Für Ralf Cullmann war seine erste Flussbestattung etwas Besonderes. "Wir haben die Urne zwischen Kinheim und Kröv der Mosel übergeben", erzählt der Bestatter aus Traben-Trarbach: "Das war genauso wie sich die Verstorbene und ihre Angehörigen das nach dem Tod gewünscht haben."
Diese letzte Reise mit dem Schiff zu organisieren, sei aber alles andere als leicht gewesen. Monatelang hatte der Bestatter mit der zuständigen Behörde gestritten, bis er die Erlaubnis bekommen hat. Sein Fazit: "Das Land hat mit dem neuen Bestattungsgesetz ein Bürokratiemonster geschaffen."
Strenge Vorschriften bei Bestattungen im Fluss
Seit Ende September sind Flussbestattungen in Rheinland-Pfalz zwar erlaubt. Bisher wurden aber nur drei Urnen in die Mosel gelassen. Dabei sei die Nachfrage zunächst groß gewesen, sagt Ralf Cullmann: "Es gab einen regelrechten Hype". Der sei aber schnell wieder abgeflaut, als klar wurde, wie groß die Hürden sind. Vor allem die hohen Erwartungen an die Urnen hätten viele Bestatter ausgebremst.
Flussbestattungen oder die Urne zuhause Bestattung in Rheinland-Pfalz: Das gilt ab jetzt
Rheinland-Pfalz reformiert das Bestattungsgesetz. Entscheidend: Zu Lebzeiten müssen Verstorbene ihren Willen klar schriftlich festlegen. Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Laut dem neuen Bestattungsgesetz soll sich eine Urne "unverzüglich" im Wasser auflösen. Die zuständige Struktur- und Genehmigungsdirektion habe den Begriff besonders streng ausgelegt, sagt Cullmann: "Die waren der Ansicht, dass die Urne sich innerhalb von Sekunden auflösen soll. Aber so eine Urne gibt es gar nicht."
Der Tod und die Bürokratie bei Bestattungen im Fluss
Warum es Regeln für die Flussbestattung braucht, kann der Bestatter nachvollziehen, schon aus Pietätsgründen: Keiner wolle, dass eine Urne mit der Asche eines Verstorbenen stundenlang auf dem Fluss treibt oder am Ufer angespült wird wie Treibholz. Allerdings findet nicht nur Ralf Cullmann, dass die Behörde es mit den Vorgaben übertrieben hat.
Ulrike Grandjean, die Vorsitzende des Bestatterverbandes im Bezirk Trier, sieht den Fehler beim Gesundheitsministerium: "Die haben das Gesetz einfach auf den Weg gebracht, ohne mit den zuständigen Stellen zu sprechen. Und die Behörden waren überrascht und sind dann eben auf Nummer sicher gegangen."
Binnenschiffer will einfachere Bestattungen im Fluss
Dass die Behörde ihre Ansprüche an die Urnen inzwischen zurückgeschraubt hat, ist auch Joachim Zimmermann zu verdanken. Zimmermann ist Besitzer und Kapitän der "Telegraaf IV". Das ehemalige Postschiff legt in Riol an der Mosel an und kann für Bestattungen gebucht werden. "Ich wollte, dass sich hier das ganze Leben abspielt, Geburtstage, Hochzeiten und Trauerfeiern", sagt der Binnenschiffer.
Doch auch Zimmermann musste Interessenten vertrösten. Seinen ersten Antrag auf eine Flussbestattung in Riol lehnte die Struktur- und Genehmigungsdirektion ab. Streitpunkt war auch in diesem Fall die Urne. Doch Zimmermann gab sich damit nicht zufrieden, er schrieb E-Mails und telefonierte, bis das Gesundheitsministerium einlenkte.
Neue Vorgaben für Bestattungen im Fluss
Inzwischen verlangt die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord nicht mehr, dass eine Urne sich "unverzüglich" auflöst, sondern nach Angaben einer Sprecherin nur noch, "dass deren Auflösungsprozess in dem Moment beginnt, in welchem diese mit Wasser in Kontakt kommen."
Zudem sollen die Gefäße "in einem fließenden Gewässer sofort versinken, nicht länger sichtbar auf der Wasseroberfläche schwimmen und nicht an das Ufer gespült werden." Künftig brauchen Bestatter auch kein Zertifikat mehr, das dies nachweist. Eine Bestätigung des Bestatters selbst, sei "zur Verfahrenserleichterung ausreichend".
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Erste Flussbestattung in Riol an der Mosel
Gute Nachrichten für Zimmermann: Die "Telegraaf IV" konnte am 9. März zur ersten Flussbestattung auf der Mosel ablegen. Kurz darauf erhielt Ralf Cullmann die Erlaubnis für die Beisetzung in Kröv. Bei beiden Trauerfeiern kam eine spezielle Urne aus dem bayrischen Regensburg zum Einsatz.
Die Urne sieht aus wie ein sechseckiger Pappkarton und ist gefaltet wie eine Geschenkverpackung. "Recht unscheinbar, aber sie erfüllt ihren Zweck", sagt der Bestatter Ralf Cullmann: Mit einem Gewicht beschwert, geht sie schnell unter und löst sich zügig auf. Künftig dürften noch andere Anbieter entsprechende Modelle auf den Markt bringen.
Hohe Kosten nach dem Tod: Nachfrage ist gering
Doch trotzdem: Die Menschen stehen nicht gerade Schlange für eine Flussbestattung auf der Mosel. Nach Angaben der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord wurden bisher nur drei Beisetzungen auf dem Fluss genehmigt, zwei Anträge würden derzeit noch bearbeitet. Ein Andrang sieht anders aus.
Auch der Binnenschiffer Joachim Zimmermann sagt: "Man muss sich nicht vorstellen, dass jetzt dauernd das Telefon klingelt." Und das könnte neben den bürokratischen Vorschriften noch einen anderen Grund haben: den Preis. Ein Schiff zu chartern, ist teuer. Hinzukommen die Kosten für die Einäscherung, die Urne und den Bestatter. Und dann verlangt die zuständige Behörde auch noch eine Bearbeitungsgebühr von 115 Euro.
Der Bestatter Ralf Cullmann aus Traben-Trarbach rechnet deshalb damit, dass Flussbestattungen eher eine Nische bleiben werden.