Frauen haben laut den Vereinten Nationen heute bessere Chancen als je zuvor, eine Geburt zu überleben. Die Müttersterblichkeit ist demnach zwischen 2000 und 2023 um rund 40 Prozent zurückgegangen.
Trotzdem sterben auch heute noch Frauen bei der Geburt. Und zwar nicht nur in Entwicklungsländern, wo die Zahlen besonders hoch sind, sondern auch in entwickelten Ländern wie Deutschland und den USA. Der jüngste Todesfall der US-amerikanischen Fernsehproduzentin ("Real Housewives") Lauren Miller zeigt das.
- Wie ist Müttersterblichkeit definiert?
- Wie hoch ist die Müttersterblichkeit in Deutschland?
- Wie ist die Lage in Baden-Württemberg?
- Wie hoch ist die Müttersterblichkeit in Rheinland-Pfalz?
- Wie ist die Lage in den USA im Vergleich dazu?
- Wo liegen die Risiken bei einer Geburt?
- Sind solche Todesfälle vermeidbar?
Wie ist Müttersterblichkeit definiert?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt zur Müttersterblichkeit alle Todesfälle bei Frauen während der Schwangerschaft, Geburt und bis zu 42 Tage (also sechs Wochen) danach. Ausgenommen sind Todesfälle mit zufälligen Ursachen, wie etwa Unfälle. Die Dauer der Schwangerschaft spielt keine Rolle.
Wie hoch ist die Müttersterblichkeit in Deutschland?
In Deutschland sterben pro 100.000 Lebendgeborenen weniger als fünf Mütter - also unter 0,005 Prozent. Jedenfalls legen das Zahlen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung nahe. Damit schneidet Deutschland im internationalen Vergleich gut ab.
Eine Recherche von Bayerischem Rundfunk und Spiegel aus diesem Frühjahr hat aber gezeigt, dass manche Fälle von Müttersterblichkeit gar nicht als solche erfasst werden. Bundesweit ist die Erfassung solcher Fälle nämlich nicht einheitlich. Mitunter fehlen auf dem Totenschein Angaben zu einer Schwangerschaft.
Ein weiteres Ergebnis der Recherche: Viele Fälle von Müttersterblichkeit wären vermeidbar. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf bei der Erfassung von Müttersterblichkeit.
Wie ist die Lage in Baden-Württemberg?
Laut den Zahlen vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg sind 2023 sechs Mütter im Zusammenhang mit Schwangerschaft oder Geburt gestorben. Diese Zahl entspricht in etwa auch der Sterbequote pro 100.000 Lebendgeborenen.
Zwischen 2014 und 2023 lag die Zahl der Todesfälle zwischen 1 und 6. Durchschnittlich gab es in den vergangenen Jahren in Baden-Württemberg demnach circa 3,4 mütterliche Todesfälle pro 100.000 Lebendgeborenen.
Wie hoch ist die Müttersterblichkeit in Rheinland-Pfalz?
In Rheinland-Pfalz sieht es sehr ähnlich aus wie in Baden-Württemberg: Hier lag die Müttersterblichkeit laut Statistischem Landesamt in den Jahren von 2014 bis 2023 pro 100.000 Lebendgeborenen bei Werten zwischen 0 und 5,8. In absoluten Zahlen heißt das: Es starben entweder keine, eine oder zwei Mütter pro Jahr.
Im Zehn-Jahres-Durchschnitt liegt die Todesfall-Quote pro 100.000 Lebendgeborenem bei 2,5. Angesichts der kleinen Fallzahlen ist dieser Wert aber wenig belastbar.
Wie ist die Lage in den USA im Vergleich dazu?
Zwar ist die Müttersterblichkeit in den USA im internationalen Vergleich ebenfalls gering. Im Vergleich zu Deutschland liegt sie aber mit 18,6 Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten etwa dreimal so hoch wie in Deutschland und deutlich höher als in anderen entwickelten Ländern.
Mögliche Ursachen dafür sind ein fragmentiertes Gesundheitssystem, Ungleichheiten beim Zugang zu Gesundheitsversorgung und die Benachteiligung von Minderheiten. Afroamerikanerinnen sind besonders von Geburtskomplikationen betroffen. Außerdem stellen weit verbreitete, chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes ein Risiko dar.
Die WHO beobachtet zudem in Übereinstimmung mit den Zahlen der nationalen Gesundheitsbehörden einen steigenden Trend bei der Müttersterblichkeit in den USA in den vergangenen Jahren. Allerdings ist umstritten, ob es diesen Trend so tatsächlich gibt oder ob er aufgrund von Erhebungsfehlern zustande kam. Von 2022 zu 2023 hat die Müttersterblichkeit nach Angaben der Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention (CDC) abgenommen.
Wo liegen die Risiken bei einer Geburt?
Zu den häufigsten Komplikationen während der Entbindung und im Wochenbett zählen Thrombosen und Embolien, also Verstopfungen von Blutgefäßen. Auch das Eindringen von Fruchtwasser in die Blutbahn der Mutter kann zu einer sogenannten Fruchtwasserembolie führen, die dann schlagartig auftritt.
Ebenfalls lebensgefährlich können schwere Blutungen werden. Sie entstehen etwa, weil die Nachwehen zu schwach ausfallen und sich die Blutgefäße nicht schließen oder weil sich die Plazenta nicht rechtzeitig beziehungsweise vollständig ablöst.
Bakterien, die während oder nach der Geburt in die Blutbahn der Mutter gelangen, können zu einer Infektion führen. Bekannt ist die Krankheit auch als Kindbettfieber, weil sie mit Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen einhergeht.
Bluthochdruck ist ebenfalls eine häufige Todesursache bei werdenden Müttern. Er kann auch zu Krampfanfällen oder sogar zu einem Schlaganfall führen. Generell gelten Frauen mit Herzfehlern oder -krankheiten bei einer Geburt als besonders gefährdet.
Sind solche Todesfälle vermeidbar?
Global gesehen sind viele Komplikationen bei Geburten laut der WHO vermeidbar oder behandelbar. Eine gründliche Schwangerschaftsvorsorge ist nicht nur für das ungeborene Kind, sondern auch für die Mutter wichtig. Wenn Vorerkrankungen und Risikofaktoren bekannt sind, können entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Wird etwa eine Thrombose rechtzeitig entdeckt, kann eine lebensbedrohliche Embolie meist verhindert werden.
Auch Infektionen im Wochenbett können anhand verschiedener Symptome, wie Fieber oder auch Unterleibsschmerzen, in der Regel rechtzeitig erkannt und behandelt werden.
Andererseits können Komplikationen bei der Geburt auch spontan auftreten. Schwere Blutungen etwa sind kaum vorhersehbar und nicht immer zu kontrollieren. Eine Geburt bleibt in jedem Fall eine körperliche Ausnahmesituation mit Risiken.