Thomas Kreuters Familie baut seit mehreren Generationen in Mülheim-Kärlich Obst an, der Betrieb bewirtschaftet heutzutage rund 45 Hektar mit Baumobst. Eigentlich ist die Zukunft des Hofes geklärt: Kreuters Sohn Tim Kirch möchte den Familienbetrieb weiterführen und das fortsetzen, was die Familie über Generationen aufgebaut hat.
Doch gerade das macht Thomas Kreuter Sorgen: "Ich stelle mir oft genug die Frage nachts, wenn ich wach werde: Hätte ich ihm nicht besser abgeraten, Obstbau zu lernen?", sagt Kreuter.
Zwetschgenernte bringt kaum noch Geld
Besonders schwierig ist nach Angaben von Kreuter derzeit der Verkauf von Zwetschgen. Für einen Teil der Ernte würden aktuell Preise erzielt, mit denen gerade einmal das Pflücken und die Vermarktung bezahlt werden könnten.
Für die Arbeit, die das ganze Jahr über anfällt, bleibe dann nichts mehr übrig. Dazu gehören etwa Pflanzenschutz, das Mulchen, der Schnitt der Bäume oder neue Pflanzungen. "Das heißt also, wir produzieren dieses Jahr eigentlich negativ", sagt Kreuter. Eine Saison könne ein Betrieb so möglicherweise überbrücken. Auf Dauer funktioniere das aber nicht.
Einen Teil seines Obstes verkauft der Landwirt direkt im eigenen Hofladen. Bei Süßkirschen und Zwetschgen sind die Mengen dafür allerdings zu groß. Sie werden deshalb auch über eine Genossenschaft an den Lebensmitteleinzelhandel vermarktet. Das Problem: Während Zwetschgen im Geschäft laut Kreuter teilweise für etwa 1,50 bis 2,50 Euro pro Kilo verkauft werden, kämen beim Erzeuger davon oft nur rund 50 bis 60 Cent an.
Konkurrenz durch günstigeres Obst aus dem Ausland
Kreuter und andere Obstbauern aus der Region weisen darauf hin, dass heimische Früchte im Handel mit günstigerer Ware aus dem Ausland konkurieren müssen. Nach Ansicht der Landwirte wird dort teilweise unter deutlich günstigeren Bedingungen produziert - etwa wegen niedrigerer Lohnkosten.
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Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau rechnet in Rheinland-Pfalz mit einer deutlich schlechteren Ernte. Er geht von 20 Prozent weniger Erträgen als in den Vorjahren aus.
Gleichzeitig sind die Personalkosten im heimischen Obstbau ausschlaggebend, denn viele Früchte müssen von Hand geerntet werden. Steigen die Löhne, steigen deshalb auch die Kosten für die Betriebe deutlich. Die Obstbauern kritisieren, dass der Handel auf der einen Seite gerne mit Regionalität werbe, beim Einkauf aber trotzdem häufig der Preis entscheide.
Die Forderung der Betriebe: Heimisches Obst müsse im Handel tatsächlich stärker berücksichtigt werden - auch wenn es am Ende ein paar Cent mehr kostet. Das war auch schon Ende Juli Thema eines Brandbriefs der Bundesfachgruppe Obstbau. Darin wurde vor einem "rasanten Abschied von der heimischen Obstproduktion" gewarnt.
Dass die Sorgen der Obstbauern nicht unbegründet sind, bestätigt auch Janina Schreiber aus der SWR-Umweltredaktion. In Rheinland-Pfalz gibt es tendenziell immer weniger Obstbaubetriebe. Dabei könnten vor allem größere Betriebe auf größeren Flächen rentabler wirtschaften. Ein wichtiger Grund für den wirtschaftlichen Druck seien die hohen Personalkosten. "Man kann sich das so merken: Je mehr Handarbeit in einem Obst steckt, zum Beispiel bei Beeren, desto höher sind auch die Kosten, desto weniger können wir uns gegen das Ausland durchsetzen, wo eben Lohnkosten oft geringer sind", sagt Schreiber.
Mülheim-Kärlich bald ohne blühende Obstwiesen?
Die Obstbäume prägen seit Jahrzehnten das Landschaftsbild: Mülheim-Kärlich werde mit Kirschen, Obst und blühenden Bäumen verbunden, sagt Kreuter. Wenn sich der Anbau wirtschaftlich nicht mehr rechne, müssten jedoch Flächen gerodet werden.
Hier muss einfach was passieren. Für die Preise, die wir zurzeit kriegen, können wir nicht produzieren.
Dann könnten an die Stelle der Obstbäume beispielsweise Getreidefelder treten oder Flächen nicht mehr bewirtschaftet werden. Auch Angebote wie der Streuobstwiesenweg hängen letztlich an einer Landschaft, die durch den Obstbau geprägt wird. Kreuter macht deutlich, dass die Familie an dieser Tradition hängt. Doch allein davon könne ein Betrieb nicht leben. Für Kreuter steht deshalb fest: So wie bisher könne es nicht weitergehen. "Hier muss einfach was passieren. Für die Preise, die wir zurzeit kriegen, können wir nicht produzieren."