SWR1: Was hat es mit dem Tag des Versagens in Finnland auf sich?
Antti Soramies: Das hört sich erstmal negativ an. Es hört sich an, als würde man feiern, dass man irgendetwas nicht drauf oder vergeigt hat. So ist es aber nicht. Sondern: Es soll Mut machen, Sachen auszuprobieren und ein Scheitern zu akzeptieren. Sich nicht dafür zu schämen, sondern eher zu feiern, dass man was versucht hat.
Soramies: Es ist immer einfach, zu schimpfen. Oder sich über jemanden lustig zu machen, der etwas nicht hinbekommen hat. Aber dieses Versuchen soll wirklich gefördert und auch irgendwie gefeiert werden.
Finnen reden nicht über die Fehler der anderen
SWR1: Sind Finnen tatsächlich entspannter im Umgang mit Niederlagen und Rückschlägen?
Soramies: Wir sind ziemlich wortkarg, so kennt man uns zumindest auf der Welt. Vielleicht erleichtert das, dass man ein Scheitern eher akzeptiert.
Man blickt in Finnland nicht auf den anderen runter und sagt: "Der kann ja nichts, der hat nichts drauf."
Man lässt den anderen mehr in Ruhe. Man interessiert sich nicht so sehr dafür, ob der Nachbar die Mülltonne zur richtigen Zeit herausstellt oder sein Auto sauber genug wäscht. Sowas, gibt es in Finnland nicht. Wenn der Nachbar, sechs Kilometer weg ist, ist es natürlich auch schwierig zu schauen, ob die Mülltonne richtig herausgestellt ist. Das muss man natürlich auch sagen.
Scheitern bedeutet, Lebenserfahrung sammeln
SWR1: Wie gehst Du persönlich damit um, wenn irgendwas nicht klappt? Was sagst Du Deinen Kindern?
Soramies: Versucht es. Und wenn es nicht klappt, dann versucht es noch mal. Vielleicht ist es nur eine Kleinigkeit gewesen, die nicht geklappt hat. Und ansonsten ist alles ganz gut gewesen.
Nicht entmutigen lassen. Es ist immer einfach, nichts mehr zu machen. Sich in die Ecke zu setzen, konform zu sein und zu schauen, dass man einfach durchs Leben kommt. Das soll man nicht machen.
Wenn es nicht klappt, dann versucht es noch mal. Vielleicht ist es nur eine Kleinigkeit gewesen, die nicht geklappt hat.
Man soll das Leben so leben, dass man mutig vorangeht und Sachen ausprobiert für sich selbst. Ob man ein Studium beginnt und später merkt, "Das ist doch nichts für mich". Es ist keine Schande, dann zu sagen, "Ich mache doch was anderes".
Das ist kein Scheitern. Sondern das soll man einfach als Lebenserfahrung abhaken. Man kann sagen, das war eine tolle Erfahrung. Von hier gehe ich weiter. Das ist es, was der Tag des Versagens in Finnland den Menschen geben soll.