Metalltarifrunde Baden-Württemberg

IG Metall vs. Arbeitgeber: Wie lösbar ist der Tarifkonflikt im Land?

In Baden-Württemberg startet die Metalltarifrunde. Wirtschaftskrise, Jobangst und Forderungen nach mehr Lohn prallen aufeinander – ein Kompromiss ist offen.

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Stand

Von Autor/in Christof Gaißmayer

Am Mittwoch starten in Baden-Württemberg die Tarifverhandlungen für rund 900.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie. Inmitten einer tiefen wirtschaftlichen Krise stehen sich Arbeitgeber und IG Metall gegenüber: Die Unternehmen pochen auf Kostensenkungen, die Gewerkschaft fordert mehr Lohn und Sicherheiten für die Jobs. Wie unter diesen Vorzeichen ein Kompromiss im Tarifstreit gefunden werden kann, ist derzeit völlig offen.

Extrem angespannte Ausgangslage in der Metall- und Elektroindustrie

Die Verhandlungen werden von einer massiven Krise überschattet, in der große Teile der Metall- und Elektroindustrie stecken. Eine kurzfristige Erholung ist nicht in Sicht, die Stimmung in beiden Lagern gilt als gereizt. Viele Beschäftigte fürchten um ihre Arbeitsplätze, während zahlreiche Arbeitgeber argumentieren, es gebe keinerlei Spielraum für Lohnerhöhungen.

Vor allem der Maschinenbau verweist auf die schwache Auftragslage in Deutschland und sieht darin ein deutliches Zeichen für einen angeschlagenen Standort. In der Autoindustrie drohen einzelne Unternehmenschefs angesichts von Absatzproblemen und steigenden Kosten mit verschärftem Stellenabbau und möglichen Werksschließungen. Sie fordern, dass Beschäftigte länger arbeiten sollen - bei gleichem Lohn. Ihr erklärtes Ziel: die Kosten senken.

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Forderungen der IG Metall: Lohnerhöhung und Gewinnbeteiligung

In dieser Situation verlangt die IG Metall eine Entgelterhöhung von fünf Prozent. Zusätzlich fordert die Gewerkschaft eine tarifvertraglich abgesicherte Gewinnbeteiligung für Beschäftigte ertragsstarker Unternehmen. Solche Betriebe gibt es in der Metall- und Elektroindustrie durchaus - etwa in den Bereichen Rüstung, Schiffbau, Medizintechnik und Raumfahrt.

Gleichzeitig läuft es gerade in den wichtigsten, größten Segmenten der Branche mit den meisten Beschäftigten deutlich schlechter. Genau diese Schieflage erschwert die Suche nach einer Lösung in der Metalltarifrunde erheblich, weil sehr unterschiedliche wirtschaftliche Realitäten unter einen gemeinsamen Tarifabschluss gebracht werden müssen.

Für wen die Metalltarifrunde im Südwesten verhandelt wird

Deutschlandweit arbeiten in der Metall- und Elektroindustrie rund 3,7 Millionen Menschen, davon etwa 900.000 in Baden-Württemberg. Zu den zentralen Branchen gehören der Maschinenbau und die Autoindustrie, hinzu kommen unter anderem Rüstungsbetriebe, Firmen der Metallbearbeitung, Gießereien und Werften.

Bundesweit ist etwas mehr als die Hälfte der 3,7 Millionen Beschäftigten in tarifgebundenen Unternehmen angestellt. Sie profitieren direkt von einem Abschluss in der Metall- und Elektroindustrie. Erfahrungsgemäß orientiert sich auch ein Teil der nicht tarifgebundenen Betriebe an den Ergebnissen und übernimmt etwa vereinbarte Lohnerhöhungen. Die aktuelle Tarifrunde hat damit Auswirkungen weit über die tarifgebundenen Unternehmen hinaus und ist für Millionen Beschäftigte und ihre Familien von großer Bedeutung.

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Mögliche Kompromisslinien: Sockelerhöhung und variable Komponenten

Angesichts der sehr unterschiedlichen Lage in den einzelnen Branchen gilt ein Abschluss als realistisch, der die betriebliche Situation stärker berücksichtigt. Denkbar wäre eine allgemeine Sockellohnerhöhung für alle Beschäftigten, ergänzt um zusätzliche Vereinbarungen für Unternehmen mit guter wirtschaftlicher Entwicklung, damit dort für die Belegschaften finanziell "etwas draufgelegt" werden kann.

Für die IG Metall steht dabei das Thema Jobsicherung ganz oben. Die Gewerkschaft drängt auf verbindliche Zusagen, Arbeitsplätze zu erhalten und Standorte zu sichern. Zudem fordert sie Investitionszusagen der Unternehmen, um Produktion und Beschäftigung langfristig im Land zu halten. Auch über solche Absicherungen könnte in der Tarifrunde verhandelt und eine Lösung gefunden werden.

Drohen Streiks? Wie hart wird die Tarifauseinandersetzung?

Wie konfliktträchtig die Metalltarifrunde im Südwesten tatsächlich wird, ist noch offen. Derzeit geben sich die Verhandlungsführer von Arbeitgebern und Gewerkschaft in Baden-Württemberg betont zurückhaltend. Es gibt keine heftigen verbalen Angriffe, die Stimmung bleibt nach außen hin im Rahmen. Offenkundig versuchen beide Seiten, die Lage nicht zusätzlich anzuheizen – die wirtschaftlichen Probleme gelten ohnehin als gravierend, "Öl ins Feuer zu gießen" hätte hohe Risiken.

Gleichzeitig zeigen sich beide Lager optimistisch, am Ende zu einer Einigung zu kommen. Wie hart die Auseinandersetzung bis dahin geführt wird, werden die nächsten Wochen zeigen. Sicher ist allerdings: Ab Anfang November wird es zu Warnstreiks kommen. Die Gewerkschaft will damit vor allem gegenüber ihren Mitgliedern demonstrieren, dass sie bereit ist, entschlossen Flagge zu zeigen.

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Autor/in
Christof Gaißmayer
Onlinefassung
Jenny Beyen

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