Früher war hier überall Wasser: Beim Offenbacher Wald, Kreis Südliche Weinstraße. Vor 25 Jahren war das Wasser über der Erde, es war ein feuchter Wald. Heute ist davon nichts mehr zu sehen, erklärt der Gewässerexperte Hans-Jürgen Hahn vom Institut für Grundwasserökologie in Landau. Der Wald ist das ganze Jahr über trocken, Bäume sterben ab. Hahn beobachtet den Wald, und vor allem das Wasser unter dem Wald, schon lange.
Wegen Klimawandel und Hitze: Grundwasserspiegel sinkt immer weiter
Ein paar Meter weiter im Wald ist eine Messstelle für Grundwasser. An einer blauen Röhre lässt Hans-Jürgen Hahn das Lichtlot herunter, eine Art Messband mit Sensor am Ende. Damit kann er kontrollieren, wie tief das Grundwasser gesunken ist. Das Gerät piepst, sobald das Messband auf Grundwasser stößt. "Der Wasserstand beträgt hier 1,85 Meter", sagt Hahn. "Das ist nicht gut." 2001 habe der Grundwasserstand an der selben Stelle 1,55 Meter gemessen: Das heißt, heute liegt das Grundwasser viel tiefer, und dadurch gibt es auch weniger Wasser.
Schon wenige Zentimenter würden viel ausmachen, sagt Hahn. Dass der Grundwassserspiegel in den vergangenen 25 Jahren um 50 Zentimeter gesunken ist, sei schlecht. Denn so kommen die Bäume schlechter an das Grundwasser dran. Damit fehle ihnen vor allem an heißen Tagen viel Wasser.
In der Pfalz werde deutlich weniger Grundwasser neugebildet, so Hahn. "Wir müssen uns Sorgen machen." Zudem steigt die Temperatur des Grundwassers. Woran liegt das? Seit Jahrhunderten habe man die Landschaft zum Beispiel durch Landwirtschaft trockengelegt. Dadurch fehle Wasser, was durch den Klimawandel verstärkt wird.
FAQ zu Wassermangel und Trockenheit Brunnenbau, Privatpools und Gießen bei Wasserknappheit - die Regeln
Die Sommerhitze sorgt für Trockenheit in RLP. Wer einen Brunnen im Garten hat, ist aber nicht auf örtliche Versorger für Gießen und Pool-Auffüllen angewiesen. Welche Regeln gelten?
Edenkoben und Bad Bergzabern schon jetzt mit Wasserproblemen
Wir haben weniger Wasser, gleichzeitig steigt der Bedarf. Diese Schere geht immer weiter auseinander.
Gemeinden, die in der Nähe des Pfälzerwalds liegen, nutzen viel Quellwasser für ihre Trinkwasserversorgung, erklärt Hahn. "Quellen reagieren noch schneller als das Grundwasser auf verringerte Grundwasserneubildung." Bad Bergzabern und Edenkoben zum Beispiel hätten bereits jetzt Probleme, die benötgten Wassermengen bereitzustellen.
In der vergangenen Woche rief die Stadt München Bürgerinnen und Bürger dazu auf, Wasser zu sparen: Den Rasen zu bewässern oder einen Pool zu füllen ist demnach nicht mehr erlaubt. Auch der Gewässerexperte und Zoologe Hans-Jürgen Hahn sagt dazu: "Ich sehe das als realistische Konsequenz der derzeitigen Entwicklungen."
Höchste Nitratbelastung in Vorderpfalz gemessen
Zu der Wasserknappheit kommt: Die Qualität des Grundwassers nimmt ab. In der Vorderpfalz wurde für die Jahre 2018-2021 die höchste Nitratbelastung in Deutschland gemessen. Das sei auf die intensive Landwirtschaftsnutzung zurückzuführen. Durch den Dünger gelangen Schadstoffe in den Boden und damit ins Grundwasser.
Ein hoher Nitratwert im Grundwasser ist nicht erlaubt. Denn wenn Nitrat sich zu Nitrosamin umwandelt, sei das krebserregend, erklärt Hans-Jürgen Hahn. Und besonders für Kleinkinder gefährlich. "Je belasteter das Grundwasser ist, desto höher ist der Aufwand der Aufbereitung." Heißt: Je mehr Schadstoffe darin sind, desto teurer wird es, das Grundwasser zu reinigen.
Wassersparen, weniger CO2 ausstoßen
Nur: Was kann man tun, um dem Grundwasserschwund entgegenzuwirken?
"Das eine ist ganz klar: Wassersparen!", sagt der Experte. Und weiter: Der Wassermangel sei ein globales Problem. Man müsse weiteren CO2-Austoß vermindern, um den Klimawandel entgegenzuwirken.