Welt-Menopause-Tag 2024

Hormontherapie in den Wechseljahren: Risiken, Chancen und aktuelle Empfehlungen

Die Wechseljahre bedeuten für viele Frauen Hitzewallungen, unruhige Nächte und Stimmungsschwankungen. Hormontherapien können helfen. Was man dabei beachten muss, erfahren Sie hier.

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Von Autor/in Ulrike Till

Was ist über die Gefahren einer Hormontherapie in den Wechseljahren bekannt?

In den letzten 20 Jahren ist die Forschung hier zum Glück ein ganzes Stück weiter gekommen. Klar ist: Hormone in den Wechseljahren können das Risiko für Brustkrebs, Thrombosen und Schlaganfälle erhöhen – aber weniger gravierend als man das Anfang der 2000er noch glaubte.

Damals wurde eine Women’s Health Studie in den USA abgebrochen, weil unter anderem das Krebsrisiko nicht mehr vertretbar schien. Im Nachhinein haben sich aber große Schwächen dieser Studie gezeigt: Mit 63 Jahren war das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen sehr hoch – viele hatten die Wechseljahre schon hinter sich. Aber gerade bei Frauen über 60 steigen die Risiken, wenn sie Hormone zu sich nehmen. Hier sind Frauenärztinnen und -ärzte aber inzwischen aufmerksamer und in der Regel ganz besonders vorsichtig.  

Welchen Nutzen und welche Chancen hat eine Hormontherapie?

Mit einer Hormontherapie lassen sich zum Beispiel quälende Hitzewallungen sehr erfolgreich behandeln – vier von fünf Frauen merken mit einer Hormontherapie nichts mehr davon oder sind nur noch minimal beeinträchtigt.

Dadurch verbessert sich in der Regel auch der Schlaf, die Lebensqualität steigt in der Regel deutlich an. Außerdem sind Hormone gut für die Knochen, sie schützen vor Osteoporose - und auch ein Stück weit vor Diabetes und Darmkrebs, so die Hinweise zur Hermontherapie der Deutschen Menopausegesellschaft.

Was hat sich im Umgang mit Hormonpräparaten in den Wechseljahren verändert?

Das Motto ist heute „so wenig und so kurz wie möglich“. Früher bekamen Frauen oft zehn Jahre lang Hormone. Heute ist klar: Wenn man die Hormone länger als fünf Jahre einnimmt, steigen die Risiken nochmal deutlich an.

Manche Fachleute raten daher auch, die Mittel so niedrig zu dosieren, dass eine Frau ihre Beschwerden noch spürt, aber so wenig, dass sie nicht darunter leidet. Dann merkt die Patientin nämlich, wenn zum Beispiel ihre Hitzewallungen von selbst weniger werden. Dann ist klar, Hormone sind nicht mehr nötig und man kann sie langsam absetzen.

Für die Hormontherapie bei den Wechseljahren wird empfohlen, das Östrogen über ein Gel oder Pflaster aufzunehmen.
Für die Hormontherapie bei den Wechseljahren wird empfohlen, das Östrogen über ein Gel oder Pflaster aufzunehmen. Cultura

Die aktuelle Therapie-Leitlinie rät auch dazu, Östrogen nicht zu schlucken, sondern besser als Gel oder Pflaster anzuwenden. Das gilt als risikoärmer als Tabletten. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Dosis individuell angepasst werden kann - je nach Beschwerden und Wirkung.

Eine weitere Empfehlung: die gängige Kombination aus Östrogen und Gestagen sollte man besser nicht ständig gleichzeitig nehmen, sondern über den Monat verteilt nacheinander. Auch das soll mögliche Risiken mindern

Gibt es natürliche Alternativen zur Hormontherapie?

Hier kommt es darauf an, was man unter „natürlich“ versteht. Zum einen gibt es die sogenannten „bioidentischen“ oder „natürlichen“ Hormone. Sie werden aus pflanzlichen Ausgangsstoffen halbsynthetisch hergestellt und haben die gleiche biochemische Struktur wie menschliche Hormone. Sie sind weder natürlicher noch sicherer als rein synthetisch hergestellte Hormone, sagt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.

Die Mariendistel soll gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren helfen. Doch auch hier sind Risiken nicht auszuschließen.
Die Mariendistel soll gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren helfen. Doch auch hier sind Risiken nicht auszuschließen. blickwinkel

Es gibt auch einige pflanzliche Mittel, die helfen können: zum Beispiel Mariendistel gegen Hitzewallungen, oder Traubensilberkerze gegen Schlafstörungen und Präparate mit Soja oder Rotklee, die ähnlich wie Östrogene wirken. Hier gibt es ein breites Angebot rezeptfrei in der Apotheke.

Oft berichten Frauen von positiven Erfahrungen mit solchen Phytoöstrogenen. Der Haken: wenn die pflanzlichen Mittel wirken, haben sie möglicherweise genau dieselben Risiken wie eine klassische Hormontherapie, erklärt Markus Haist vom Berufsverband für Frauenärzte: „Wenn ein Hormon, Östrogen zum Beispiel, Brustkrebs auslösen kann, warum soll dieses bioidentische Hormon das nicht können. (...) Deswegen ist man da schon vorsichtig."

Die möglichen Nebenwirkungen von pflanzlichen Alternativen sind in Studien noch nicht ausreichend untersucht – aber pflanzlich ist auf keinen Fall automatisch harmlos. Das ist ein verbreiteter Irrglaube.

Bundestag diskutiert erstmals über eine nationale Menopausenstrategie – was sagen gynäkologische Fachverbände dazu?

Die Fachverbände wurden im Vorfeld natürlich gefragt und haben Input gegeben. Es sei gut, dass sich endlich etwas bewegt, sagt die Präsidentin der Deutschen Menopausegesellschaft, Dr. Katrin Schaudig, gegenüber dem SWR. Ein Knackpunkt ist aus ihrer Sicht, dass eine ausführliche Beratung von Frauen in den Wechseljahren von den Kassen bisher nicht bezahlt wird. Genau das kritisiert auch der Berufsverband der Frauenärzte.

Eine ausführliche ärztliche Beratung zur Hormontherapie in den Wechseljahren wird bisher nicht von den Krankenkassen bezahlt.
Eine ausführliche ärztliche Beratung zur Hormontherapie in den Wechseljahren wird bisher nicht von den Krankenkassen bezahlt. Zoonar II

Auch im Medizinstudium und später in der Fortbildung müsste es mehr Infos über die Wechseljahre geben, so Katrin Schaudig.

Die Deutsche Menopausegesellschaft (DMG) sieht aber auch die Arbeitgeber in der Pflicht: es gibt schon Pilotprojekte mit Firmen, die Beraterinnen der DMG in den Betrieb holen. Mitarbeiterinnen können sich dann in der Arbeitszeit persönlich beraten lassen.

Bei der Meno-Support Studie haben vergangenes Jahr mehr als die Hälfte der befragten Frauen angegeben, die Wechseljahre seien am Arbeitsplatz immer noch ein Tabuthema – sie fühlten sich damit alleingelassen.

Programmhinweis: Gut durch die Wechseljahre mit ARD Gesund

Wie kann ich die Menopause für mich nutzen? Das ist eine der Fragen, die das neue Kompetenzcenter Gesundheit der ARD anlässlich des Welt-Menopause-Tages rund um den 18. Oktober behandelt. Weitere Informationen finden Sie hier.

Eine Frau Schlaflos im Bett: Die Blutung werden zu Beginn der Wechseljahre etwas unregelmäßiger. Der Zyklus verkürzt sich. Aber es gibt weitere typische Merkmale, etwa Schlaflosigkeit und Stimmungsschwankungen.

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Ältere Frau, aufgedeckt im Bett, fühlt sich unwohl und reibt sich die Stirn: Zu den klassischen Beschwerden in den Wechseljahren gehören, bedingt durch den Östrogenmangel, Hitzewallungen und Schweißausbrüche, aber auch Gelenkbeschwerden. Denn auch Knochen brauchen Östrogen.

Gynäkologie Wie wirkt sich der Östrogen-Mangel in den Wechseljahren aus?

die ganz klassischen Beschwerden, also die Hitzewallungen, die Schweiß aus Brüche haben aber auch so etwas wie Gelenkbeschwerden. Dass viele Frauen merken dann or ich stehe morgens auf und es irgendwie zwingen in den Gelenken. Und ich kann mich gar nicht mehr so bewegen wie vorher. Woran die denn? Das denkt man mein Gott, ich werde alt. Na ja, vielleicht. Aber das vielleicht ist einfach nur der Hormonmangel. Da wissen wir, dass ihm die Hitzewallungen der Nachtschweiß, die sprechen einfach hervorragend auf einer Hormontherapie an. Das ist überhaupt gar steht auch überhaupt nicht mehr zur Diskussion. Und was auch ganz viele vielleicht gar nicht so wissen also auch der Knochen braucht Östrogene. Wenn die abfallen, dann hat, man kann. Besteht die Gefahr, dass man im Verlauf des weiteren Lebens eine Osteoporose entwickelt, mit der Gefahr von Knochenbrüchen. Das ist natürlich überhaupt nicht gut, und auch da können die Hormone, kann die Hormonersatztherapie viel Gutes bewirken.

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