Der Frühling lockt uns raus in den Garten. Doch denken wir ein paar Wochen weiter, kann es anstrengend werden. Der Rasen wird ohne ständiges wässern schneller braun als wir "Sommer" sagen können. Das muss aber nicht sein: Ein klimafitter Garten lässt sich nicht so rasch von Hitze und Trockenheit klein kriegen.
So klappt die Wiese in voller Blüte - trotz Dürresommer
Der Garten von Anja Münch in Gutenberg im Kreis Bad Kreuznach sieht ein bisschen unaufgeräumt aus: Ein toter Baumstamm mitten auf der Wiese neben Steinhaufen und wilden Pflanzen. Doch wenn das Wetter extremer wird, die nächste Hitzewelle anrollt, hat die Naturgärtnerin gut lachen. Münch berichtet, dass im Dürresommer 2018 ihre Wiese in voller Blüte gestanden hat. Alle anderen Gärten und Rasenstücke um sie herum waren vertrocknet. Obwohl die meisten Nachbarn eifrig gegossen hatten.
Ein Nachbar hat seine ganze Zisterne auf seinen Rasen entleert und es hat nichts gebracht. Und meine Wiese war halt in voller Blüte und deswegen haben die Nachbarn auch ziemlich gestaunt.
Strategie für schönen Garten: Möglichst enge, unaufgeräumte Bepflanzung
Die Klimaerhitzung verschiebt die Jahreszeiten, Dürresommer nehmen zu. Das bleibt auch in der Tier- und Pflanzenwelt nicht unbemerkt. Expertinnen wie Eva Hofmann von der Gartenakademie Baden-Württemberg raten deshalb, vom klassischen "aufgeräumten" Garten wegzukommen. Viele Pflanzen sollten möglichst dicht den Boden bedecken, um das Öko-System zu schützen.
Die Gärten der Zukunft müssen auf jeden Fall ein bisschen lebendiger sein und ganz dicht bepflanzt. Das ist wirklich eine Strategie:Je mehr Pflanzen man drin hat, je dichter der Boden bedeckt ist, umso stabiler ist das ganze System.
Die Naturgärtnerin Anja Münch hat dazu viel ausprobiert und wird doch jedes Jahr wieder aufs Neue von der Natur überrascht. Sie hat auch viel durch mutige Versuche gelernt. Allerdings ist ihr dank der kompetenten Beratung und dem Infomaterial durch den Verein "NaturGarten" manch Anfängerfehler erspart geblieben. Der Breitwegerich kann Hitze sehr gut aushalten, erklärt sie dem SWR in ihrem Garten. Die Wiesenschlüsselblume sei auch sehr resistent.
Schöner Garten trotz Hitze: Boden kann wie ein Schwamm wirken
Die Vielfalt über dem Boden hilft bei extremem Wetter enorm, aber auch der Boden selbst ist entscheidend: Während der klassische gemähte Zierrasen mit kurzen Wurzeln den Boden verdichtet, lockern naturnahe Pflanzen mit tiefen Wurzeln den Boden auf. Auch durch Regenwürmer und Mikroorganismen wird er so zum Schwamm, der Wasser speichert und bei Hitze noch lange die Pflanzen versorgt.
Kohlenstoff wird im Garten gespeichert
So schützt der Garten nicht nur sich selbst, sondern auch die Umwelt. Der Boden speichert durch den Humus Kohlenstoff. Dieser Speicher ist für das Klima sehr wichtig
Insekten und andere Tiere erledigen die Gartenarbeit
Anja Münch hat ihren Garten sorgfältig geplant, sodass er heute kaum mehr Arbeit macht: Einmal im Jahr wird die Dotterweide geschnitten, ihre Äste sind dann Sichtschutz und Unterschlupf für tausende Tiere und Insekten. Die machen dann die eigentliche Arbeit im Garten, erzählt sie. Tiere fühlen sich an vielen Stellen wohl, auch in einem großen Sandkasten-artigen Beet in der Mitte des Gartens. Es ist ein Sandarium.
Das Sandarium ist ein wunderschönes Habitat für Wildbienen, die ihre Röhren drin bauen. Ich hatte auch schon eine Blattschneiderbiene. Das war ein Riesenspaß.
Auch kleine Grünflächen bieten Platz
Die Rheinland-Pfälzerin hat die Möglichkeit der Natur auf 300 Quadratmetern freien Raum zu lassen. Doch auch ein kleiner Balkon kann schon helfen. Denn nicht nur die Klimaerhitzung ist ein Problem, auch das Artensterben. Gartenexpertin Hofmann betont, jede kleine Grünfläche, jedes kleine Blatt könne helfen. Insekten könnten sich vom Balkon zum nächsten Garten, von Grünfläche zu Grünfläche bewegen.
Es ist ja nicht nur die einzelne Fläche an sich, die schon einen Unterschied macht, sondern die Gesamtheit all dieser kleinen Flächen, die sich miteinander verbinden zu solchen Trittstein-Biotopen.
Wiese im Naturgarten wechselt die Pflanzen
Die Zahl der heißen Tage hat sich in weniger als einem Jahrhundert in Deutschland schon verdreifacht - Tendenz steigend. Doch Anja Münch blickt dem zumindest in Hinblick auf ihren Naturgarten gelassen entgegen. Sie freut sich über Veränderungen und neu zugezogene Pflanzen. Es sei wie eine Entdeckungsreise.
Die Wiese sieht auch jedes Jahr anders aus. Da kommt ein Jahr die Schafgarbe, im anderen ist die Margerite da. Also es ist immer dynamisch und das ist das Schöne am Naturgarten.
Preise für Artenvielfalt und Bienen-Support
Der naturnahe Garten von Anja Münch wurde mehrfach ausgezeichnet: Er erhielt eine Goldprämierung von "Tausend Gärten, Tausend Arten" als vorbildlicher Naturgarten und belegte den 3. Platz in der Kategorie bestehende Naturgärten bei "Deutschland summt", bundesweiter Pflanzwettbewerb "Wir tun was für die Bienen". Anja Münch ist auch Wildkräuterbotschafterin NABU.