Frühe Sprachförderung vor Schulbeginn

So sind die Pläne für das verpflichtende Kita-Jahr - BW-Kultusminister im Interview

Viele Kinder haben vor dem Schulstart Sprachdefizite. Im Interview erklärt BW-Kultusminister Andreas Jung (CDU), wie wichtig die frühe Förderung im Kindergarten ist.

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Viele Kinder in Baden-Württemberg starten mit unzureichenden Deutschkenntnissen in die Schule. Um dem entgegenzuwirken, sollen Vorschulkinder mit Förderbedarf in sogenannten Juniorklassen gezielt unterstützt werden. Innerhalb der nächsten drei Jahre soll die Vorschulförderung wieder verpflichtend werden, so Bildungsminister Andreas Jung (CDU). Im Interview äußert sich der CDU-Politiker auch darüber, dass Sprachförderung bereits im Kindergarten umgesetzt werden soll.

SWR Aktuell: Die Juniorklassen für Vorschulkinder, die noch nicht schulreif sind, sollen bis in drei Jahren verbindlich werden. Wenn man erkannt hat, dass es ein wichtiger Schlüssel ist, damit unsere Kinder wieder besser werden in der Schule, warum setzen Sie das dann nicht gleich für alle um?

Andreas Jung: Wir setzen es für die um, die einen Förderbedarf haben. Und das geht jetzt Schritt für Schritt. Es ist so wichtig, dass die Kinder beim Schulstart Deutsch sprechen können. Wer das nicht kann, der hat eine Bleiweste, die ihn von vornherein zurückwirft. Der hat dann eben nicht die gleichen Chancen. Das ist unser großes Ziel, gleiche Chancen für alle Kinder. Deshalb ist es wichtig, dass es die Juniorklassen gibt. Es ist aber genauso wichtig, dass wir noch früher anfangen: Also schon in Kita und Grundschule den Förderbedarf identifizieren und dann kindgerecht gut fördern können.

Es ist so wichtig, dass die Kinder beim Schulstart Deutsch sprechen können. Wer das nicht kann, der hat eine Bleiweste, die ihn von vornherein zurückwirft.

SWR Aktuell: Warum setzen Sie das nicht gleich um, wenn das erkannt wurde? Liegt das am fehlenden Personal oder am fehlenden Geld?

Andreas Jung: Wir setzen es Schritt für Schritt um und natürlich muss das Personal anwachsen. Wir investieren hier viel Geld und wir machen sehr viel mehr als in den letzten Jahren. Wir bauen das einerseits auf, aber gleichzeitig bleibt das Ziel, dass wir künftig solche Juniorklassen gar nicht brauchen, weil die Kinder zum Schulstart gut vorbereitet sind.

SWR Aktuell: Das sogenannte verpflichtende letzte Kitajahr für alle Kinder steht im Koalitionsvertrag. Aber können wir wirklich davon ausgehen, dass es in dieser Legislaturperiode umgesetzt wird?

Andreas Jung: Wir haben dazu jetzt den Prozess auf den Weg gebracht. Wir haben vor der Sommerpause einen runden Tisch einberufen mit vielen Beteiligten. Dort haben wir unterschiedliche Positionen gehört. Das wird weiter fortgesetzt. Ungefähr vier Prozent der Kinder in Baden-Württemberg nehmen nicht am letzten Kindergartenjahr teil. Deswegen lohnt es sich, um jedes Kind zu kämpfen. Gleichzeitig müssen wir in den Blick nehmen, dass eben fast jedes dritte Kind beim Schulstart nicht gut Deutsch sprechen kann und sich nicht gut entwickelt hat. Deshalb müssen wir beides in den Blick nehmen und uns auch fragen: Was müssen wir in der Kita noch besser umsetzen, um die betroffenen Kinder noch besser vorzubereiten?

SWR Aktuell: Der letzte PISA-Test zeigt: Ein bisschen Rumdoktern reicht nicht. Braucht es nicht grundlegende Reformen, weg von alten Systemen wie Gemeinschaftsschule und dreigliedrigem Schulsystem? Sind Sie derjenige, der das neu denkt?

Andreas Jung: Wir haben eine klare Vereinbarung. Wir führen keine Schulstrukturdebatten, sondern wir wollen die Qualität in allen Schulen und in allen Schularten stärken. Und da gibt es nicht eine Antwort. Wir haben jetzt gesprochen über frühkindliche Bildung. Wir müssen in der Grundschule erneut einen Fokus auf die Basiskompetenzen legen: Schreiben, Rechnen, Lesen. Wer die Grundschule abschließt, der muss es einfach gut können. Auch da haben wir bisher noch Defizite und da müssen wir in allen Schularten noch stärker auf Qualität setzen und Prozesse stärker weiterführen. Damit müsste es viele Stellschrauben geben, die ineinander greifen, um am Ende für alle Schülerinnen und Schüler, die besten Perspektiven zu erreichen.

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Leonie Zöller
Leonie Zöller, Praktikantin bei SWR Aktuell BW Online

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