Schutz vor Verfärbungen

Farbfangtücher: Nie wieder Wäsche sortieren?

Ein kleines Tuch in der Waschmaschine reicht, schon sind unschöne Verfärbungen ausgeschlossen? Ganz so einfach geht es leider nicht.

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Von Autor/in Laura Wolf / SUPER.MARKT rbb, 28.09.2026

Glaubt man der Werbung, kann man sich das Leben ganz oft ganz einfach machen. Beispiel: Wäsche sortieren – in Buntwäsche, Weißwäsche und dunkle Wäsche. Das muss überhaupt nicht mehr sein, steht zum Beispiel als Versprechen auf den Farbfangtüchern von dm. Sie sollen ärgerliche Verfärbungen verhindern. Auch die Tücher anderer Hersteller werben mit dem Verfärbungs-Stopp.

Ein schönes Versprechen. Aber was können die Tücher wirklich? Das soll im Laborcheck geprüft werden. Im Test sind vier Tücher mit sehr unterschiedlichen Preisen: Zum einen die Farbfangtücher von Denkmit (dm), die umgerechnet auf 20 Tücher 1,13 Euro kosten. Zum selben Preis gibt es die Tücher von Domol (Rossmann). Das Markenprodukt von Dr. Beckmann kostet 1,48 Euro, gerechnet auf 20 Tücher. Und zuletzt: die Farbfangtücher von Heitmann für 2,35 Euro.  

So werden die Farbfangtücher im Labor getestet

Die Farbfangtücher kommen mit einem Haufen Wäsche in Mönchengladbach bei der Öffentlichen Prüfstelle für das Textilwesen an. Die gehört zur Hochschule Niederrhein und wird von Prof. Dr. Lutz Vossebein geleitet. Unter seinen Augen soll jedes der Produkte separat in der Waschmaschine getestet werden. Zusätzlich pro Waschgang und Farbfangtuch in der Maschine: Ein weißes Shirt und ein neues, ungewaschenes T-Shirt in roter Farbe.

Bei der Wäsche solcher fabrikneuen Textilien treten im Alltag am ehesten Verfärbungen auf. Erste Versuche vor dem eigentlichen Test zeigen denn auch: Das ausgewählte rote Shirt gibt "mäßig" Farbe ab. Ein Blick auf die Verpackungsvorderseiten der Farbfangtücher zeigt allerdings, dass nichts dagegen spricht, das neue T-Shirt mitzuwaschen.

Bei 30 Grad und mit Waschmittel werden nun jeweils 2 Farbfangtücher derselben Marke, ein rotes Shirt aus Baumwolle und Polyester und ein weißes Baumwollshirt gewaschen. An die weißen Shirts wurde vorher durch die Prüfstelle ein Multifasergewebe angenäht. Vossebein erklärt, dass damit getestet werden soll, wie die unterschiedlichen Textilfasern - von Wolle bis Acetat - Farbe aufnehmen. Je weniger sich die Streifen verfärben, desto weniger Farbe ist übergegangen.

Was die Tücher können sollen – und was die Verbraucherzentrale davon hält

Die Tücher sollen die Farbmoleküle, die sich bei der Wäsche lösen, abfangen - bevor sie sich auf die Wäsche setzen. Bei den Produkten von Heitmann und Dr. Beckmann sollen zusätzliche Farbfang-Wirkstoffe Farbe schon im Waschwasser binden. Aber braucht es das überhaupt? Die Verbraucherzentrale sagt Nein - und setzt auf Bewährtes.

Dr. Kerstin Effers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt, Weißes getrennt und die Buntwäsche ebenfalls gesondert mit einem Buntwaschmittel zu waschen. Und: Viele Colorwaschmittel enthalten bereits Stoffe, die verhindern sollen, dass sich gelöste Farbe auf anderer Wäsche absetzt.

„Aus ökologischer Sicht eine Katastrophe“

Zusätzlicher Kritikpunkt der Verbraucherschützerin: die Umweltbilanz der Tücher.  Sie seien aus ökologischer Sicht eine Katastrophe, da sie das Abwasser mit wasserlöslichen Polymeren und zum Teil mit optischen Aufhellern belasten. Auch entstünde zusätzlicher Müll mit den Einwegtüchern.

Die Hersteller sehen hingegen auch Vorteile: Weniger Sortieren könne vollere Maschinen ermöglichen - und damit Wasser und Energie sparen. Heitmann verweist zudem auf sein kunststofffaserfreies Zellstofftuch, zu 97 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen.

Und wenn das Einwegtuch in der Waschmaschine verschwindet?

Doch so ein dünnes Tuch kann auch ganz praktisch Ärger machen - wenn es in der Maschine dort landet, wo es nicht hingehört: zwischen Gummi-Manschette und Trommel. Schlimmstenfalls kann das dazu führen, dass die Pumpe kein Wasser absaugen kann - oder sogar die Pumpe selbst Schaden nimmt.

Waschmaschinenmonteur Egecan Ates aus Berlin holt solche Fremdkörper immer wieder aus Geräten. Er rät, wenn man schon die Tücher verwenden will, wenigstens Wäschesäcke zu benutzen, damit die Farbfangtücher nicht abhandenkommen. Wäschesäcke empfiehlt er übrigens für alle Arten von kleinen Wäschestücken, denn auch diese können in dem Spalt in Türnähe verschwinden.

Im Test zeigt sich: Die Tücher fangen Farbe – aber nicht genug

Im Labor verfängt sich keines der Einwegtücher in dem Spalt. Aber: Alle vier Tücher haben deutlich rote Farbe aufgenommen. Doch auch die weißen T-Shirts haben rote Farbe der anderen Shirts aufgenommen - sie sind trotz der unterschiedlichen Farbfangtücher alle rosa geworden. „Zartrosa, aber eben rosa“, wie Vossebein feststellt.

Auf der Prüfskala von 1 bis 5, wobei 5 der Bestwert ist und „keine sichtbare Anfärbung“ bedeutet, bekommen die weißen Shirts eine 4. Schaut man die extra angenähten Multifasergewebsstreifen an, zeigen sich kleine Unterschiede. Dr. Beckmann schneidet bei mehreren Faserarten etwas besser ab als die anderen drei.

Für einen klaren Sieger reicht das nicht.  Im Gegenteil, laut Vossebein haben alle Produkte verloren - denn keines hat es geschafft, die Farbe so aufzufangen, dass ein weißes T-Shirt auch wieder weiß aus der Wäsche kommt.

Neue, farbige Textilien bringen die Farbfangtücher an ihre Grenzen

Fairerweise muss man sagen: Die roten Shirts waren neu und ungewaschen. Und: Die Hersteller weisen im Kleingedruckten auf die Grenzen ihrer Produkte hin. Bei Dm heißt es etwa: „Neue, farbige Wäschestücke die ersten Male separat waschen. Bei einer großen Menge stark ausblutender Textilien kann eine vollständige Farbaufnahme durch die Tücher nicht garantiert werden.“

Die roten Shirts im Test stuft die Prüfstelle im Vorversuch zwar nur als „mäßig abfärbend“ ein. Trotzdem kritisieren die Hersteller vor allem, dass sie neu und ungewaschen in den Test gingen. „Die Tücher sind auch bei mäßig abfärbenden Textilien nicht dazu gedacht, weiße mit farbigen Shirts gleichzeitig zu waschen“, kommentiert etwa Hersteller Heitmann den Test.

Wie viele Farbfangtücher braucht es eigentlich?

Je nach Farbmenge werden außerdem unterschiedlich viele Tücher von den Herstellern empfohlen. Und genau da sieht Textiltechnologe Vossebein ein grundsätzliches Problem. Eine genaue Vorgabe für die Dosierung der Farbschutzfangtücher sei schwierig, schon allein, weil sich von Wäsche zu Wäsche die Anzahl und Größe der Textilien, die abfärben könnten, unterscheidet. „Eine kleine Socke färbt weniger ab als eine große Socke oder als ein großes T-Shirt“, so Vossebein. Zudem färbten ungewaschene oder selten gewaschene Textilien mehr ab als häufig gewaschene.

Dm und Rossmann bestätigen auf Nachfrage: Wie viel Farbe ein Kleidungsstück beim Waschen abgibt, ließe sich vorher nicht exakt bestimmen. 

Rossmann: „Die Dosierungsangaben auf der Verpackung […] sind als praktische Orientierungshilfe für den normalen Haushalt konzipiert und nicht als mathematische Formel."

Und auch „Ohne Sortieren" wird auf Nachfrage enger gefasst. Dm etwa schreibt: „Die Aussage bezieht sich auf typische Mischwäsche im Alltag, also auf bereits mehrfach gewaschene Textilien unterschiedlicher Farben und Materialien."

Vorne klingt das Versprechen also einfacher als die Anwendungshinweise im Kleingedruckten.

Das Fazit: Farbe fangen sie, zum Nichtsortieren reicht es dennoch nicht

Der Versuch zeigt: Farbe fangen können alle vier Tücher „einfangen“. Komplett verhindern konnten sie die Farbübertragung in dem Versuch mit neuen Shirts aber nicht. Als zusätzliche Absicherung: ja. Als Freifahrtschein fürs Nichtsortieren: nein.

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Laura Wolf / SUPER.MARKT rbb, 28.09.2026