Die Zahl der sogenannten Hitzeage hat sich in Baden-Württemberg im Vergleich zu den jeweiligen Zeiträumen von 1961 bis 1990 und von 1996 bis 2025 mehr als verdoppelt. Als Hitzetage gelten Tage mit Temperaturen ab 30 Grad. Auch Tropennächte mit mindestens 20 Grad kommen häufiger vor. Das geht aus einer Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Besonders von der Hitze betroffen sind demnach tiefe Lagen, Städte und die Oberrheinregion.
Nach Einschätzung des Landes hat die Hitze nicht nur einen negativen Effekt auf die Gesundheit von Menschen. Sie betreffe auch Verkehrsinfrastruktur, Telekommunikationsnetze und Landwirtschaft.
Hitze in Baden-Württemberg 2026 ist ein Jahrhundertsommer in BW: So viele Hitzetage wie noch nie
Die aktuelle Hitzewelle geht zu Ende, dann lässt die Schwüle nach - bevor wieder höhere Temperaturen kommen. Die Hitze in Baden-Württemberg im Sommer 2026 bricht Rekorde.
Gesundheitsrisiken durch Hitze nehmen zu
Wie aktuelle Zahlen zeigen, wird Hitze für Baden-Württemberg zunehmend zur gesundheitlichen und gesellschaftlichen Herausforderung. Die Landesregierung warnt vor akuten Folgen wie Hitzekollaps und Hitzschlag sowie einer Verschärfung von Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und psychischen Erkrankungen. Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Schwangere, kleine Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen.
RKI meldet überdurchschnittlich viele Hitzetote in Baden-Württemberg
Die höheren Temperaturen spiegeln sich auch in den aktuellen Sterbefallzahlen wider. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) gab es im Zeitraum vom 6. April bis 2. August diesen Jahres 2.680 Hitzetote in Baden-Württemberg. Das ist mehr als jeder fünfte der bundesweit hitzebedingten Sterbefälle. Diese liegen bei geschätzt 12.500. Damit entspricht der baden-württembergische Anteil 21,4 Prozent - und das obwohl der Bevölkerungsanteil von Baden-Württemberg nur etwas mehr als 13 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung ausmacht.
Im Vergleich zum Norden Deutschlands herrschen in Südwestdeutschland oft höhere Temperaturen. Baden-Württemberg lag deshalb mit 23,9 Hitzetoten pro 100.000 Einwohner über dem bundesweiten Wert von 15. Besonders viele Hitzetote je 100.000 Einwohner zählen dem RKI zufolge neben Baden-Württemberg das Saarland (43,4), Rheinland-Pfalz (38,7) und Hessen (27,2).
Liveblog zur Hitze in Baden-Württemberg ++ Statistik bestätigt überpropotional viele Hitzetote im Land ++ Neue Hitzewelle im Anmarsch ++ Bundesweiter Hitze-Aktionsplan angekündigt ++
Laut dem Robert-Koch-Insitut gibt es in Baden-Württemberg überproportional viele Hitzetote. Alles zum BW-Jahrhundertsommer im Liveblog.
Hitzewelle Ende Juni ließ Sterblichkeit stark steigen
Für Baden-Württemberg sind die aktuellen Zahlen auffällig hoch. Im ebenfalls sehr heißen und trockenen Jahr 2018 waren im gleichen Zeitraum 1.420 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben. Ausschlaggebend war dieses Jahr vor allem die starke Hitzewelle Ende Juni: Das RKI schätzt, dass allein in der Woche vom 22. bis 28. Juni bundesweit rund 9.600 Menschen infolge der Hitze gestorben sind.
Vielerorts lagen die Temperaturen in diesen Tagen um 40 Grad. Sichtbar wird ein hitzebedingter Anstieg der Sterblichkeit laut RKI typischerweise ab einer Wochenmitteltemperatur von 20 Grad, also dem Durchschnitt aus Tages- und Nachttemperaturen einer Woche.
Die Gesamtzahl der Hitzetoten könnte sogar höher liegen: Dem RKI zufolge handelt es sich um eine konservative Schätzung. Der aktuelle Bericht betrachtet den Zeitraum vom 6. April bis 2. August. Viele der heißen Tage in diesem Sommer fehlen demnach noch in der Auswertung. Das RKI errechnet die Daten auf Basis der Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes. Auch Daten von 52 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes fließen in die Berechnung ein.
WHO empfiehlt Schutzmaßnahmen für Wohnräume bei Hitze
Die Landesregierung verweist auf verschiedene Maßnahmen zur Anpassung an zunehmende Hitze. Als Gegenmaßnahmen nennt sie Stadtbäume, mehr Begrünung, Entsiegelung und Verschattung, insbesondere in dicht bebauten Gebieten. Kommunen müssen bis spätestens 2034 eigene Klimaanpassungskonzepte vorlegen und werden vom Land mit Programmen unterstützt.
Für Wohnräume empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Temperaturen tagsüber möglichst unter 32 und nachts unter 24 Grad bleiben sollen. Als besonders wirksam gelten außenliegender Sonnenschutz, gute Dämmung und nächtliches Lüften. Die Landesregierung sieht darin zentrale Bausteine, um gesundheitliche Risiken durch Hitze zu verringern.