Müller ist längst mehr als eine klassische Drogerie: In vielen Filialen stehen Waschmittel, Parfüm, Spielzeug, Stifte und Elektrogeräte dicht an dicht in den Regalen. Viele Kundinnen und Kunden kommen wegen der Vielfalt von Markenprodukten und Eigenmarken – entscheiden am Ende aber vor allem nach dem Preis.
Preise bei Müller: Wie günstig ist der Drogeriemarkt wirklich?
Für die ARD Verbraucher-Redaktion hat Familie Stein den Kassenbon-Vergleich gemacht. Alexandra Stein ist Lehrerin, ihr Mann Marko arbeitet als Wundexperte, Sohn Samuel geht in die Grundschule.
Die drei kaufen jeweils in den nächstgelegenen Filialen von Müller, dm und Rossmann ein – mit identischer Liste: bekannte Markenprodukte und vergleichbare Eigenmarken. Das Ergebnis: Die Preisunterschiede bei 14 Produkten sind erstaunlich klein.
Meist geht es nur um wenige Cent, mal liegt Müller vorn, mal dm oder Rossmann. Bei diesem Einkauf ist Müller am Ende minimal günstiger:
- Rossmann: 34,88 Euro
- dm: 34,90 Euro
- Müller: 34,48 Euro
Handelsexperte Johannes Berentzen erklärt, warum die Preise so dicht beieinanderliegen: Der Drogeriemarkt sei auf drei große Anbieter – Müller, dm und Rossmann – verteilt. „Da herrscht natürlich ein harter Wettbewerb, auch ein harter Preiswettbewerb“, sagt Berentzen.
Man beobachte sich sehr genau und gleiche Preise an. So entstünden insgesamt nur geringe Preisdifferenzen.
Rabatte per App: Rossmann vor Müller
Über die Apps der Ketten lassen sich beim gleichen Einkauf zusätzlich Rabatte und Coupons nutzen. Das verändert das Ergebnis deutlich: Während Familie Stein bei Müller gut 1,50 Euro spart, kommen bei Rossmann knapp 5 Euro Rabatt zusammen. Mit allen verfügbaren Coupons ist Rossmann bei dieser Stichprobe am Ende der günstigste Markt.
Drogerie Müller teilt dazu auf Anfrage schriftlich mit: “Das konkrete Spar-Ergebnis hängt stark davon ab, welche Produkte zu welchem Zeitpunkt in den Warenkorb gelegt werden und welche Coupons gerade aktiv sind.”
Flüssige Colorwaschmittel im Vergleich: Welches wäscht sauberer?
Waschmittel gehören zu den meistgekauften Produkten in Drogeriemärkten. ARD Marktcheck lässt fünf flüssige Colorwaschmittel im Labor der Textilprüfstelle der Hochschule Niederrhein untersuchen. Textil-Technikerin Heike Soehngen-Tintelnot testet:
- Blink – eine Müller-Eigenmarke
- Denk mit – Eigenmarke von dm
- Tandil von Aldi
- Ariel
- Persil
Genormte Schmutzstreifen mit 20 verschiedenen Flecken – darunter Gras, Kakao, Fett und Lippenstift – werden bei 30 Grad mit der empfohlenen Dosierung gewaschen. In einer Lichtkammer prüfen Fachleute anschließend, wie gut die Flecken entfernt wurden.
Auffällig: Ausgerechnet das Markenwaschmittel Ariel schwächelt bei Gras und einem Lippenstift-Fleck auf Polyester. Heike Soehngen-Tintelnot sagt: „Es gab so zwei Fleckenarten, wo das relativ auffällig war. (…) Bei den beiden war es tatsächlich so, dass Ariel in der Bewertung eine halbe oder eine ganze Note tatsächlich schlechter war.“
Die Gesamtauswertung:
- Letzter Platz: Ariel
- Platz 2: Blink von Müller und Persil
- Sieger: Denk mit von dm und Tandil von Aldi
Soehngen-Tintelnot fasst zusammen: „Ich muss sagen, ich fand es schon wirklich überraschend, dass Ariel doch etwas schlechter abgeschnitten hat als alle anderen und dass besonders auch die Produkte der Drogerieketten Müller und dm, aber auch Aldi vergleichsweise sogar besser abgeschnitten haben.“
Der Hersteller von Ariel - Procter & Gamble - kann sich das Ergebnis nicht erklären und schreibt der ARD Verbraucher-Redaktion dazu: „Die Leistung wurde ausgiebig mit Verbraucherinnen und Verbrauchern getestet und erzielte durchweg positive Ergebnisse.“
Antitranspirante: Müller-Eigenmarke Aveo im Schwitztest
Deos – vor allem Antitranspirante – sollen nicht nur Geruch überdecken, sondern die Schweißbildung reduzieren. Getestet werden vier Sprays ohne Alkohol, alle mit Aluminiumsalzen, die in Antitranspiranten als gesundheitlich unbedenklich gelten:
- Aveo – eine Eigenmarke von Drogerie Müller
- Balea – eine Eigenmarke von dm
- Rexona
- Nivea
Für den Test nutzen Darsteller eines schweißtreibenden ABBA-Musicals in Karlsruhe die Produkte eine Woche lang. Auch kurz vor der Vorstellung wird erneut gesprüht. Dermatologin Dr. Su Youn Becker-Weimann, spezialisiert auf übermäßiges Schwitzen, misst nach der Show mit zwei Methoden:
- Gravimetrie: Tücher werden fünf Minuten lang unter die Achseln geklemmt und gewogen – je schwerer, desto mehr Schweiß.
- Jod-Stärke-Test (Minor-Test): Je dunkler die Verfärbung der Haut, desto stärker die Schweißproduktion.
Das Ergebnis:
- Am besten wirkt Nivea.
- Es folgen Rexona und Balea.
- Schlusslicht ist Aveo von Müller – hier wird am meisten Schweiß gemessen, und auch beim Jod-Stärke-Test verfärbt sich die Haut deutlich.
Die Dermatologin resümiert: „Für die heutige Testung konnten wir tatsächlich beobachten, dass einige Produkte tatsächlich besser wirken als die anderen. Und in dem Fall war das Produkt Nivea für uns am besten wirksam.“
Drogerie Müller erklärt dazu: “Dieses Ergebnis nehmen wir ernst und prüfen die konkreten Testdaten im Detail. (…) Wenn ein Test Hinweise auf Verbesserungspotenzial gibt, gehen wir dem gemeinsam mit Qualitätssicherung und Lieferanten nach.”
Laboruntersuchungen auf mögliche Weichmacher in allen vier Sprays ergeben: Alle Produkte sind diesbezüglich unauffällig.
Küchenpapier von Müller: Viel Rolle, weniger Stabilität
Auch Küchenrolle gehört zur Standardausstattung im Haushalt. Familie Stein vergleicht vier Produkte: Küchenrollen von Müller, dm, Rossmann sowie den bekannten Markenartikel von Zewa. Alle drei Drogerie-Eigenmarken kosten etwa gleich viel, Zewa ist teurer.
Beim „Ausroll-Test“ auf einem kleinen Flugplatz zeigt sich:
- Die Küchenrolle von Drogerie Müller: 14,6 Meter lang
- Küchenpapier von dm und Rossmann: ähnlich lang
- Zewa: über 4 Meter kürzer
Der Grund: Zewa hat knapp 20 Blatt Papier weniger pro Rolle – Kundinnen und Kunden zahlen mehr für weniger Papier.
Im Papierlabor der Technischen Universität Darmstadt prüft Diplomingenieur Heinz-Joachim Schaffrath anschließend Reißfestigkeit und Saugkraft:
- Im nassen Zustand reißen die Eigenmarken bereits bei 1,0 bis 1,5 Newton Zugkraft.
- Zewa hält mit 4 Newton deutlich mehr aus.
Bei der Saugfähigkeit nimmt ein Gramm Müller-Küchenpapier 8,7 Gramm Wasser auf. Rossmann liegt leicht darüber. Zewa liegt auch hier klar vorne.
Schaffrath ordnet ein: „Wenn nur einmal was umfällt, dann kann ich, glaube ich, auch den Müller nehmen. Wenn ich jetzt aber ein Küchentuch auch hernehme, um sauber zu machen und wo viel Flüssigkeit ist, (…) dann ist sicherlich Zewa etwas, was in der Lage ist, länger verwendet zu werden, weil es mehr Wasser aufnimmt und auch weniger schnell reißt.“
Insgesamt schneidet die Müller-Küchenrolle ähnlich ab wie dm und Rossmann – an die Stabilität und Saugkraft von Zewa reicht jedoch keines der Drogerieprodukte in dieser Stichprobe heran.
Multistyler im Praxis-Check: Aveo gegen Dyson
Beim Thema Haarstyling fällt Müller im Drogerie-Vergleich auf: Die Kette bietet deutlich mehr Elektrogeräte rund ums Haar als dm und Rossmann. Besonders gefragt ist der Aveo Multistyler für etwa 80 Euro – ein deutlich günstigeres Pendant zum Dyson Airstrait, der rund 500 Euro kostet.
Beauty-Experte Reza Shari und Kundin Alexandra Stein checken beide Geräte im Salon. Föhnen, Glätten, Locken – bei beiden ist das möglich.
Shari meint zur Handhabung: „Es funktioniert relativ ähnlich von der Technik her. Allerdings, ich merke es vom Gewicht und Haptik, mir persönlich würde (…) das Müller-Gerät wesentlich besser gefallen, weil das hier [Dyson] ist einfach viel zu schwer.“
Beim Lockenstylen wirkt der Dyson insgesamt hochwertiger verarbeitet und zieht die Haarsträhnen etwas sauberer an. Shari betont jedoch, die Ergebnisse seien „sehr, sehr ähnlich“.
Sein Fazit: Für den geringen Unterschied in der Performance würde er als „Otto Normalverbraucher“ nicht den fünffachen Preis zahlen. Auch Alexandra Stein wundert sich, wie nah der Aveo Multistyler an den Markenartikel herankommt.
Müller-Eigenmarken: Oft unbekannt, manchmal echte Markenschwestern
Müller führt zahlreiche Eigenmarken, etwa:
„Duchesse“ (Kosmetik)
„Beauty Baby“ (Babyartikel)
„Softstar“ (Papierprodukte)
„Aveo“ (Körperpflege)
„Blink“ (Reinigungsmittel)
In einer Straßenumfrage zeigt sich: Viele Kundinnen und Kunden wissen nicht, dass Aveo oder Blink zu Müller gehören, und ordnen die Namen Rossmann, dm oder Discountern zu. Anders bei Balea: Diese dm-Eigenmarke können die meisten auf Anhieb zuordnen.
Marketing-Experte Matthias Niggehoff erklärt: Müller habe Eigenmarken lange nicht so offensiv in den Vordergrund gestellt wie dm. Stattdessen habe man stärker auf bekannte Marken gesetzt. dm hingegen nutze seine Eigenmarken gezielt zur Kundenbindung.
Marken-Detektive im Einsatz: Wer steckt hinter Softstar und Blink?
Manon und Patrick Sieber betreiben die App „MarkenDetektive“. Sie recherchieren und decken auf, welche Hersteller hinter Eigenmarken stehen. Für die Stichprobe der ARD Verbraucher-Redaktion kaufen sie ausgewählte Müller-Produkte ein:
- Taschentücher der Eigenmarke Softstar: Laut Verpackung stammen sie vom Konzern Essity – dem Hersteller von Marken wie Tempo und Zewa. Nach Einschätzung der Markendetektive kommen Marken- und Eigenmarken-Taschentücher hier offenbar aus demselben Werk. Der Preisunterschied: Softstar (100 Tücher) kosten 0,95 Euro. Die Tücher der Markenware kosten 1,28 Euro.
- Öko-Spülmittel der Eigenmarke Blink: Als Hersteller ist die Firma ECC angegeben. Die Markendetektive finden eine direkte Verbindung zu Werner & Mertz – dem Unternehmen hinter der Marke Frosch. Optik, Verschluss und Inhaltsstoffe fallen sehr ähnlich aus. Ein unabhängiger Experte, den die Markendetektive beauftragt haben, konnte bei der Reinigungsleistung von Blink und Frosch keinen Unterschied feststellen. Preislich liegt Blink mit 0,95 Euro deutlich unter dem Markenprodukt, das fast doppelt so teuer ist.
- Küchenrolle Softstar: Sie stammt vom Markenhersteller Regina – auch hier ist die Eigenmarke deutlich günstiger als vergleichbare Markenprodukte.
Für Kundinnen und Kunden lohnt sich also der Blick auf die Rückseite der Packung: Häufig steckt hinter der Eigenmarke ein bekannter Markenhersteller – zu einem deutlich niedrigeren Preis.
Wie viel spart ihr tatsächlich? Eigenmarken im Test: So günstig sind sie wirklich – aber auch gut?!
Eigenmarken wie „Ja“, „K-Classic“ und „Gut und günstig“ boomen. Der Preis ist gut, aber wie sieht’s mit der Qualität aus? Und wie unterscheiden sie sich von bekannten Marken?
Schreibwaren bei Müller: Eigenmarken schlagen Marken deutlich im Preis
Bei Schreibwaren und Schulbedarf ist Müller längst kein Geheimtipp mehr. Familie Stein vergleicht Markenprodukte und Müller-Eigenmarken:
- Buntstifte von Faber-Castell: 21,95 Euro
- Buntstifte der Eigenmarke: 2,79 Euro
- Marken-Spitzer „Qualitätsspitzer“: 3,99 Euro
- Spitzer der Eigenmarke: 0,99 Euro
Insgesamt kosten die Markenprodukte für Stifte und Co. über 50 Euro, die Müller-Eigenmarken in der Stichprobe 16,64 Euro. Alexandra Stein ist zunächst überrascht, wie stark die Differenz auf dem Kassenzettel ausfällt. Sie sagt: „Man kann eigentlich schon gut sparen, wenn man diese Eigenprodukte nimmt.“
Als Lehrerin erlebt sie immer wieder, dass ihre Schülerinnen und Schüler minderwertige Billigprodukte verwenden. Die Müller-Eigenmarke „Paperzone“ überzeugt sie jedoch bei diesem Test: Die 12er-Packung Buntstifte malt ihrer Einschätzung nach „vergleichbar gut“ wie das Markenprodukt. Sohn Samuel wäre mit den günstigeren Stiften zufrieden.
Ihr Fazit: Beim Schulbedarf bietet Müller ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis – wer zu Eigenmarken greift, kann viel Geld sparen, ohne in dieser Stichprobe große Qualitätsabstriche zu machen.
Spielwaren bei Müller: viel Auswahl, oft höhere Preise
Die Spielwarenabteilung ist ein weiterer Kundenmagnet. Neben einigen Eigenmarken bietet Drogerie Müller bekannte Topseller wie Lego, Playmobil, Barbie oder Monopoly.
Handelsexperte Johannes Berentzen spricht von „Frequenz-Ankern“. Eltern etwa, die kurzfristig ein Geschenk für einen Kindergeburtstag brauchen, kaufen dort schnell ein – häufig, ohne genau auf den Euro zu schauen.
Die ARD Verbraucher-Redaktion hat die Preise von acht stark nachgefragten Spielwaren bei Müller mit dem Onlinehändler Amazon und dem Marktführer bei Spielwaren Smyths Toys verglichen. Ergebnis der Stichprobe:
- Bei der Hälfte der Produkte ist Müller teurer als die Konkurrenz.
- Insgesamt hätte der Einkauf bei Müller rund 55 Euro mehr gekostet als bei Amazon.
- Im Vergleich zu Smyths Toys wären es sogar etwa 77 Euro mehr gewesen.
Markenspielzeug ist bei Müller also nicht unbedingt ein Schnäppchen.
Image von Müller Drogerie: modern oder altbacken?
Müller unterscheidet sich auch optisch von der Konkurrenz. Viele Filialen erinnern eher an ein Kaufhaus als an eine klassische Drogerie.
Vom kleinen Laden bis zum mehrstöckigen XXL-Markt ist alles dabei. Gleichzeitig hat Müller mit rund 578 Filialen in Deutschland ein deutlich dünneres Netz als Rossmann mit über 2.300 Märkten und dm mit gut 2.100 Filialen.
Vor einer Filiale lässt die ARD Verbraucher-Redaktion 100 Kundinnen und Kunden per Abstimmkugeln ihr Bild zum Image von Müller bewerten. Die wichtigsten Ergebnisse:
- Modern oder altmodisch?
54 von 100 sehen Müller eher modern, 46 eher altmodisch.
- Vielfalt oder Unübersichtlichkeit?
76 betonen die große Auswahl, 24 finden den Laden „unübersichtlich” oder „vollgestopft“.
- Preisimage: günstig oder teuer?
Die Mehrheit hält Müller insgesamt für günstig. 42 Personen empfinden die Preise als eher hoch.
Verkaufspsychologe Matthias Niggehoff meint, Müller spreche bewusst eine etwas ältere Zielgruppe an: weniger „cool und hipp“ als die Konkurrenz - dafür attraktiv für Kundinnen und Kunden, die Prospekte lieber auf Papier lesen als per App. Die große Sortimentsbreite sei dabei eine Stärke – und zugleich ein verkaufspsychologischer Hebel.
Denn wer eine große Müller-Filiale betritt, kommt laut Niggehoff häufig mit mehr Produkten heraus als ursprünglich geplant. Er spricht vom „Müller-Effekt“: Man wolle vielleicht nur ein kleines Spielzeug kaufen – und nehme dann noch zig andere Sachen mit.
Beim Sortiment spielt Müller tatsächlich in einer eigenen Liga:
- dm führt je nach Filiale rund 12.500 bis 15.000 Artikel,
- Rossmann etwa 17.000,
- Müller nach eigenen Angaben bis zu 190.000 Produkte.
Service, Rückgabe, App: Hat Müller aufgeholt?
Beim Thema Service gibt es für viele Kundinnen und Kunden immer wieder Ärger. Die Noten der drei großen Drogeriemarkt-Ketten auf der Bewertungsplattform Trustpilot zeigen deutliche Unterschiede:
- Müller: 1,8 von 5 Punkten – „mangelhaft“
- dm: 2,5 von 5
- Rossmann: 3,1 von 5
Häufiger Kritikpunkt bei Müller: Bei Reklamationen und Rückgaben gebe es nur Gutscheine statt der Erstattung des Kaufpreises.
Mit versteckter Kamera überprüft ARD Marktcheck, wie kulant die drei großen Drogerie-Ketten in der Praxis sind – jeweils mit identischen Fällen:
1. Ungeöffnetes Parfüm
Müller, dm und Rossmann nehmen die Ware alle anstandslos zurück und erstatten den Kaufpreis in bar.
2. Geöffnetes, benutztes Parfüm
Müller lehnt die Rücknahme ab, mit dem Hinweis: Das Produkt sei benutzt und nicht mehr verkäuflich – rechtlich ist das zulässig.
dm und Rossmann zeigen sich kulanter und erstatten in dieser Stichprobe trotzdem das Geld.
3. Defekter Föhn - ein Gewährleistungsfall
Müller bietet den Umtausch gegen ein Neugerät an und lehnt die Rückzahlung des Kaufpreises ab. „Rückgabe nur gegen Gutschein“, lautet die Aussage vor Ort. dm und Rossmann erstatten den Kaufbetrag.
Rechtlich muss ein Händler bei Gewährleistung nicht zwingend Geld auszahlen; eine Reparatur oder ein Austauschgerät sind ausreichend.
Handelsexperte Berentzen sieht die strikte Gutschein-Praxis bei Müller trotzdem kritisch. Sie wirke „aus der Zeit gefallen“ und zeige, dass das Unternehmen den Servicegedanken weniger in den Mittelpunkt stelle als die Konkurrenz.
Müller kündigt Änderung der Rückgabepraxis an
Von der ARD Verbraucher-Redaktion mit den Ergebnissen konfrontiert, reagiert Müller schriftlich:
„Nach Fällen wie dem geschilderten haben wir unsere Rückgabepraxis vereinheitlicht. Kundinnen und Kunden erhalten bei Rückgaben aus Kulanz inzwischen auf Wunsch den Kaufbetrag erstattet.”
Digitale Angebote und Gesundheits-KI bei Müller
In Sachen Digitalisierung war Drogerie Müller lange zurückhaltend: Während dm und Rossmann schon früh auf Apps und Online-Kanäle setzten, startete Müller erst 2020 mit eigener App, Online-Shop und Lieferservice. Handelsexperte Berentzen sieht dm hier „deutlich stärker unterwegs“.
Inzwischen bietet die Müller-App mehrere Funktionen: Rabattcoupons, Angebote, ein Treueprogramm sowie die Möglichkeit, Produkte nach Hause oder in die Filiale liefern zu lassen. Neu ist die „Gesundheitswelt“ bei Müller: Kundinnen und Kunden können dort nicht apothekenpflichtige Gesundheitsprodukte kaufen.
Eine KI-gestützte Beratung – per Smartphone oder Terminal – stellt Fragen zu Beschwerden, etwa Rückenschmerzen, und schlägt daraufhin passende Produkte wie einen Wärmegürtel vor. Die Empfehlung enthält auch den Regalstandort im Markt.
Für leichtere Beschwerden kann die KI eine Hilfe sein, ersetzt aber keine ärztliche Beratung oder Apotheke bei ernsthaften gesundheitlichen Problemen.
Fazit: Lohnt sich der Einkauf bei Müller Drogerie?
Der Drogerie-Check der ARD Verbraucher-Redaktion zeigt ein gemischtes Bild:
- Preise:
Bei klassischen Drogerieartikeln liegt Müller auf Augenhöhe mit dm und Rossmann. In der Stichprobe war Müller ohne App sogar minimal am günstigsten. Mit App-Rabatten hatte am Ende Rossmann die Nase vorn. Spielwaren sind bei Müller häufig teurer als bei Amazon oder Smyths Toys. Bei Schreibwaren und Schulbedarf können Kundinnen und Kunden mit Eigenmarken dagegen deutlich sparen.
- Qualität:
Beim flüssigen Colorwaschmittel landet Müller mit seiner Eigenmarke Blink im soliden Mittelfeld und liegt klar vor Ariel. Beim Antitranspirant Aveo schneidet Müller im Praxistest dagegen am schwächsten ab. Die Küchenrolle von Müller ist nicht schlechter als die Eigenmarken der Konkurrenz, kommt aber an Zewa bei Stabilität und Saugkraft nicht heran. Der Aveo Multistyler überzeugt im Praxis-Check: Er kommt funktional nah an das deutlich teurere Dyson-Gerät heran.
- Eigenmarken:
Viele Müller-Eigenmarken sind wenig bekannt, obwohl dahinter oft große Markenhersteller wie Essity (Tempo, Zewa), Regina oder Werner & Mertz (Frosch) stehen. In der Stichprobe bieten sie häufig ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Image und Sortiment:
Müller polarisiert – erscheint für einige Kundinnen und Kunden modern, für andere altmodisch. Die enorme Sortimentsbreite mit bis zu 190.000 Artikeln ist Alleinstellungsmerkmal und Verkaufsargument zugleich: Wer kommt, findet vieles unter einem Dach, läuft aber auch Gefahr, mehr zu kaufen als geplant.
- Service:
Beim Service-Check offenbarte Müller einen gewissen Nachholbedarf, vor allem bei der Rückgabe- und Gutscheinpraxis. Nach der Konfrontation mit den Ergebnissen kündigt das Unternehmen gegenüber der ARD Verbraucher-Redaktion jedoch an, kulanter werden zu wollen und künftig auf Wunsch mit Geld auszuzahlen statt mit Gutscheinen.
Müller bleibt damit der ungewöhnlichste der großen Drogeriemärkte – mit besonders großer Auswahl, soliden Preisen bei vielen Drogerieartikeln, starken Einsparungen bei Eigenmarken im Schulbereich, aber Schwächen bei einigen Produkten und beim Service - an denen die Kette nun nach eigener Aussage arbeitet.