Es ist ein Brandbrief, der, passenderweise, während einer extremen Hitzeperiode kommt. Die Bundesfachgruppe Obstbau hat sich an den Deutschen Bundestag und die Landtage gewandt mit der Frage: "Wollen wir in Deutschland überhaupt noch heimisches Obst?"
Auch der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd hat diesen Brandbrief unterschrieben. Sprecherin Andrea Schneider erklärt das Anliegen dahinter: Die Stimmung unter den Obstbauern sei schon lange nicht gut, mit den gestiegenen Benzinpreisen und dem hohen Mindestlohn sei ein Gipfel erreicht.
Obstbauern fordern geringeren Mindestlohn für Saisonarbeiter
Die Bundesfachgruppe fordert deshalb einen geringeren Mindestlohn für landwirtschaftliche Saisonarbeitskräfte. Damit solle die Wettbewerbsfähigkeit zu Produkten aus dem Ausland sichergestellt werden.
Obstbauer aus Bad Dürkheim: Deutschland hat genug eigene Äpfel
Der Obstbauer Markus Puder führt seinen Familienbetrieb seit 35 Jahren in Laumersheim (Kreis Bad Dürkheim). Er ist der größte Apfelbauer in Rheinland-Pfalz. Er sagt: "Deutschland hat genug eigene Äpfel. Man müsste eigentlich gar keine Äpfel importieren." Aber dadurch, dass der Stundenlohn in der Republik Moldau oder Polen geringer sei, würden die importierten Produkte im Supermarkt billiger sein als die heimischen.
Deshalb schließt er sich den Forderungen des Brandbriefs an. Sein Betrieb baut aktuell auf 65 Hektar Äpfel an. In Zukunft möchte er diese Fläche um die Hälfte verkleinern.
Hitzewelle und Trockenheit: Äpfel verbrennen
Die Äpfel verwelken einfach. Die schrumpeln zurück und werden faul und schwarz. Und das war's dann.
Und noch etwas macht dem Obstbauern Markus Puder Sorgen: die anhaltende Hitzewelle. Seine Apfelbäume verbrennen gerade durch die Trockenheit und Sonne. "Ich mache das seit 35 Jahren und so ein extremes Jahr habe ich nicht in Erinnerung."
Durch eine Zusatzbewässerung versucht er, das Obst zu retten. Dennoch: Etwa zehn Prozent seiner Apfelernte sei schon beschädigt, sagt er. Durch die Bewässerung müsse er zudem 6.000 Euro mehr pro Woche zahlen. "Es ist wirklich eine Katastrophe dieses Jahr."
Folge der Hitzewelle im Landkreis Reutlingen Verbrannte Kirschen: 70 Prozent weniger Ernte im Ermstal
Die Hitzewelle der vergangenen Wochen hat die Kirschbäume im Ermstal hart getroffen. Viele Früchte sind am Baum verbrannt. Ein Obstbauer rechnet mit bis zu 70 Prozent Ernteausfall.
20.000 Euro Schaden: Hälfte der Süßkirschen weggeschmissen
Außerdem baut Puder auf einem Hektar Süßkirschen an. Auch die habe die Hitze stark beschädigt, sagt er. Die erste Erne im Mai sei noch gut verlaufen, aber als es im Juni über 40 Grad waren, konnte er keine Kirschen mehr verkaufen.
Die Kirschen an den Bäumen waren wie abgekocht. Bei 40 Grad heizt sich eine dunkle Frucht auf 50, 60 Grad auf.
Die Hälfte der Ernte musste er wegen der Hitzeschäden wegschmeißen, das waren fünf Tonnen und ein Schaden von mindestens 20.000 Euro.
Sein nächstes Sorgenobst ist die Pflaume. Denen gehe es ähnlich wie den Kirschen, sagt Puder. Durch die Hitze waren die Früchte sehr schnell reif geworden, dadurch hatte der Bauer nur ein Erntefenster von vier bis fünf Tagen. In anderen Jahren waren es zwei Wochen.
Obstbauer aus Landau: Keine Investitionen mehr in den Betrieb
Der Obstbauer Tobias Wicke in Hochstadt (Nähe Landau), berichtet auch von Ernteschäden durch die Hitze. Je nach Apfelsorte hatte er in dieser Saison schon 50 Prozent Ernteausfall. "Es gibt kein Jahr mehr, bei dem alles gut läuft", sagt er. Wegen des Klimawandels könne man das nicht mehr erwarten.
Zusammen mit seiner Frau will er den Betrieb deshalb auslaufen lassen. Geplante Investitionen, etwa in den Hagelschutz, hätten sie in diesem Jahr doch nicht getätigt.
Nicht genug Pflanzenschutzmittel, um Schädlinge zu bekämpfen
Wicke kritisiert zudem, dass immer mehr Pflanzenschutzmittel in Deutschland nicht zugelassen würden. Durch den Klimawandel und die Hitze gebe es vor allem bei Steinobst immer mehr Schädlinge, die man nicht anders bekämpfen könne. Zusammen mit den gestiegenen Produktionskosten lohne sich das Geschäft nicht mehr.
Wicke bleibt dennoch optimistisch. Zusammen mit seiner Frau hat er in ein Tiny House investiert, dass er in der Pfalz vermietet. Sich zu ärgern bringt nichts, sagt er.