Fast 23 Millionen Menschen in Deutschland sind Mitglied beim ADAC - auch die Marktcheck-checkt-Redakteurinnen dieser Folge. Heute kümmert sich das Unternehmen um Autofahrer, Motorradfahrer und sogar Radfahrer und versteht sich daher auch als Mobilitätsclub. Das Portfolio des als gelber Riese mit vier Buchstaben bekannten Unternehmens umfasst weit mehr als Pannendienste und Routenplanung und bietet unter anderem auch Versicherungen an.
Marktcheck prüft den ADAC in diesen Punkten:
- ADAC-Fahrrad-Pannenhilfe an verschiedenen Orten
- Wie die Pannenhilfe bei Kraftstoff- und E-Autos mit der Konkurrenz mithält
- Preise von Versicherungen im Vergleich zu anderen Anbietern
- Beratungsqualität bei Versicherungsabschlüssen
Kommt die Fahrradpannenhilfe überall hin?
Der ADAC bietet auch Pannenhilfe für das Fahrrad. Aber gilt das überall? Das prüft für uns eine Testfamilie, die ADAC-Mitglied ist. Wir platzieren sie mit einem platten Reifen auf einem Parkplatz am Markkleeberger See und auf einem Fahrradweg nahe der Mulde, 200 Meter von der nächsten Straße entfernt. In beiden Fällen melden sie die Panne über die ADAC-App. Schnell meldet sich jeweils ein Service-Mitarbeiter und erklärt, innerhalb von 60 Minuten soll jemand vor Ort sein und den Schaden beheben.
Am See warten wir nur 29 Minuten, bis sich der Pannenhelfer meldet. Der Parkplatz ist für ihn gut erreichbar. Nach nur weiteren acht Minuten ist er da. Das Fahrrad ist 55 Minuten nach dem Hilferuf repariert. Einziges Manko war die ungenaue Standortübermittlung durch die App. Das konnte aber per Telefon schnell gelöst werden.
An der Mulde dauert es viel länger, bis der Drahtesel wieder fahrtüchtig ist. Eine Minute vor der 60-Minuten-Frist bekommen wir eine Nachricht, dass sich die Ankunft des Helfers um 25 Minuten verspätet. Nach einer Stunde und 19 Minuten ruft er an und beschwert sich, dass der von der App übermittelte Standort nicht stimmt. Die ADAC-Fahrradpannenhilfe gilt nur auf öffentlichen Straßen, wie er uns mitteilt. Daher müssen wir von der abgelegenen Wiese einen Standort suchen, an den der Helfer heranfahren kann. Das passiert 1:42 Stunde nach Meldung der Panne über die App. Repariert wird auch hier zügig. Aber am Ende sind 2 Stunden und eine Minute auf der Stoppuhr.
Was kostet der ADAC-Pannendienst im Vergleich zur Konkurrenz?
Wir vergleichen die Preise von drei Pannendiensten: ADAC, AvD und ACE. Für ihre ADAC-Plus-Mitgliedschaft zahlt unsere Testfamilie mit zwei Kindern 129 Euro pro Jahr. Mit dabei: Wunschwerkstatt und Fahrradschutzbrief. Das bietet auch der AvD und will dafür ebenfalls aktuell 129 Euro.
Der ACE hat vergleichbare Leistungen für die Familie im Classic-Tarif im Angebot, im ersten Jahr für nur 41 Euro durch ein 50-Prozent-Rabattangebot für Neuabschlüsse. Das sind unter dem Strich fast zwei Drittel weniger als bei den anderen beiden. Inzwischen ist die Aktion vorbei und der Tarif kostet somit 82 Euro und ist damit immer noch wesentlich günstiger als die beiden Pannendienste.
Übrigens: Der ADAC erhöht im Laufe des ersten Halbjahres 2027 die Preise deutlich. Dann zahlt die Familie 154 Euro. AvD und ACE wollen die Preise nächstes Jahr nicht erhöhen. Das haben sie auf Marktcheck-Nachfrage erklärt.
Für eine Einzelperson, die mit einem Fahrzeug nur in Deutschland unterwegs ist, kostete eine jährliche Mitgliedschaft beim ADAC zum Testzeitpunkt 54 Euro, beim AvD 49 Euro und beim ACE rabattiert 41 Euro.
Wie gut ist die ADAC-Pannenhilfe bei Auto mit Kraftstoff und E-Motor?
Für diesen Test setzen wir die Kraftstoffpumpe außer Gefecht. Folge: Das Auto zieht keinen Sprit mehr und steht, wo es steht. Die Pannenhilfe wird von unserer Testfamilie telefonisch informiert. Sie ist schon lange Mitglied beim ADAC. Für den Check schließt sie vergleichbare Verträge bei den anderen Anbietern ab. Autoexperte Andreas Keßler schaut aus dem Hintergrund zu, wie die Fehlersuche abläuft. „Wenn es um nicht anspringende Autos geht, gibt es nicht so viele Möglichkeiten. Entweder es ist Strom oder es ist Kraftstoff“, sagt er. Also, machbar. Auch für den ADAC, den AvD und den ACE?
Nach nur 29 Minuten kommt schon der ADAC-Pannenhelfer. Er stellt fest, dass das Auto nicht mehr anspringt, findet aber die Ursache nicht. Nach knapp 30 Minuten gibt er auf. Er bietet der Familie an, das Auto in die Werkstatt schleppen zu lassen und einen Mietwagen zu organisieren.
Beim AvD heißt es, innerhalb von 60 Minuten wird ein Servicepartner zurückrufen. Dieser meldet sich kurz nach der Frist, ist aber erst eine Stunde und 51 Minuten nach der Pannenmeldung da. Nach 40 Minuten gibt auch er auf und bietet der Familie an, sie abzuschleppen. Der Servicepartner arbeitet für AvD und ACE. Das heißt: Einen dritten Test müssen wir damit nicht machen.
Für Andreas Keßler haben beide Pannenhelfer zu schnell das Handtuch geworfen. Sie hätten prüfen müssen, ob die Kraftstoffpumpe läuft und so den Fehler finden können.
Immer mehr Elektrofahrzeuge fahren auf unseren Straßen. Wie gut funktioniert die Pannenhilfe also hier? Der Pannengrund diesmal: Wir haben eine kaputte Sicherung und eine leere Batterie. Nach nur 37 Minuten ist der ADAC da, der AvD nach 41 Minuten und der ACE nach 58 Minuten. Helfen konnte keiner, auch nicht mit einem Hersteller-Support. „Zugegebenermaßen es ist Neuland“, räumt Andres Keßler ein. Der ADAC kritisiert auf Marktcheck-Nachfrage, dass die Hersteller nötige Diagnosedaten nicht bereitstellen, obwohl das von einer EU-Verordnung vorgeschrieben ist. Um helfen zu können, müsse dies „lückenlos umgesetzt werden“, so der Automobilclub.
Auto-Ärger im Urlaub Schutzbrief fürs Auto: Wenn die erhoffte Hilfe ausbleibt
Der Schutzbrief soll Autofahrern nach einem Unfall oder bei einer Panne helfen – auch im Urlaub. Welche Leistungen sind zu erwarten? Welchen Unterschied gibt es zu anderen Kfz-Versicherungen?
Wie schlagen sich ADAC-Versicherungen im Preisvergleich?
Um die Preise bei der Kfz-Versicherung vergleichen zu können, legen wir einheitliche Rahmenbedingungen fest. Unter anderem: Ein 46-jähriger Angestellter möchte seinen VW Golf, 7. Generation, versichern. Die jährliche Laufleistung beträgt 12.000 Kilometer. Das Auto wird auf der Straße geparkt. Eine Teilkasko mit 150 Euro und eine Vollkasko mit 300 Euro Selbstbeteiligung wird eingeschlossen. Im Basistarif kostet das 455 Euro im Jahr, für ein ADAC-Mitglied 432,24 Euro.
Beim Vergleichsportal Check24 finden wir das günstigste vergleichbare Angebot bei inshared, einem reinen Online-Anbieter. Der Jahresbeitrag liegt hier bei 398,76 Euro. Unterschiede gibt es bei den Leistungen: inshared-Kunden müssen sich etwa auf eine härtere Rückstufung im Schadenfall einstellen.
Nicht im Vergleichsportal gelistet ist HUK24. Die Online-Tochter des HUK-Konzerns hat immer wieder sehr günstige Angebote. 428,69 Euro würde unser Versicherungsnehmer im Einstiegstarif zahlen. Die Leistungen sollten im Detail verglichen werden. Folgeschäden von Tierbissen sind bei HUK24 im Einsteigertarif nicht wie beim ADAC versichert.
Als zweites schauen wir auf die Hausratversicherung. Unsere Testfamilie ist aktuell bei HUKCoburg versichert und bezahlt 132,53 Euro pro Jahr. Eine vergleichbare Absicherung kostet beim ADAC ohne Mitgliedschaft 251,58 Euro und mit 226,35 Euro. Der bei der HUK-Coburg enthaltene Haus- und Wohnungsschutzbrief fehlt aber beispielsweise beim ADAC. Bei Check24 ist die GEV mit 82,91 Euro pro Jahr am günstigsten. Beim Leistungsumfang hat der ADAC dagegen hier die Nase vorn: Internet- und Käuferschutz sind unter anderem bereits im Grundschutz enthalten.
Wie gut berät der ADAC bei Versicherungsabschlüssen?
Unsere Testfamilie will eine Hausratversicherung in einem ADAC-Shop abschließen. Doch das geht gründlich schief. Der Berater lehnt es ab, einen Vergleich mit der bestehenden Police zu machen. „Weil wir so etwas nicht anbieten“, erklärt er. Eigene Vertragsbedingungen kann er wiederholt nicht wiedergeben und bietet der Familie an, sich diese selbst durchzulesen. Schließlich verweist der ADAC-Mitarbeiter auf die Kooperation mit der Allianz-Versicherung und die Möglichkeit sich hier „richtig“ beraten zu lassen.
Der ADAC erklärt auf „Marktcheck checkt“-Anfrage dazu: "Der beschriebene Fall aus Leipzig ist nicht unser Anspruch. Wir nehmen die geschilderten Vorgänge zum Anlass, die Schulung und Unterstützung der Vertriebsmitarbeiter intensiv weiterzuführen.“
Wir machen einen weiteren Beratungstest in einer anderen ADAC-Filiale. Dort ist die Beratung deutlich besser.
Fazit unseres ADAC-Checks
Der ADAC hilft auch bei Fahrradpannen – vorausgesetzt, der Einsatzort ist sicher und gemäß StVO erreichbar. In unseren beiden Fällen gab es Probleme mit der Ortung per App.
Ein Preisvergleich bei anderen Pannendienst-Anbietern kann sich lohnen. Gerade auch, weil der ADAC im ersten Halbjahr des Jahres 2027 die Beiträge erhöhen will. Dafür bietet der Mobilitätsclub ein umfangreiches Leistungspaket.
Den von uns eingebauten Fehler bei der Kraftstoffpumpe hat kein Pannendienst beim Auto gefunden. Auch das E-Auto mit leerer Batterie und defekter Sicherung wurde von keinem zum Laufen gebracht. Bei Schnelligkeit und Service liegt der ADAC aber klar vorn.
Die ADAC-Autoversicherung schneidet im Preisvergleich gut ab. Vor allem Mitglieder profitieren. Reine Online-Anbieter wie inshared können zwar günstigere Preise bieten, unterscheiden sich aber im Umfang der eingeschlossenen Leistungen.
Bei der Hausratversicherung waren die Beiträge für den ADAC im Test am höchsten. Man sollte aber auch die Leistungen vergleichen.