Dieter Hoffmann blickt auf das Baufeld des neuen Fußballplatzes im Ahrknick. "Man musste manchmal eine Faust in der Tasche machen," sagt der Vorsitzende des Sportvereins in Hönningen. Fünf Jahre hat der SV Hönningen darauf gewartet, dass sein Fußballplatz wiederaufgebaut wird. So lange fehlt nun schon dieser wichtige Treffpunkt für die Ortsgemeinschaft.
Ein Neubau des Fußballplatzes Hönningen war bereits vor der Flut geplant
"Wir haben seit 2017 dafür gearbeitet, einen neuen Platz zu bekommen", sagt Hoffmann. Der alte Ascheplatz war sowohl bei Hitze als auch bei Nässe nicht mehr bespielbar. 2021 lag dann endlich die Baugenehmigung für einen Naturrasenplatz vor. "Die Bagger standen im Prinzip schon da." Rund 5000 Bodendecker-Setzlinge hatten die Vereinsmitglieder in Eigeninitiative um den alten Sportplatz gerade gepflanzt. Doch vier Wochen später kam die Flut.
Dabei wurde der Platz in Hönningen völlig zerstört. So erging es allen Sportplätzen entlang der Ahr, auch denen in Insul, Dümpelfeld und Schuld, die neben Hönningen zur Sportgemeinschaft (SG) Ahrtal gehören.
Unmittelbar danach sei an Fußball nicht zu denken gewesen, sagt Hoffmann. Aber bereits wenige Wochen nach der Flut wurde Sport wieder ein Thema: Hoffmann traf zusammen mit den anderen SG-Vorsitzenden Vertreter aus Landes- und Kommunalpolitik, um den Wiederaufbau der Fußballplätze zu diskutieren. Dabei entstand die Idee, statt vier Plätzen nur die beiden in Insul und Hönningen wiederaufzubauen, dafür aber besser und moderner.
Für den SV Hönningen entstand eine Bürokratie-Posse
Während in Insul bereits zwei Jahre nach der Flut schon wieder gekickt wurde, ließ der Wiederaufbau in Hönningen noch auf sich warten. Sehr zu Dieter Hoffmanns Erstaunen: Er hatte angenommen, dass es genau umgekehrt sein würde, weil in Hönningen alle Genehmigungen und Planungen bereits vor der Flut vorgelegen hatten. Doch dann erfuhren sie nach zwei Jahren, dass sie doch eine neue Baugenehmigung und neue Gutachten brauchten.
"So hat man eben dann nicht mehr in Tagen und Wochen, sondern in Monaten, Quartalen oder Jahren gedacht.“ Zurück blieb bei dem ehrenamtlichen Vereinsvorsitzenden vor allem "ein Gefühl von Machtlosigkeit." Von Problemen in Genehmigungsverfahren erfuhr der Vorstand meist nur über Andere. Hoffmann hätte sich gewünscht, Teil des Prozesses zu sein, mit den Entscheidungsträgern im Austausch. "Man fühlt sich nicht am Tisch, sondern in einem anderen Raum."
Dankbarkeit geht an die Nachbarvereine
Dass der Spielbetrieb nach der Flut überhaupt weiterlief, verdankt der SV Hönningen vor allem den Nachbarvereinen in Adenau, Reifferscheid und Leimbach. Die teilten ihre Plätze mit der SG Ahrtal. Doch für Hoffmann ist es trotzdem nicht das gleiche wie auf dem eigenen Platz zu spielen: "Man ist eben Gast und nicht zu Hause." Der 54-Jährige war seit er denken kann auf dem Sportplatz im Ahrknick aktiv.
Außerdem bestand die Sorge, dass nicht alle Mitglieder bleiben würden. Denn wegen der geteilten Plätze waren Trainings schwerer zu organisieren und mit längeren Fahrtzeiten verbunden. Das machte es komplizierter, gerade für Familien, die teils selbst im Wiederaufbau steckten. Zerbrochen ist die Gemeinschaft daran aber nicht, auch wenn es aus Hoffmanns Sicht ein Marathon war: "Wir stehen eigentlich jetzt personell und fußballerisch besser da, als vor der Flut."
Leuchtturmprojekt: Das interkommunale Spielfeld
Entlastung für die SG Ahrtal brachte, dass das Spielfeld in Insul schneller fertig wurde. Dort entstand aus drei zerstörten Anlagen eine gemeinsame interkommunale Sportanlage für Schuld, Dümpelfeld und Insul. Das Projekt wurde mit rund 3,6 Millionen Euro von Bund und Land gefördert und gilt als eines der Leuchtturmprojekte beim Wiederaufbau. Im April 2024 wurde dort das erste Spiel angepfiffen. "Das war ein tiefes Durchatmen für alle", sagt Peter Zimmermann, Jugendleiter der SG Ahrtal.
Alle beteiligten Ortsgemeinden, die Verbandsgemeinde, der Kreis und das Innenministerium hätten gut zusammengearbeitet. Für ihn ist klar, dass die interkommunale Sportanlage politisch gewollt war und alle ein Erfolgserlebnis präsentieren wollten. "Und Gott sei Dank ist es da schnell gegangen. Weil sonst wäre es schon schwierig geworden, den Verein und die Spielgemeinschaft in dieser Form aufrechtzuerhalten."
Fünf Jahre Wiederaufbau und noch immer liegen viel Sportstätten brach
Der ehemalige Sportkreisvorsitzende Fritz Langenhorst des Kreises Ahrweiler hat nach der Flut die Zerstörung aller Sportstätten entlang der Ahr dokumentiert. Er sieht den Wiederaufbau "insgesamt auf einem guten Weg." In Bad Neuenahr-Ahrweiler, Bachem oder Bad Bodendorf seinen einige Sportstätten bereits fertig. In Sinzig, Antweiler oder Ahrbrück werde dagegen noch gebaut, saniert oder geplant.
Aber nicht alle Sportplätze dürfen wiederaufgebaut werden, sagt Langenhorst. Zum Beispiel in Schuld, Kreuzberg und Mayschoß. Dort lagen die Plätze direkt an der Ahr, wo jetzt Retentionsflächen geschaffen werden. So hat der Fluss Platz, wenn es wieder zu einem Hochwasser kommt.
Ich kenne zig Vereine, die gar keinen Platz mehr bekommen werden.
In manchen Orten werden die Anlagen an anderer Stelle wieder aufgebaut, beispielsweise in Dernau. In Altenahr wird noch eine Fläche für die Tennisanlage gesucht. Langenhorst kennt viele solcher Fälle: "Ich kenne zig Vereine, die gar keinen Platz mehr bekommen werden." Und was an vielen Orten noch fehlt, sind Schwimmbäder.
Spatenstich in Hönningen bringt Hoffnung und Freude auf den Sportplatz
Wenige Wochen vor dem fünften Jahrestag der Flutkatastrophe haben die Bauarbeiten in Hönningen begonnen. Bagger planieren bereits das neue Spielareal. Rund 900.000 Euro kostet der hochwasserangepasste Naturrasenplatz. Insgesamt 90 mal 60 Meter soll er groß werden. Bis Ende Oktober sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, im Sommer 2027 soll gespielt werden.
Doch Hoffmann sagt offen heraus, dass es knapp war. "Wenn es noch ein Jahr oder zwei Jahre länger gedauert hätte, dann wäre es sicherlich zum Bruch gekommen." Aber jetzt blickt er einfach nur nach vorne und ist dankbar: "Es geht einfach um die Vorfreude, dann wieder einen eigenen Platz zu haben für den Verein. Und darauf freuen wir uns."