Zu schade für die Biotonne

Kaffeesatz, Zwiebelschalen und Co. – mit Küchenabfällen düngen

Nicht alle Küchenreste müssen in die Biotonne. Unsere Gartenexpertin zeigt, wie Zwiebelschalen, Knoblauch, Kartoffelwasser und Kaffeesatz als natürlicher Dünger wirken.

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Stand

Von Autor/in Heike Boomgaarden

Kaffeesatz als Kompost-Turbo und Tee für sauren Boden
Zwiebelschalen und Knoblauch als Schutz vor Pilzkrankheiten
Zwiebelsud und Knoblauchjauche: einfache Rezepte zum Düngen
Kartoffelwasser: Multitalent ohne Salz
Pflanzensmoothies: Powertrunk für Balkonkästen

Gemüsereste und andere Bioabfälle eignen sich hervorragend als natürlicher Dünger für Garten, Balkon und Zimmerpflanzen. Getreu dem Motto "Pflanzen helfen Pflanzen".

Viele dieser Abfälle liefern Mineralstoffe, Spurenelemente oder pilzhemmende Inhaltsstoffe. Richtig eingesetzt, stärken sie die Pflanzen, fördern das Wachstum und können sogar vor bestimmten Krankheiten und Schädlingen schützen.

Kaffeesatz als Kompost-Turbo und Tee für sauren Boden

Kaffeesatz ist ein besonders wirksamer "Turbo-Beschleuniger" für den Kompost. Die Kompostwürmer werden durch den Kaffee deutlich aktiver, wodurch der Kompost schneller umgesetzt wird. Ein weiterer Vorteil: Kaffee enthält viel Stickstoff und andere Nährstoffe, die später den Pflanzen zugutekommen.

Kaffeesatz befindet sich auf einer Handschaufel neben einer Pflanze.
Kaffeesatz im Kompost sorgt später für kräftige Pflanzen. Franziska Gabbert

Auch Tee ist ein hochwertiger Dünger. Die Blätter von Schwarz- oder Grüntee eignen sich hervorragend für Pflanzen, die sauren Boden lieben, etwa Kamelien, Rhododendren, Farne und Hortensien. Die Teereste verteilt man als dünne Schicht rund um die Pflanzen. So bleiben unter anderem Farben und Wuchsformen der Pflanzen besser erhalten.

Zwiebelschalen und Knoblauch zum Schutz vor Pilzkrankheiten

Zwiebelschalen enthalten schwefelhaltige Verbindungen, die pilzhemmend wirken. Als Jauche oder Brühe eingesetzt, sind sie laut Heike Boomgaarden hilfreich gegen Krautfäule, Grauschimmel und andere Pilzkrankheiten, wie man sie im Gemüsebeet häufig sieht – besonders an Erdbeeren und Tomaten.

Ähnlich wirkt Knoblauch: Er enthält Allicin, einen natürlichen Wirkstoff gegen Pilze und verschiedene Schädlinge. Zudem riecht Knoblauch so intensiv, dass viele Schädlinge die behandelten Pflanzen eher meiden. Eine Knoblauchbrühe kräftigt vor allem Erdbeeren, Rosen und Tomaten.

Weiße und rote Zwiebelschalen liegen auf einem Holztisch.
Zwiebelschalen müssen nicht in den Biomüll wandern, sondern können noch als Dünger nützlich sein. Zoonar | Heike Rau

Zwiebelsud und Knoblauchjauche: einfache Rezepte zum Düngen

Für eine Zwiebelschalenjauche genügt eine Handvoll Zwiebelschalen, die mit einem Liter heißem Wasser übergossen werden. Diese Mischung zieht 24 Stunden, wird anschließend durch ein Sieb abgegossen und dann etwa im Verhältnis 1:5 mit Wasser verdünnt. Den verdünnten Sud gießen oder – noch besser – mit einer Sprühflasche direkt auf die Pflanzen spritzen.

Für einen Knoblauchdünger nutzt man die Reste der Knoblauchzehen. Sie werden mit rund einem Liter Wasser übergossen und kurz geköchelt, damit die Inhaltsstoffe besser wirken. Nach dem Abkühlen die Brühe durch ein Sieb schütten und im Verhältnis 1:3 mit Wasser verdünnen. Diesen Knoblauchsud kann man ähnlich wie den Zwiebelsud einsetzen.

Eine Hand liegt um eine blaue Sprühflasche und bespritzt eine Pflanze.
Den verdünnten Zwiebel- oder Knoblauchsud am besten direkt mit einer Sprühflasche auf die Pflanzen spritzen. teutopress

Kartoffelwasser: Multitalent ohne Salz

Kartoffelwasser ist ein vielseitiger, natürlicher Dünger – allerdings nur ohne Salz, denn salzhaltiges Wasser schadet Pflanzen. Im ungesalzenen Kartoffelwasser sind zahlreiche gelöste Mineralien und Biovitalstoffe enthalten. Bleiben bei der Zubereitung von Salzkartoffeln Schalen oder kleine Kartoffelstücke mit schadhaften Stellen übrig, können diese mit Wasser aufgekocht werden. Den abgekühlten Sud anschließend direkt ins Beet gießen. Er stärkt dort viele Pflanzenarten.

Eine Schale mit Kartoffelwasser steht auf einem Tisch. Darin befindet sich ein Holzlöffel. Dahinter liegen zwei Kartoffeln.
Den Kartoffelschalensud vor Verwendung unbedingt abkühlen lassen. Zoonar | Heike Rau

Ein zusätzlicher Hinweis von Heike Boomgaarden: Kleine Kartoffelstücke im Beet locken relativ schnell Drahtwürmer an. Diese lassen sich dann von den Stücken absammeln und entsorgen – eine einfache Methode zur Reduzierung dieses Schädlings.

Pflanzensmoothie: Powertrunk für Balkonkästen

Aus verschiedenen Gemüseresten lässt sich ein besonders nährstoffreicher "Powertrunk" herstellen – nicht für Menschen, sondern speziell für Balkonpflanzen. Schalen von Karotten, Gurken und Kohlrabi sowie Salatstrünke dazu gemeinsam in ein Gefäß gegeben, mit Wasser pürieren und anschließend absieben.

Biologische Küchenabfälle in einem Kunststoffbeutel.
Gemüseabfall eignet sich für einen nährstoffreichen "Pflanzensmoothie". dpa Themendienst | Karl-Josef Hildenbrand

Den so gewonnenen Saft im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnen. Er eignet sich dann zum Gießen von Balkonkästen und anderen Pflanzengefäßen. In diesem "Pflanzensmoothie" sind gelöste Nährstoffe enthalten, die von den Wurzeln direkt aufgenommen werden können. Der Dünger liefert unter anderem Kalium, Magnesium und viele Spurenelemente und sorgt dafür, dass Pflanzen kräftiger und schneller wachsen.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Heike Boomgaarden
Porträt von SWR4 Expertin Heike Boomgaarden im blauen Jackett
Das Interview führte
Matthias Methner
Onlinefassung
Anna Lang