Begrüßungen, Essenssituationen und Trinkgelder gehören zu den häufigsten Stolperfallen im Urlaub. Es heißt nicht umsonst: andere Länder, andere Sitten. Da wir uns im Urlaub viel in der Öffentlichkeit bewegen, lauern hier die meisten Fettnäpfchen.
Bella Italia: Die Italiener legen Wert auf Stil und gutes Essen
In Italien zählt Stil. Shorts im Restaurant oder beim Kirchenbesuch wirken respektlos. Auch am Abend sollten Sie besser nicht in Shorts oder Flip-Flops essen gehen.
Ein weiterer Fauxpas ist der Cappuccino nach dem Essen! Die Italiener trinken ihn morgens zum Frühstück und auf keinen Fall später als 11 Uhr. Danach gibt es nur noch Espresso, da der Cappuccino zu sehr sättigt.
Wer im Restaurant Spaghetti bestellt, sollte vorab lieber zu Hause das Essen üben. Denn in Italien werden Spaghetti lediglich mit der Gabel gegessen.
Vive la France: In Frankreich sind die Begrüßung und Tischsitten sehr wichtig
Wer in Frankreich nicht mit "Bonjour" grüßt, gilt sofort als unhöflich. Die Franzosen legen viel Wert auf Höflichkeit, dazu gehört auch das Siezen in förmlichen Situationen. Erst wenn es ausdrücklich angeboten wurde, darf zum "Du" übergegangen werden.
Auch auf die konsequente Einhaltung der geltenden Tischsitten wird hier viel Wert gelegt. Das Brot als Beilage wird immer gebrochen und es wird alles mit Messer und Gabel gegessen – auch Geflügel oder Obst. In Frankreich wird das Essen mehr als Kulturgut gesehen, weshalb man sich dafür auch gerne Zeit nimmt.
Wer im Restaurant ohne zu fragen einfach Tische und Stühle nach Belieben zurechtrückt, eckt an. Auch getrenntes Bezahlen wird im Restaurant nicht gern gesehen.
Die Schweizer legen viel Wert auf Sprache und Pünktlichkeit
Die Schweizer legen viel Wert auf ihre Eigenständigkeit. Man sollte sie nicht mit Deutschland gleichsetzen. Auch das Thema Sprache ist sensibel: besser kein Schweizerdeutsch nachahmen, das wirkt schnell respektlos. Auch die Höflichkeit in der Alltagssprache ist den Schweizern sehr wichtig: Lieber "Wäre es möglich, dass ich bitte noch einen Kaffee bekomme" sagen, als die Kurzversion "Ich bekomme noch einen Kaffee".
Auch die Begrüßung ist in der Schweiz ganz anders: Küsschen rechts, links und noch mal rechts. Denn aller guten Dinge sind dann drei, zumindest wenn man sich gut kennt.
Pünktlichkeit wird sehr ernst genommen. Selbst fünf Minuten zu spät gelten als unhöflich – besonders im Berufsleben. Lieber zu früh kommen oder sich sofort melden, wenn man sich verspätet.
Die Spanier gehen es eher ruhig an
Keine Hektik beim Essen! Die Mahlzeiten sind in Spanien ein soziales Ereignis: Zeit lassen, genießen und auf keinen Fall drängeln.
Keine Angst vor Nähe! Auch Menschen, die sich noch nicht ganz so gut kennen, begrüßen sich in Spanien mit einer Umarmung und Wangenküssen. Es heißt: je weiter südlich man kommt, umso geringer das Distanzbedürfnis; je weiter nördlich, umso größer.
Und übrigens sagt man den Spaniern nach, dass sie sehr diszipliniert im Alltag sind: Vordrängeln in einer Schlange gilt als ganz schlechter Ton.
Immer das passende Trinkgeld geben
In Frankreich ist der Service im Preis enthalten. Auf der Rechnung ist das mit "service compris" gekennzeichnet. Trotzdem sind 5 bis 10% extra bei gutem Service immer gern gesehen.
Allgemein in Europa heißt es: 5 bis 10% bei gutem Service. Es kommt aber auch ein bisschen auf die Rechnungssumme an. Bei hohen Summen 5% - bei niedrigen Summen eher 10%.
In Japan wird Trinkgeld fast schon als Beleidigung angesehen – guter Service ist dort selbstverständlich.
In den USA dagegen ist Trinkgeld absolute Pflicht – 15 bis 20 % sind üblich, weil es dort Bestandteil des Einkommens ist.
In asiatischen Ländern immer die Schuhe ausziehen
In vielen Kulturen gilt im Haus oder der Wohnung: Niemals das Zuhause mit Straßenschuhen betreten, sondern immer vor der Tür ausziehen. Oft bekommt man Pantoffeln gestellt. Es kann auch sein, dass fürs Badezimmer noch einmal andere Hausschuhe nötig sind.
Heilige oder kulturell sensible Orte sollte dagegen nur mit Schuhen betreten werden (z. B. in Thailand, Indien, Japan, Indonesien).
Mit Englisch kommt man nicht immer weiter
In vielen Ländern wird es als herablassend empfunden, wenn man sich keine Mühe gibt, zumindest ein paar Wörter in der Landessprache zu sprechen. Ein einfaches "Danke" oder "Hallo" in der Landessprache öffnet viele Türen.
Es ist völlig in Ordnung, es nicht perfekt zu können, aber ein paar Worte werden sehr geschätzt. Wer gleich auf Englisch loslegt, wirkt schnell respektlos. Viele Franzosen oder Spanier empfinden es als arrogant und "verstehen" dann schonmal aus Prinzip nichts.
Grundregeln, die überall gelten und helfen Fettnäpfchen zu vermeiden
- Vorab informieren: Auf manches besser schon zuhause vorbereiten, z.B.beim Thema Kleidung.
- Fremde Kulturen anerkennen und Regeln vor Ort befolgen.
- Immer freundlich sein.
- Nie zu direkt sein! Sätze wie "Das ist falsch" wirken in vielen Ländern, etwa in den USA, Großbritannien oder Asien, als unhöflich oder sogar beleidigend. Dort bevorzugt man diplomatische Formulierungen.
Im Studio: Carolin Lüdemann, Knigge-Expertin
Alle Ratgeber-Themen von Kaffee oder Tee
Unsere Ratgeber auf einen Blick!