SWR1: Sie selbst sind aber auch der Albtraum für die Kosmetikindustrie, oder? "Reinigen mit Wasser und Creme mit Sonnenschutz – fertig!".
Adler: Genau. Man sollte eine Creme nur dann benutzen, wenn die Haut bedürftig ist, trocken ist und spannt. Aber es fängt damit an, dass man sie nicht so aggressiv reinigt und sie in die Lage versetzt, von ihren eigenen Hautfetten zu profitieren.
Man sollte eine Creme nur dann benutzen, wenn die Haut bedürftig ist, trocken ist und spannt.
Es gibt dafür zwei Quellen: Die Oberhaut (Epidermis) produziert Schutzfette. Und dann gibt es den Talg aus den Poren. Nur wenn das nicht reicht, muss man extra nachcremen – aber bloß nicht alles "zumatschen". Sonst neigt man dazu, Kosmetikakne zu bekommen, also eine Überfettung der Haut mit fettigem Ekzem oder Kontaktallergien.
Periorale Dermatitis – dermatologisch ausgesprochen – sind kleine Bläschen um den Mund durch eine Überfeuchtung, und Kontaktallergien sind auch nicht fern.
Den Begriff "Skincare Routine" finde ich sehr problematisch, und erst recht die Umsetzung.
Ich habe 20 Prozent meiner Patienten, die sich durch zu viel und falsche Pflege selbst Hauterkrankungen verursachen oder bestehende verschlechtern. Vieles ist nicht mit Kosmetik zu lösen – und schon gar nicht im Mehrschichtsystem. Den Begriff "Skincare Routine" finde ich sehr problematisch, und erst recht die Umsetzung.