Thomas Rigotti, Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, gibt Tipps zum Umgang mit Urlaubsvertretungen.
Urlaubsvertretung darf nicht dauerhaft zur Mehrarbeit werden
SWR1: Darf der Chef oder die Chefin verlangen, dass ich mehr Output bringe, damit alles weiter so läuft?
Thomas Rigotti: Der Arbeitgeber hat ein Weisungsrecht und darf natürlich Aufgaben zuteilen und vielleicht temporär auch verändern. Aber es darf natürlich nicht dauerhaft zur Mehrarbeit werden. Wenn die Aufgaben des Kollegen und der Kolleginnen einfach obendrauf kommen, dann wird es schnell zu viel und dann leidet natürlich auch die Qualität.
Stress vermeiden: Chef soll Aufgaben priorisieren
SWR1: Aber wenn man dann sagt, sorry, das ist mir zu viel, fällt das doch auf einen zurück, oder?
Rigotti: Ich würde auf jeden Fall empfehlen, nicht pauschal "Nein" zu sagen, sondern Priorisierungsentscheidungen einzufordern und klarzumachen, dass der eigentliche Job, den man macht, bereits die Zeit gut ausfüllt.
Wenn man zusätzliche und andere Aufgaben in der Urlaubszeit von anderen übernimmt, dann muss an anderer Stelle etwas wegfallen, weil sonst eben vielleicht die Kunden unzufrieden sind, Fehler passieren, Qualität nachlässt. Also nicht nur sagen: "Nee, da habe ich keine Lust drauf und das ist mir zu viel", sondern auch klarmachen, was das für den Output der Arbeit bedeutet.
Wenn man zusätzliche und andere Aufgaben in der Urlaubszeit von anderen übernimmt, dann muss an anderer Stelle etwas wegfallen [...].
Vertretungen auf der Arbeit sind ein "Geben und Nehmen"
SWR1: Viele Hörerinnen und Hörer schreiben uns, dass sie das machen, was geht, und dass man ja auch immer im Kopf behalten muss: Wenn ich weg bin, übernehmen auch die anderen für mich. Ist das eine gute Haltung?
Rigotti: Ja, es ist natürlich ein sozialer Austausch, es ist ein Geben und Nehmen. Da ist es ja gut, sich gegenseitig im Team zu unterstützen. Urlaub im Vergleich zum Krankheitsfall ist zunächst mal nicht ungeplant. Das plant man meistens schon eine ganze Weile vorher im Betrieb, sodass man dann auch Vertretungsregelungen machen kann.
In der Zeit, wo mehrere Leute fehlen, muss man natürlich irgendwie insgesamt reduzieren und einen klaren Vertretungsplan und Übergabeplan machen, sodass es nicht zur Mehrlast wird, derjenigen, die dann da sind. [...]