"Wir merken dieses Jahr besonders, dass sehr viele Tiere mit einem schlechten Allgemeinzustand zu uns kommen", erklärt Biologin Eva Lindenschmidt von der Wildtierhilfe in Maßweiler in der Südwestpfalz. Das ist auch auf die Hitze zurückzuführen. "Viele Tiere sind dehydriert oder einfach geschwächt. Sie finden nicht genug Wasser und Futter." Betroffen sind vor allem kleine Wildtiere wie Igel oder Eichhörnchen, aber auch Jungtiere. "Die haben noch nicht so viele Reserven", so Lindenschmidt.
"Diese Dimensionen haben wir noch nicht erlebt"
Auch einige Vogelarten leiden derzeit unter den heißen Temperaturen, berichtet Sandra Labenski von der Taubenhilfe in Kaiserslautern. "In den Nestern wird es teilweise unerträglich heiß, sodass die Jungen sich nicht anders zu helfen wissen und aus den Nestern springen." Das ist besonders bei Schwalben und Mauerseglern der Fall, die oft in Mauern oder Dachrinnen nisten. Aktuell muss Labenski rund 90 Wildvögel aufpäppeln. "Diese Dimensionen haben wir noch nicht erlebt."
Störche haben Tricks gegen die Hitze
Wer kaum unter der Hitze leidet, sind hingegen die viele Störche in der Westpfalz. "Sie ziehen schließlich in Länder, die noch heißer und trockener sind", erklärt Simone Friedrich vom Rheinland-Pfälzischen Storchenzentrum in Bornheim im Landkreis Südliche Weinstraße. Störche haben hauptsächlich weißes Gefieder, das die Sonneneinstrahlung reflektiert. Gegen Hitze haben sie außerdem einen Trick: "Störche koten auf ihre Beine. Das kühlt beim Verdunsten und der weiße Kot reflektiert. Das ist wie eine Sonnencreme."
Wie schlimm steht es also um die Tiere in der Pfalz?
Grundsätzlich sind Tiere daran gewöhnt, mit extremen Temperaturen umzugehen. So erklärt es Ulf Hohmann, Biologe und Wissenschaftler an der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz. "Tiere sind anpassungsfähig. Sie können zum Beispiel ihren Standort wechseln.“ In der Natur gebe es immer Gewinner und Verlierer. "Dieses Jahr profitieren zum Beispiel Eidechsen und Schlangen. Dafür ist es kein gutes Jahr für Amphibien wie Frösche oder Molche", sagt Hohmann. Der Wissenschaftler resümiert: "Kurzfristig ist die Hitze besonders schlimm für die Pflanzen. Langfristig leiden die Tiere aber auch unter den Schäden an der Vegetation."
Drei Tipps: So helfen Sie den Wildtieren richtig
Tipp 1: Kleine Hilfen im Garten schaffen
Garten- oder Balkonbesitzer können etwa eine flache Schale regelmäßig mit sauberem Wasser füllen. Daran können sich Insekten bedienen, erklärt Biologin Eva Lindenschmidt. "Man sollte ein paar Steine oder Holzstücke reinlegen, sodass die Insekten nicht ertrinken." Außerdem kann man ein paar Bereiche schaffen, in denen Tiere Nahrung, Schatten und Schutz finden. "Wichtig ist, dass man den Garten nicht komplett mäht und aufräumt", so Lindenschmidt. Stattdessen hilft es, Gebüsch oder eine Blühwiese stehen zu lassen. Eine "unordentliche Ecke" aus Zweigen und Ästen dient Igeln oder anderen Kleintieren als Rückzugsort.
Tipp 2: Eine Wildtierstation kontaktieren
"Am besten anrufen und ein Bild schicken", sagt Sandra Labenski von der Taubenhilfe in Kaiserslautern. Das sei das beste, wenn man einen geschwächten oder dehydrierten Vogel finde. Dasselbe gilt auch für alle anderen Wildtiere, so Eva Lindenschmidt von der Wildtierhilfe in Maßweiler. Die Stellen beraten, wie man einem Tier am besten helfen kann. Wenn nötig, können die Stationen das Tier aufnehmen und aufpäppeln.
Tipp 3: Nicht zu stark eingreifen
"Es sind Wildtiere und sollen auch Wildtiere bleiben“, sagt der Biologe Ulf Hohmann. Wenn die Tiere kein Wasser fänden, würden sie eben danach suchen. "Wenn wir ihnen Wasser hinstellen, verlieren sie das Wissen, wo sie stattdessen hingehen könnten", erklärt er. "Dann verschieben wir das Problem in die Zukunft."