Bestattungsunternehmer Roland Thomé fühlt mit den Angehörigen mit. Drei Urnen stehen in seinem Unternehmen in Trier bereit für eine Flussbestattung. Seit dem 18. März war der Abfluss auf der Mosel nicht mehr so, dass eine Flussbestattung erlaubt gewesen wäre.
Vor zwei Wochen erst habe in der Kapelle seines Betriebs eine Trauerfeier stattgefunden. Seitdem warte die Ehefrau des Verstorbenen darauf, ihren Mann in der Mosel zu bestatten. Das könne bei der jetzigen Wetterlage bis Oktober dauern, befürchtet Thomé.
Warten auf eine Flussbestattung kann zermürbend sein
Gerne erinnert sich Thomé an seine letzte Flussbestattung Mitte Februar. Der Verstorbene war gerne in Triers Fischerviertel, in Zurlauben, und wollte deshalb gerne in der Mosel beerdigt werden. Mehr als hundert Wegbegleiter nahmen auf dem Personenschiff Abschied.
"Zwei Wochen später hätte das nicht stattfinden können", meint Thomé. "Wenn ich an die Fließgeschwindigkeit denke, wäre das bis jetzt nicht möglich gewesen, das heißt jemand ist im Februar verstorben und wäre jetzt im August immer noch nicht beerdigt worden".
Neue Beisetzungsform in RLP Bestattungen im Fluss: Wasserstand sorgt häufig für Probleme
Das Warten auf eine Flussbestattung kann in Rhein, Mosel, Saar oder Lahn zur Geduldsprobe werden. Bestattungen sind an eine bestimmte Wassermenge gekoppelt.
Warum in der Mosel seit März niemand bestattet werden darf
Grund dafür, dass seit dem 18. März keine Flussbestattungen mehr auf der Mosel stattfinden durften, ist der sogenannte "Mittlere Abfluss". Der Wert zeigt an, wie viel Wasser ein Fluss führt. Er beschreibt also das Wasservolumen, das in einer bestimmten Zeit durch die Mosel fließt.
Diese Vorgabe soll laut rheinland-pfälzischem Umweltministerium sicherstellen, dass sich die Asche mit dem Wasser "in der fließenden Welle" vermischt und damit mögliche negative Auswirkungen auf die Wasserqualität ausgeschlossen werden. Der Mittlere Abfluss ist in etwa bei einem Pegelstand von drei Metern am Pegel Trier gewährleistet.
Experte sieht keinen Sinn in Vorgabe des Ministeriums
Aus Sicht von Holger Schüttrumpf, Professor für Wasserbau und Wasserwirtschaft an der Technischen Hochschule Aachen, ergibt die Vorgabe keinen Sinn. Dem SWR sagte Schüttrumpf: "Ein mittlerer Abfluss ist zwar ein viel genutzter Wert in der Wasserwirtschaft, hinsichtlich einer Durchmischung einer bestimmten Menge eines Stoffes jedoch ein ungeeigneter Wert." So stehe am Rhein die fast 40-fache Menge an Wasser wie an der Lahn für die Durchmischung zur Verfügung.
Rhein nicht mit Mosel, Saar und Lahn vergleichbar
Die Mosel bei Cochem führe bei Mittlerem Abfluss nur ein Fünftel des Rheinabflusses. Die Saar bei Fremersdorf nur ein 23tel, so Schüttrumpf weiter: "Das sind also verglichen mit dem Rhein kleine Flüsse."
Menge an Asche dürfte überschaubar sein
Dazu kommt: Die Menge an Asche, die bei einer Bestattung im Fluss landet, ist mit vier Kilogramm überschaubar. Der Bestatterverband schätzt, dass es in Zukunft etwa 2.500 Flussbestattungen im Jahr geben könnte. Dies würde insgesamt zehn Tonnen Totenasche im Jahr in Rhein, Mosel, Saar und Lahn bedeuten.
Auch wenn es sich nach viel anhört, ist es im Verhältnis sehr wenig. Professor Schüttrumpf hatte bereits im Frühjahr für den SWR berechnet: Im Rhein werden pro Jahr zwischen zwei und drei Millionen Tonnen Sedimente wie Schlamm, Kies und Sand transportiert. Im Vergleich würden zehn Tonnen Totenasche da lediglich 0,0003 Prozent ausmachen.
Im Winter gibt es mehr Wasser, aber andere Probleme
Im Winter ist die Situation nicht besser. Zwar gibt es dann mehr Wasser und die Mosel hat einen höheren Abfluss, dafür wird es aber schwieriger mit Booten und Schiffen. Bestatter Roland Thomé und seine Frau chartern für die Flussbestattungen ein Personenschiff. Wenn jemand sich im kleinen Kreis verabschieden will, mieten sie ein Motorboot. Dafür haben sie extra einen Bootsführerschein gemacht.
Im November aber stellen fast alle Personenschiffe den Betrieb ein und auch der Bootsverleih holt seine Boote aus dem Wasser. So kann es passieren, dass die Flussbestattungen nur an wenigen Wochen im Jahr auf der Mosel möglich ist.
Solange die Schifffahrt erlaubt ist, sollten auch Flussbestattungen erlaubt sein.
Bestatter Thomé wünscht sich eine einfache praktikable Lösung, die auch für die Angehörigen nachvollziehbar ist. "Solange die Schifffahrt erlaubt ist, sollten auch Flussbestattungen erlaubt sein."
Sollte die jetzige Verordnung weiter Bestand haben, bleiben Flussbestattungen in Rheinland-Pfalz wohl schwierig. Denn auch an den Rheinpegeln wurde die vorgeschriebene Wassermenge seit Anfang März laut Aufsichtsbehörde nicht erreicht. An der Lahn am Pegel Kalkofen seit Mitte März. Nur an der Saar sieht es etwas besser aus. Hier gab der Pegel Fremersdorf zuletzt Ende Juni Flussbestattungen im rheinland-pfälzischen Teil der Saar her.
Bislang wenige Flussbestattungen in Rheinland-Pfalz
Bislang hat die SGD Nord 42 Flussbestattungen genehmigt. 19 Bestattungen im Rhein, 20 Bestattungen in der Mosel und drei Bestattungen in der Lahn. Die SGD Süd in Neustadt an der Weinstraße hat anders als die SGD Nord auch Sammelerlaubnisse für mehrere Flussbestattungen für den Rhein erteilt. Drei Unternehmen haben sie bekommen. Außerdem gab es eine Einzelerlaubnis.
Alternative Bestattungsformen nehmen an Bedeutung zu
Die Bestatter sagen, immer mehr Menschen würden nach alternativen Bestattungsformen fragen. Neben Flussbestattungen sind das bei Roland Thomé in Trier auch Beerdigungen in Friedwäldern oder das Verstreuen der Asche in einem Friedhofsgarten in Luxemburg.