Das Hallenbad in Neuenburg am Rhein (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) ist seit der Sommerpause wegen gravierender baulicher Mängel geschlossen. Rund 500 Menschen haben jetzt mit einer Rettungskette aus Schwimmnudeln, Handtüchern und Badehosen für den Erhalt des Bades demonstriert. Kurzfristig soll eine Notsicherung die Wiederöffnung ermöglichen - langfristig geht es um Sanierung oder Neubau und Kosten von rund 20 Millionen Euro.
Kreativer Protest statt Wut
Alexander Schropp von der DLRG-Ortsgruppe Müllheim-Neuenburg hat die Aktion mit seinem Team organisiert. Laut Polizei waren rund 500 Menschen bei der Rettungskette dabei - mit so vielen hatte Schropp nicht gerechnet. Statt sich aufzuregen oder Schuldige zu suchen, äußern sie ihre Betroffenheit in kreativem Protest. Viele sind bereit, sich für das Bad einzusetzen. Erste Ideen gibt es: einen Förderverein, eine Kooperation mit anderen Kommunen, Sponsoring durch Firmen.
Immer nur zu schimpfen und gegen etwas zu sein - das ist nicht unsere Art.
Als im Frühjahr die Zukunft des Bades wegen der angespannten Haushaltslage der Stadt zur Debatte stand, startete die DLRG-Ortsgruppe eine Petition. Inzwischen hat diese mehr als 6.000 Unterschriften. Das Thema bekam große Aufmerksamkeit, zunächst war das Hallenbad nicht von den Sparplänen betroffen. Dann kam ein Gutachten, das einen erheblichen Sanierungsbedarf belegte. Das Bad konnte nach der Sommerpause nicht öffnen.
Schwimmen als Prävention - DLRG unter Druck
Für Alexander Schropp ist Schwimmen "die halbe Miete", um Ertrinkungsfälle zu vermeiden: Wer gut schwimmen kann und sich am und im Wasser richtig verhält, ist weniger gefährdet. Die DLRG braucht dafür das Neuenburger Hallenbad: Hier finden normalerweise Kinderschwimmkurse, Rettungsausbildungen und Einsatztrainings statt. Durch die Schließung fallen nun viele Angebote weg.
Die Warteliste für Anfängerschwimmkurse war im Neuenburger Hallenbad schon immer lang. "Weit über hundert Kinder stehen da drauf, es gibt Wartezeiten von mehreren Jahren", sagt Schropp. Das zeige, wie groß der Bedarf an Schwimmausbildung sei. Auch die Einsatzkräfte brauchen ganzjährig Wasserzeiten, um trainieren zu können.
7.200 Schülerinnen und Schüler wären von Schließung betroffen
Zur Demonstration mit der Rettungskette kamen Menschen aus der ganzen Region. Zwischen Bad Krozingen und Weil am Rhein gibt es, abgesehen von Thermalbädern, nur dieses Hallenbad. "In Thermalbädern kann man ja nicht Schwimmen lernen", betont Schropp.
Mir liegt es sehr am Herzen, dass alle Kinder die Möglichkeit haben, Schwimmen zu lernen und in der Schule Schwimmunterricht haben.
Mehr als elf Schulen aus Neuenburg, Müllheim und der Umgebung nutzen das Bad für den Sportunterricht. Insgesamt betrifft das nach Angaben der "Machbarkeitsstudie Hallenbad Neuenburg am Rhein" mehr als 7.200 Schülerinnen und Schüler im Jahr. Auch die Volkshochschule und Sportvereine sind auf das Bad angewiesen - und natürlich die Öffentlichkeit, vom Frühschwimmen bis zum Kinder-Spiel-Nachmittag. Normalerweise wird das Bad an sieben Tagen die Woche von morgens bis abends benutzt.
Rund 20 Millionen Euro für Sanierung oder Neubau
Der Stahlbeton ist marode, die Statik gefährdet. Im Fliesenkleber steckt Asbest, der für Gäste zwar nicht gefährlich ist, aber die Sanierungsarbeiten erschwert. Laut einer Studie wären ein Neubau und eine Generalsanierung fast gleich teuer - beide Varianten liegen bei rund 20 Millionen Euro.
Auch der laufende Betrieb ist teuer. "Ein Hallenbad kostendeckend zu betreiben ist schlicht und ergreifend nicht machbar", sagt der Neuenburger Bürgermeister Jens Fondy-Langela (parteilos). Im vergangenen Jahr deckten die Einnahmen nur etwa ein Fünftel der Kosten. Der Einzeleintritt für Erwachsene kostet derzeit 4,50 Euro. Kostendeckend wäre nach Berechnungen der Stadt ein Preis von rund 40 Euro - eine Summe, bei der niemand mehr kommen würde, so Fondy-Langela.
Gemeinderat stimmt für provisorischen Weiterbetrieb des Hallenbads
Der Gemeinderat hat am Montag einstimmig für einen provisorischen Weiterbetrieb des Hallenbads gestimmt. Zunächst sollen die maroden Pfeiler gesichert und die Duschen repariert werden. Insgesamt rechnet die Stadt dafür mit Kosten von rund 120.000 Euro.
Günstiger wird die Notsicherung auch durch ein ungewöhnliches Angebot: Ein Metallbauer aus einem Nachbarort übernimmt die Arbeiten, wenn die Stadt das Material bezahlt. Wenn alles nach Plan läuft, soll das Hallenbad bis Ende des Jahres wieder öffnen.
Damit ist die langfristige Zukunft des Bades allerdings noch nicht geklärt. Die Stadt muss entscheiden, ob sie das bestehende Hallenbad generalsaniert oder neu baut. Für Planung und Bau rechnet die Verwaltung mit insgesamt etwa vier Jahren. Für die Finanzierung hatte Neuenburg auf acht Millionen Euro aus einem Bundesprogramm gehofft, bekam jedoch eine Absage. Bürgermeister Jens Fondy-Langela will nun nach anderen Fördermöglichkeiten suchen.
Mehr als nur Fliesen und Wasser: Eine Aufgabe für die Region
"Uns ist bewusst, dass die Stadt Neuenburg das nicht alleine schaffen kann", sagt Alexander Schropp von der DLRG. Verwaltung, Gemeinderat und engagierte Bürgerinnen und Bürger wollen jetzt gemeinsam nach Lösungsideen und Fördertöpfen suchen.
In den Gesprächen wird auch ein Förderverein als Option genannt, um den Betrieb zu unterstützen. Vorbilder dafür, so ein Vorschlag aus dem Publikum, gibt es in anderen Orten der Region. Für viele Menschen ist das Neuenburger Hallenbad mehr als nur ein Becken mit Wasser: ein Lernort, ein Treffpunkt, ein Ausgleich nach der Arbeit.
Wenn man jeden Tag geht, dann braucht man das. Das ist wie eine Sucht.
Durch die provisorische Sicherung gewinnt Neuenburg etwas Zeit - um zu planen, sich mit anderen Kommunen auszutauschen und Finanzierungsmöglichkeiten auszuloten. Bürgermeister Fondy-Langela hofft, dass diese Zeit reicht, sodass auch sein jüngstes Kind im Neuenburger Hallenbad das Schwimmen lernen kann.