Gut für Geist und Wohlbefinden

Psychologe verrät: Wann uns Hobbys entspannen und wann nicht

Hobbys sind wichtig, sagt der Psychologe und Psychotherapeut Felix Zegelman. Ein Hobby entspannt und ist gut für unser Wohlbefinden. Allerdings nicht in jedem Fall.

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Stand

Warum Hobbys so wichtig sind

SWR1: Herr Zegelman, Sie sagen, Hobbys helfen uns, den Alltag zu bewältigen. Inwiefern das?

Felix Zegelman: Hobbys sind deswegen wichtig, weil wir im Rahmen unseres Berufs in der Regel relativ strukturiert Dinge abarbeiten und unser Geist dann immer auch in den gleichen Bahnen läuft.

Hobbys sind der beste Weg, um die Akkus mal wieder aufzuladen. Also, zu regenerieren. Mal Dinge von einer anderen Perspektive zu betrachten, nicht immer nur das Ergebnis im Blick zu haben, sondern auch wirklich diese Tätigkeit an sich.

Wenn ich zum Beispiel im Garten arbeite, dann liegt der Fokus nicht darauf, dass ich am Ende einen wunderschönen Garten habe. Sondern ich konzentriere mich wirklich auf die Tätigkeit. Das ist der größte Unterschied zu der beruflichen Tätigkeit, die bei vielen im Alltag die meiste Zeit einnimmt.

Wenn das Hobby die Erholung gefährdet

SWR1: Kommt vielleicht auch aufs Hobby an. Fitness ist was anderes als im Chor singen

Zegelman: Ja. Das stimmt. Man könnte das weiter auf die Spitze treiben: Wenn Schachspielen ihr Hobby ist und sie an Turnieren teilnehmen. Der Aspekt der Selbstbestimmung und der Aspekt des Spaßes stehen bei den Leuten immer im Fokus.

Ein Topmanager, der Triathlon in seiner Freizeit macht, sagt, es sei sein Hobby. Aber er wird nicht sagen, dass ihn das entspannt, wenn er 10 Stunden Training pro Woche einplanen muss.

Wenn der Leistungsgedanke reinwandert, dann nimmt der Erholungsaspekt rapide ab.

„Ein Topmanager, der Triathlon macht [..] wird nicht sagen, dass ihn das entspannt, wenn er 10 Stunden Training pro Woche einplanen muss.“

Zu jung für sein Hobby? 15-Jähriger sammelt Motorsägen

Wenn das Hobby die Beziehung gefährdet

SWR1: Wir haben den Eindruck, dass Frauen weniger Hobbys machen als Männer. Ist da was dran?

Zegelman: Ich würde nicht sagen, dass Frauen weniger Hobbys haben. Sondern sie gestatten sich weniger Raum dafür.

Leider ist es immer noch so, dass Frauen den großen Teil der Care-Arbeit übernehmen, also sich um die Kinder kümmern. Interessanterweise haben sie auch häufiger ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich doch die Zeit für ein Hobby nehmen. Da stecken tatsächlich immer noch die angestaubten Rollenbilder der Erziehung mit drin.

SWR1: Männer sind also ein bisschen anders erzogen. Kann das auch zu Problemen in der Ehe führen?

Zegelman:  Das führt nicht selten dazu, dass Egoismus unterstellt wird. Weil die Frau zu sehr darauf wartet, dass der Mann es aus Eigeninitiative heraus tut. Der Mann dann wiederum sagt: Wenn du was möchtest, dann nimm es dir doch, genauso wie ich. Da sieht man die unterschiedlichen Prägungsmuster, die dann aufeinandertreffen.

Ein Hobby: Das Beste was sie für ihr Gehirn machen können

SWR1: Ein neues Hobby kann man in jedem Alter beginnen. Auch zum Beispiel ein Musikinstrument spielen.

Zegelman: Absolut. Das ist das Beste, was sie für ihr Gehirn und ihr Wohlbefinden machen können. Ich hatte mal einen Klienten, der hat im Alter von 79 Jahren mit Krafttraining angefangen. Es ist nie zu spät.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Claudia Deeg
Claudia Deeg
Christian Balser
SWR1 RP Moderator Christian Balser
Interview mit
Felix Zegelman, Psychologischer Psychotherapeut
Onlinefassung
SWR1 Rheinland-Pfalz
Eins gehört gehört. SWR1. (Schriftzug SWR1 auf gelbem Hintergrund)