1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler und 140.000 Lehrkräfte in Baden-Württemberg starten am kommenden Montag ins neue Schuljahr. Die Unterrichtsversorgung bleibt angespannt. Laut Kultusministerium sind 426 Lehrerstellen über alle Schularten hinweg nicht besetzt.
Der Dauerbrenner Unterrichtsausfall wird auch im neuen Schuljahr ein Thema sein. Trotz Verbesserungen fehlen Lehrkräfte in allen Schularten. Man komme mit der Einstellung gut voran, sagt Kultusminister Andreas Jung (CDU). Trotzdem gebe es weiter eine angespannte Versorgung. Das betrifft einige abgelegene Regionen in Baden-Württemberg, wo es auf offene Stellen kaum Bewerbungen gibt. Unterrichtsausfälle sind hier vorprogrammiert.
Hängen Bildungschancen vom Wohnort ab?
Damit entscheide der Wohnort eines Kindes über Bildungschancen, kritisiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein fordert mehr Anreize für die Mangelregionen: "Wenn ich nicht endlich anfange als Kultusministerium mir ernsthafte Gedanken darüber zu machen, dass nicht nur das Wort Beamtenstatus reicht, dann muss ich da was tun". Darauf angesprochen hat Jung zugesichert, über solche Anreize nachdenken zu wollen, möglicherweise auch finanzieller Art.
Angehende Lehrer wenig mobil
Was besonders auffällt, ist die geringe Mobilität angehender Lehrkräfte. So haben die vier Regierungspräsidien in Baden-Württemberg im sogenannten Zentralen Listenverfahren in diesem Jahr 787 Personen ein Einstellungsangebot gemacht - 107 und damit jede achte Lehrkraft haben dieses Angebot abgelehnt. Der größte Anteil der Absagen entfällt laut Kultusministerium auf angehende Gymnasiallehrer.
Die Mobilität sei weiterhin gering ausgeprägt, moniert das Ministerium. Ein Umstand, der auch dem Philologenverband zu denken gibt: "Vielleicht müssten junge Lehrkräfte mal aus ihrer Lehrer-Bubble rauskommen und müssten sich mal mit ihren Freunden unterhalten, die sich in der freien Wirtschaft bewerben müssen. Da ist es mit Sicherheit anders", sagt die Landesvorsitzende Martina Scherer. Aktuell gibt es noch 426 offene Lehrerstellen in Baden-Württemberg. Im vergangenen Jahr waren vor dem Schulstart 1.159 Stellen unbesetzt. Dass die Lage in diesem Jahr besser ist, hat mit einer im Juli 2025 bekannt gewordenen Software-Panne zu tun: 1.440 jahrelang unbemerkte Lehrerstellen konnten mittlerweile ausgeschrieben werden.
Großer Lehrer-Mangel in der Sonderpädagogik
Die meisten ausgebildeten Lehrkräfte fehlen wenige Tage vor Beginn des neuen Schuljahres an den sonderpädagogischen Schulen. Es beschwere ihn, dass es gerade hier Versorgungslücken gebe, wo der Förderbedarf besonders groß ist, so Jung. Zwar sei in der Vergangenheit die Zahl der Sonderpädagogik-Studienplätze erhöht worden, doch es gebe erheblich steigende Schülerzahlen in diesem Bereich. Deshalb müsse man auch neue, pragmatische Wege öffnen.
PISA und die Folgen
Dass deutsche Schüler bei der neuen PISA-Studie so schlecht abgeschnitten haben wie noch nie, bezeichnet der baden-württembergische Kultusminister als Tiefschlag für die Bildungspolitik. Vor allem der Rückgang bei der Bildungsgerechtigkeit bereitet dem CDU-Politiker Sorgen: "Dass der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg, dass diese Schere weiter auseinanderklafft, kann uns nicht ruhen lassen". Deshalb müsse man darüber nachdenken, bei der Erfassung des Sprach- und Entwicklungsstands noch früher anzusetzen als bisher. Jung will eine Debatte darüber führen, wie die frühkindliche Förderung verbessert werden kann und wie die Ganztagesbildung gestärkt werden kann - zum Beispiel mit dem Ausbau von Ganztagesschulen.